Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 17 (18.8.1921)
- Date
- 1921-08-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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>*» Seite 12 Die Wahrbe-ik Nr. 17 Bo« Nah und Fern Juden im Weltkrieg. Mr bringen im Artikelteil unseres Blattes eine Zuschrift eines Lesers, Äersich mit Recht darüber auMlt, daß unsere Kultusgemeiinde, ganz im WDerspMche zu den anfeuernden Beispielen derBMapester und Badener Reliigivnsgvmeinden, es sich gar Nicht angelten sein laßt, für ein würdiges Heldeudenkmal der jüdischen Soldaten zu sorgen, die im Kriege gefallen und nun in heimatlicher Erde «begraben sind. Die daran geknüpften Bemerkungen über die Leistungen unserer Tapferen und. den Lrchn, den sie bei den Herren Antisemiten gefunden haben, find vollkommen richtig urch in jedem Punkt zu unterschreiben. Wir wollen noch ein übriges tun uNd zwei Tatsachen Wiedergaben, die die Stichhältigkeit der Anschauungen des Herrn Einsenders illustrieren. Nach den Erhebungen des Ausschusses für Kriegsstatiistik sind 84.352 Wische Kriegsteilnehmer in Deutschland ermittelt worden. Wollte man nun aber diese 84.352 Kriegsteilnehmer einfach in ein Verhältnis zu den bei Kriegsausbruch in Deutschland ansässig gewesenen 620.000 Juden setzen und danach den Prozentsatz der jüdischen Kriegsteilnehmer mit dem Prozentsatz der nichtjüdischen 'Kriegsteilnehmer vergleichen, dann würde man zwei grobe Denkfehler be- «hen. Erstens schien bei der genannten Ziffer sämtliche Kriegsteilnehmer aus Hamburg, Posen und Elsäß-Lothrinden, die man schätzungsweise cmf 12.000 ansetzen und hiuzuaddieren mutz. Aus der anderen Seite sind .unter den 620.000 Wischen Deutschen eine ganz außerordentlich große Zahl von Ausländern inbegriffen, die bei der Ermittlung des Verhältnisses zwischen Kriegsteilnehmer und Bevölkerung natürlich 'außer Ansatz bleuen müssen. Diese Ausländer muß man auf Grund von Teilstatistiken in Preußen, Sachsen, Hessen, München und Hamburg aus mindestens 6500 annchmen. So bekommt man eine Berhältniszahl von 100.000 zu 555.000. Mt anderen Worten, 17.30 Prozent Mer deutschen Juden oder jeder sechste deu tsch e I u de ist zu den Waffen gerufen worden. Auch wurde statistisch nachtzewiösen, daß etwa 3500 Juden Auszeichnungen empfangen haben, 23.000 beordert wurden, darunter etwa 2000 zu Offizieren. Man sieht, diese Zahlen sprechen eine lebendige Sprache und Mm sollen ihnen Worte folgen. Ans dem Anlässe, daß die Pester isrvielitische Religionsgemeirche im Herbst den rm WeWkrivg gesMenen Helden Wischer Konfession und den Wischen Opfern der Gegenrevolution eme solenne Trauier- ' feier zu veranstalten gedenkt, hat sich die Zeitschrift: „EgyenlösHg" an Arei-hervorragende ungarische Heerführer im Weltkriege mit einer Anfrage um deren Meinung über die Wischen Frontsoldaten gewendet. Das zitierte Blatt veröffentlicht nun in 'feiner jüngsten Nummer die ihm zugegangsNen Arrtworten dreier Generale der gewesenen österreichisch-ungarischen Armee: Der frühere ungarische Landesverteidigungsminister Baron Alexander Szurmay schreibt unter anderem: „Wir begehen die Gedächtnisfeier toter jüdischer Helden, die dem Vaterlande den größten Tribut, den ihres Lebens, entricht haben, denn hätten sie ihre schwere Pflicht nicht getreulich erfüllt, so würde vielleicht jetzt keiner von ihnen im Gr.abe schlummern. Es wäre somit von den Lebenden, also von jenen, die die große Sturmflut nicht hinweggefegt hat, unbillig, undankbar und ungerecht, würden sie anders handeln. Es ist -ein wichtiges Landesinteresie, daß der wahllose Heilden- DM sobald als möglich allgemein werde; zum Schaden der Landesverteidigung