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Die Wahrheit · 1921-08-18 · Heft 17 (18.8.1921) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 17 (18.8.1921)
Date
1921-08-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1? feie Wahrheit «eit- 1 Rund um Franzensbad. Von Josef Grob. Vor ollem bas Kurpublikum. Es ist unleugbar, baß das Gros desselben bas schöne Franzensbad nicht ausgesucht hätte, wenn nicht die günstige Valuta es dazu verleidet hätte. Leben doch hier die Günstlinge des Züricher Valutenmarktes verhältnismäßig sehr billig, und man kann vielte Gäste wah-vnehmen, lbie nur zum Sommeranfenchalt hier weiikeu, ohne daß sie die Bäder benötigen. Wennjedoch säst alle hier Weisenden die Bäder und Trinkquellen benützen, so geschieht es nur deshalb, weil sich die mMsten von dem Gedanken leiten lassen: „Was dem Kricmiken nützen kann, dürste dem Gesunden nicht schaden!" Dafür aber ist der größte Teil des ständigen, anhänglichen Kurpublikums ganz ausgeblieben. In erster Reihe sind es die gemütlichen Wiener, die überall, wo sie hinkommen-, selbst als Kranke ihren unverwüstlichen „Hamur" mitbringen. Diese haben, bank ihrer noch mchr kranken Krone, aus einen Kurgebrauch in Franzensbad verzichten müssen. Nur wenige sind da und selbst diesen bekommt die Kur sehr schwer, da sie den hohen Ansprüchen der tschechischen Krone nicht leicht gerecht werden können. Auch die Polen sind mit ihren Waggonladungen Mark nicht zu beneiden. Weil man doch für die Gefundheir das Letzte hergeben will, sicht man bisweilen Mich einen Kurgast aus Polen, der seine Mark w«ie Koriandoli verstreut. Achtzig Prozent der alten, auf Franzensbad eingeschworenen Kurgäste aus Rußland und Galizien werden aber höchstwahrscheinlich noch lange warten müssen, bis sie Widder einmal den Franzensbader Moorboden betreten können. Vorwiegend haben die glücklichen Bürger der jungen tschechischen Republik und nicht zuletzt sine größere Anzähl von Ausländern von Franzensbad Besitz ergriffen, die -es sich eben leisten können. Was die Bäder und Quellen betrifft, bleibt es unbestMen, daß sie von Jahr zu Jahr wirksamer und heilbringender werden. Eine Bereicherung für viele Gäste, die infolge der Weltereignisse während der jüngsten Jahre Franzensbad nicht besuchen konnten, bildet die vielgerühmte und Heuer ungemein stark besuchte „Glauiberquelle". Eine halbe Stunde genügt, um die große Dankbarkeit vieler konstatieren zu können, die, dank des vorzüglichen Wassers, hier Apotheke nn!d allerlei Mixturen ersparen und so von einer schweren Last befreit werden. Auch die Gurgelhalle bei der Salzquelle entbehrt des Interesses nicht. Ein lustiges Trillern zu jeder Tageszeit. Industrielle, Beamte, Sänger, Kauslente, Redner, Schriftsteller, Männer und Weiber, alles trillert. Manche sind in der Guvgelkoloratur schon so weit, daß sie der Kurz schon etwas vorgeben kmntten. Nicht selten kann man dort auch freiwillige und unentgeltliche Konzerte anhören. Bei manchen Sängern ist nämilich die Ungeduld so groß, daß sie die Zeit nicht abwarten können, da sie wieder auf dem Gesangspodium stehen, und schon in der Gurgelhalle. die, nebstbei bemerkt, eine herrlichje Akustik besitzt, versuchen, bis zu Welcher Höhe sie sich beim nächsten Herbstkonzert heoanwagen dürfen. Die Kurverwaltung bestrebt sich gewiß, den Kurgästen die für eine Kur unbedingt notwendigen Annehmlichkeiten zu schaffen. Gewisse Neueinrichtungen jedoch verursachen nicht wenigen Kurgästen Aufregungen und Kränkungen. So zum Beispiel die Badeanstalten mit d^n für bestimmte Stunden anbevaumten Bädern. Bei einer kranken Person kann man nicht immer auf Pünktlichkeit rechnen und da ist es Vicht sehr gerecht, wenn ein Kurgast, der später als zu