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Die Wahrheit · 1921-08-18 · Heft 17 (18.8.1921) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 17 (18.8.1921)
Date
1921-08-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Eingesendet.*) Bitte folgende Zeilen gefäMg aufzunehmen: Sie würden der Mischen Sache meines Erachtens einen guten Dienst leisten, wenn Sie den «unten beitzefügten Brief zur Veröffentlichung «bringen. Es Ware schon das zweite Mail, daß Sie eine von der zionistischen „Morgenzeitung" abgelehnte zionistische Notiz veröffentlichen. Ich bin der Meinung, daß Herr Ingenieur Stricker, der gut «bezahlte Chefredakteur dieser zionistischen und doch nicht zionistischen „Morgenzeitung" hoffentlich bald als zionistischer mehrfacher Funktionär abgewirtschaftet haben wird. Die Stimmung gegen ihn ist nicht nur in der Umgebung des Herrn Dr. Schwarz-Hiller eine ziemlich gereizte. Vielleicht werden Sie mir noch Gelegenheit gelben, j?it! ,'Jhirchn Matte j&jen klaren Nachweis für diesbezüglich zum Bewußtsein noch nicht Gekommene zu erbringen, daß dieser- „radikale" zivnMsche Führer die zionistische Bewegung Oesterreichs in den Sumpf führt. Wer den wahren Stand der Dinge in unserer österreichischen zionistischen Organisation kennt, wird das organisatorische Talent des Ingenieur Stricker richtig einzuschätzen wißen. Ich habe ihm meine Meinung in mehreren Zuschriften offen hevausgesagt, aber er hat stets in genialer Weise dazu geschwiegen. Zwar wußte ich schon längst, daß er in manchem -etwas weniger als ein Genie ist, aber daß er den Fehler begehen wird, als „Präsident" dies zionistischen Landeskomitees in einem Ausruf gegen alle politische Vernunft für seine Kandidatenliste zum XII. Zionistenkongreß gegen andere Listen in der „MorgenzeÄuntz" Partei zu ergreifen und daß «er gewisse Kundgebungen der Oppositionellen nicht publizieren wollte, hätte ich ihm wirklich nicht Kugemutet. Man kann ihm doch nicht einmal mehr die notwendige Objektivität bezüglich der Durchführung des SkrutiNiUms zutvauen. Dabei predigt er natürlich aller Welt poMische Moral und scheint stets den Eindruck erweckenzu wollen, daß er in der österreichisch-zionistischen Organisation allmächtig ist. Aber diese Allmacht ist, ebenso wie leiider auch die kmfftruktiv« Macht der Organisation selbst purer Bluff, und den Höhepunkt hat unser „Präsident" nach meinem Ermessen schon längst überschritten. An die Redaktion der „Morgenzeitung"' Ich «bitte um Veröffentlichung folgender Zeilen unter der Rubrik „XII. Zionistenkongreß".: Ganz abgesehen von der Theorie, welche bezüglich der Delegiertenwahlön zum Kongreß in der betreffenden Wahlordnung niedergelegt ist und nur einen schwachen Abglanz unserer, sagen wir, inneren zionistischen Differenziertheit dargesteN, halte ich es für ein schreimdes Unrecht, wenn uns Zionisten in der Praxis nach österreichischem parlamentarischem Muster zugemutet wird, ganz einfach für eine geschloffene Liste statt führ die einem jeden Schekelzahler in den verschiedenen Listen am würdigsten scheinenden Kandidaten zu stimmen, welche sowohl von sich selbst, als auch von einem Kollektiv, vor allem durch das Landeskomitee ausgestellt oder empfohlen werden können. Indem ich mir noch die Bemerkung erlaube, das Erfordernis von 500 Unterschriften zwecks Einbringung eines neuen Wählvorschlages sei ein arger, an berüchtigte Wahlen erinnernder Mißgriff der Hauptwahlkommiffion, zeichne ich mit Zionsgruß