haben wir in dieser Hinsicht ohnehin schon viel versäumt. Durch den Heldeukult ziehen wir neue Helden auf, und ans «diese staatserhalteüden und' -sichernden Stützen — und zwar auch auf die jüdischen HeWen — ist unser unglückliches 'kleines Land jetzt mehr als je angewiesen." FML. Baron Geza Lukachich äußert sich über die jüdischen Soldaten: „An der Front, also ans dem Schlachtfelde, ist bei mir gegen Offiziere und Mannschaften jüdischer Konfession keine Klage geführt worden. In den mefften Fällen waren die Vorgesetzten über die konfessionelle Zugehörigkeit ihrer Subalternen gar nicht unterrichtet, denn während des Krieges hatten wir'keine Zeit, uns mit dergleichen zu befassen. Die Leitung sah nur darauf, ob der Soldat seine Pflicht erfülle oder nicht. Ich lernte die jüdischen Soldaten als ebenso gute Krieger einschätzen wie die Angehörigen anderer Glaubensbdkenutnisfe. Es ist nicht vorgekommen, daß etwa gegen jüdische Soldaten vom Gesichtspunkt des persönlichen Mutes Klage erhoben worden wäre. Ich entsin>ne mich Nicht, 'daß gegen jüdische Soldaten wegen: Feigheit oder Fahnenflucht verhältnismäßig öfter das Verfahren eingeleitet worden wäre als gegen Soldaten, die einer andern Religion angehörten. Während des Krieges wurde, nur eine einzige Beschwerde laut, die im ersten Augenblick den Anschein ernsten Charakters hatte: daß nämÄch vo>n den jüdischen Soldaten vei> haltnismäßig mchr «den Büros und Kommandos zugöteilt waren als von anderen Soldaten. Nach UeberprÄfung dieser Beschwerde kamen.wir dahinter, daß sie ihre Ursache in der außerordentlichen Eignung und Brauchbarkeit der jüdischen Soldaten im Bürodienst habe und daß die Betreffenden auch dort nützliche und pünktliche Arbeit verrichtet haben. Die jüdischen Soldaten -aber, die während -des Krieges an der Front wären, haben sich als gewissenhafte, tapfere und wackere Kämpfer bewährt; das kam: und darf auch nicht geleugnet werden." FML. Desider v. M o l n a r berichtet Wer eine Heldentat des Reserveleutnants Karl Grün bei Gorlioe, der hiebei den Heldentod erlitten hatte, und schließt diesen Bericht mit den Worten: „Keines einzigen aber unter meinen jüdischen Soldaten' und Offizieren, der sich feige geführt hätte., vermag ich mich zu erinnern. Soviel'jüdische Soldaten ich hatte, soviel brave, tapfere ungarische Jungen waren es." Poincare über die Judenftage. Der ehemalige französische Ministerpräsident Poinoare machte, wie „Jewish Times" melden, «einem führenden französischen Zionisten Mitteilungen Mer Frankreichs Stellung zur Judenftage, wobei er betonte, daß Frankreich allen den Juden gemachten Versprechungen treu bleiben werde. Er, Poincare, habe sich auch für eine jüdische Emigration nach Frankreich erklärt, weil die Juden rasch zu guten und patriotischen Bürgern würden. In Frankreich gäbe es keine Gefahr antisemitischer Exzesse, und falls sie austauchte, würden die Ruhestöre: strengstens bestraft werden. Die Juden Ungarns und das Magnatenhaus. Die „Jüdische Korrespondenz" berichtet: .In . dem vom Justizmiittffter Dr. Tomcsanyi deir Nativttalversammluug unterbreiteten Gesetzentwurf Mer das neue Maguatenhaus wird den weltlichen und geistlichen Vertreternder Änzelnen Konfessionen ein vornehmer Platz emgeräumt. Es entspricht dem Geiste des herrschenden christlichen Kurses, daß die Juden auch als Kofession in diesem Entwürfe ganz übergangen wurden. Gegen -diese Rechtsentziehung dev «gesetzlich' rezipierten jüdischen Konfesfion nimmt namens der untzarländischen Judenschust die JsraeMsche Landeskanzlei in einer vom 26. Juli datierten Eingabe an den Justizminister Stellung. In dem Memorandum wird' daraus hingewiesen, daß im Sinne des