der auf der Karte bestimmten Zeit im Bade erscheint, eine neue Karle kaufen muß. Umsoweniger dürfen solche Maßregel platzgreifen, als man doch nicht wissen kann, ob der «betreffende Kurgast wirklich in der Lage ist, «in Bad doppelt zu bezahlen. Sehr stark ist der Zustrom von minderbemittüten Kurgästen ins Bürgermeisteramt. Der Bürgermeister bemüht sich wohl, den Ansnchenden, soweit die Verhältnisse es gestatten, entgegenzukommen. Nicht wenige jedoch ziehen, in ihren Hoffnungen enttäuscht, ab. Diese bedauerliche Tatsache könnte vielleicht eine Msseruny erfahren, würde sich die Kurverwaltung dazu verstehen, bei den sehr reichen Kurgästen eine höhere Kurtaxe einzufordern, als es bisher der Fall war. Und weil Wir schon das Bürgermeisteramt passieren, möchten wir das Stadthaus nicht verlaßen, ohne in die Franzensbader Wachstube einen kleinen Abstecher zu machen. Wenn sich einmal ein Kurgast bei der „Kur" verspäten sollte und, auf dem Heimwege mitternachts an der Wachstube vorübergehend, dort einige Fremdlinge emkehren sieht, soll es ihn gar nicht wundevnehmen. In der heurigen Hochsaison ist es oft vorgekommen, daß Gäste, die in «der Nacht ankamen und keine Unterkunft fanden, von den Wachleuten in gastfreundlicher Weise ausgenommen wurden, dre ihnen, soweit es die Räumlichkeiten der Franzensbader Wachstube erlaubten, auch Schlafftätten bereiteten. Der Raum einer Zeitung gestattet es nicht, des wetteren sich auszubretten, und «so möchte ich, nach Aussagen vieler Kurgäste, über die hiesigen Kurwrzte rau: folgendes erwähnen: Alle sind sie ausnahmslos sehr liebenswürdig und bestrebt, nach «bestem Wissen und Gewissen ihren Patienten die Kur so gut wie möglich anzuordnen. Einige von chnen, so der hier «bekannte Dr. Hirsch und noch andere mehr, unterlassen -es nach wie vor nicht, unbemittelten Kranken ihre ärztliche Hilfe auch unentgeltlich angedeihen zu lasten. Auch das israelitische Hospital möchte ich nticht unerwähnt lassen. Diese B^hlfahttsinstttutwn war in früheren Jahren ein Segen für viele arme, kranke Juden. Das ist sie jetzt leider nicht mchr. Me Hospitanten, selbst die ganz .armen, mästen nun, wenn sie schon Aufnahme finden, für die Kost und die hcÄbe Bädertaxe selbst aufkommen. Das bedeutet eine große Last und viele mästen, da sie nicht in der Lage sind, diesen Regiebeitrag zu leisten, auf die Wohktätigkeitsanstalt ganz verzichten. Ist es «die einflußschwache Verwaltung, die nicht so viel Repväsentary aufbringen kann, nm genügend- Spenden für das Hospital bereinzNbekommen, oder ist es Me Gleichgültigkeit der reichen Juden diesem so notwendigen Institute gegenüber, erfreulich bleibt nur die eine Tatsache, daß der Berpfteger der Hospitanten keine Mühe und Kosten scheut, diesen Armen reichliche und gute Kost vorfetzen zu können. Zum Schlüsse möchte ich noch der hiesigen Kurkapelle unter der bewahrten Leitung des rühmlichst bekannten Kapellmeisters Herrn Gustav Schmidt emiige Worte tvidmen. Es ist wirklich zu «bewundern und noch mehr muß es der Fachmann dankbarst anerkennen, was dieser wackere Dirigent mit seiner kleinen Schar von Musikern an Leistungen vollbringt. Ist es doch eine -echt«, ausgesprochene Kurmusik, Musik von einem, man könnte fast sagen, musikalifchen- Arzte für kranke und leidende Kurgäste. Sie schmeichelt dem Ohr, beruhigt «die Nerven und streichelt wohltuend die wunden Stellen des Patienten, wie die Hand eines guten und aufrichtigen Arztes. Dieser Arzt ist unbestritten der Kapellmeister des Orchesters, und jedes Mitglied desselben bemüht sich redlich, seinen Teil zu der Heilung beizutvagen. Denn jeder ist ein Künstler. Kein Programm, das nicht Interessantes bietet,

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