ergebenst Dr E. M. Sucher, 6. Bez., Brückenguffe 2/13. *) Fü: diese Ratrik übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Wahrheiten vom Tage Preußische Kulturblüten in Oberschlesieu. Aus Berlin wird mitgebeUt: Angesichts - der herannahenden Entscheidung über das Schicksal Oberschlesiens hat die Reichsregierung im Vereine mit der preußischen StMtsregierung «beschlossen, in enger Fühlungnahme mit der Bevölkerung Schlesiens dahin zu wirken, daß die Bewohner des Landes sich auch weiterhin höchste Zurückhaltung auserlegen, um zu ihrem Teil dazu beizutragen, eine sachliche Entscheidung, zu ermöglichen. Es gilt der Welt ein Beispiel dafür zu geben, wie ein Volk durch seine Selbstbeherrschung der sachlichen Lösung einer Frage von so großer Tragweite die Wege ckbnet. DieReichsregierung richtet diese Mahnung nicht nur an Schlesier, sondernmr das ganze deutsche Volk und erwartet, daß jeder, der der deutschen Sache dienen will, ruhiges Blut bewahrt und sich der hohen Verantwortung bewußt bleibt, die uns der Augenlblick auferlegt. Jede unbesonnene Haltung würde die von uns beanspruchte sachliche und gerechte Lösung der Frage gefährden. Der Schlußsatz dieses Aufrufes ist sehr allgemein gehalten. Soll sich die Warnung vor einer unbesonnenen Haltung auf etwaige Exzesse gegen die Polen beziehen oder auf die judenseindlichen Vorgänge, von denen wir in der letzten Nummer -berichtet haben. Diese Vorfälle haben sich leider wiederholt, wie nachfolgende Meldung zeigt: Im Hauptbahnhof Breslau stieg ein altes jüdisches Ehepaar—er! 75, sie 73 Jahve alt — in den Zug. Am Eingang des «benachbarten Abteils stand ein Offizier des Selbstschutzes — (natürlich!),das Monokel im Auge —und schrie dem Ehepaare zu: „Ihr verfluchten Juden dürft nicht mitfahren, ihr müßt raus!" Er zwang das Ehepaar — trotz des Protestes der Bahnbeamten — auszusteigen. Verschiedene Angehörige des Selbstschutzes nahmen für den Offizier Partei. So schrie einer von diesen Tapferen, der Kanfmann Werner Brode aus Pyritz, augenscheinlich auch Offizier: „Du verfluchter Jude, Dir drehe ich den Kops rum, daß Dir -die Augen zum Hintern Dauslaufen. Ihr verfluchte Judenbande, Euch wird allen bald das Fell vom Leibe gezogen werden. Es wird nicht lange dauern, dann werdet Ihr Juden -alle totgeschlagen." Bis dahin sollen sie für das jetzt ins Leben gerufene „Oberschlesier-Hilfswerk" ihr Geld hergeben. Hiezu verstehen sie sich auch, denn jüdische Organisationen -halben sich, damit deutsch^ Land deutsch bleibe, bereitwilligst zur Verfügung gestellt, ebenso wie die anderen Konfessionen ihr Letztes in Anbetracht der guten Sache herzugeben. Der fteie Arbeiters Die Zensurfteiheit hat, so demokratisch ihre Einrichtung ansich ist, doch ihre Schattenseiten. Sie gestattet einem jeden Winkelschriftsteller, ein „Kampfblatt" herauszugeben und seinen Kohl den spärlichen Lesern Vorzügen. Ein solches Blättchen, das seit dem Umstürze zwar in 'Graz erscheint, aber natürlich in der „Reichspost"-Druckerei gedruckt wird, ist „Der fteie Arbeiter". Diesen Titel ffchrt die Zeitung deshalb, weil die an ihrer Spitze stehenden Männer als echte „freie, ftohe und rechte Deutsche", „niemands Herr und niemands Knecht".sind, also sicher auf kernen Fall' im Solde des jüdischen Kapitalismus stehen. Wer dem Inhalte nach zu schließen, hat sie den Titel ,ffrei" auch mit Recht, denn sie ist wirklichftvi — nämlich von allen Formbegrvffen.

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