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Die Wahrheit · 1921-08-18 · Heft 17 (18.8.1921) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 17 (18.8.1921)
Date
1921-08-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DieW ahr heik Nr. 17 Demut. ' Von Ehajirn Bloch. blUe der Grundpflichten, die der Cchasiidismus seinen Anhängern auferlegte, ist die Demut, Schiflat. Sie wird als die größte Tugend angesehen, ihr Mangel aber als das Mhanderckommen der höchsten Sitte bärachtet, als den «Pen Riß in der chrssrdischen Seele. Man versuche aber nicht, diese Demut mit Feigheit, falscher Scham und Sichselbstzurücksetzen zu vergleichen. „Und wurdest du hochmütig, wirst Ln vergossen Gott, deinen Herrn," sagt die Heilige Schrift. Demut, wahre Demut birgt in sich die Macht der Güte und die Kraft der Renchett, sie ist das Wertvollste im Menschen. Die Größe Moses, unseres Führers und Meisters, l-ag in seiner BescheWenhett. Darum heißt es von ihm: „Und der Mensch Moses war schr beschei-« den." Wer sich auf dieser WÄt Nein hüll, sagt der Sohar, der wird in $>er kommenden Welt groß sein. Und im Traktat Sota heißt es: „Komm' und schau: wie groß sind die Demütigen vor Gott." Der Baalschem lehrte: ,Hauptsache ist: suchet die Demut und die Bescheidenheit, b^trebt euch in allem Dnn und Handeln bei der Stufe „nichts" zu sein, hörest Lu einen TNdel über dich, dann fd froh und danke Gott, daß er einem Menschen die Einsicht gegeben hat, stch aus Leine HaUdlungsweise zu verstehen." Den Vers: „Ich stehe zwischen Gott und euch" deutete Rabbi Michael von ZlocMv also: Dieses I ch, das UeLerempfinden des eigenen Seins, fft eine Scheidewand zwischen euch und Gott. Denn Gottes Majestät ruht nur aus demjenigen, der sich als ein Uelberrest, als eine besitzlose Wüste HW, das Wort „Ich" dürfte aber nur Gott allein sagen." „Eine 'der Ursachen, welche die Enthüllung der Gottheit hemmen, Äst der Hochmut", „Der Stolz ist oie Wurzel alles Bösen" lehrten die allen Ehassid im. Und herzlich-naiv Muß es berühren, auf allen Schriftstücken und Briefen die Unterschriften der chassidischen Mejister zu sehen: „So spricht der kleine, demütige und wcchrlich verachtete R. N." Als ein Ehassid zu Rabbi Meiir von Prtzemyslany kam und ihm voller Stolz erzählte, er sei aus dem Wege ins Heilige Land, fuhr Hn der Meister an: „Du Dreister, vor dem Messias willst du in das Land kommen?" und riß also den Stolz aus des Mannes Herzen. Und doch hat manchmal auch der Hochmut eine gute Seite. Denn wenn der Mensch daran geht, der Gottheit nahe zu kommen, zu lernen und zu beten oder sonst etwas Gutes zu tun, da kommt der „böse Trieb" unft redet zu ihm: „Du bist nicht würdig, Gott nahe zu treten und seine Gebote zu vollziehen". Und da muß man sich eine Weile in Hochmut hüllen und sich denken: „Ich brn es würdig!" Erst wenn sich der Mensch seinem Schöpfer genähert hat, hülle er sich wieder in Demut und hüte sich sehr vor dem Hochmut, denn er ist der schärfste Gegensatz .zwischen Mensch und Gott und verursacht im Himmel eine große Trübung und eine „Verbergung des göttlichen AntlPes". seinen Gott von Silber, keinen Gott von Gold sollt chr such machen, einen Attwr aus Erde sollt ihr euch machen." „Auch sollst du nicht aus deinen Vorzügen heraus meinen Altar besteigen, offenbare deine Schande ans ihm nicht." Da liegt ein sehr tiefer Gedanke zugrunde, der Gedankt, in seinem Nebenmenscheu, wenn er auch Sünder sei, einen Gerechten zu sehen. So erklärt sich die starke Betonung der Menschenliebe im Chassidismus, der Wille, auch im Sünder die göttliche Natur zu entdecken, ihn zu Ite&ett und zur Umkehr zu verhelfen', der Glaube an die Kraft der Reue und daß keine Sünde -den' Juden je von seiner Wurzel, von Gott, trennen könne. Einmal, so erzählt did Legende, war der Baalschem auf einer Reise. Und als es Nacht wurde und der Mond aufleuchtete, stieg der Baalschem und mit ihm sein Gefolge vom Wagen, um den Segen über den Neumond zu sprechen. Als ntart die Reise fortsetzen wollte, fchlte das Geschirr des Pferdes. Der ruthenische 'Kutscher machte Lärm und fluchte gar schr. Der Baalschem aber gab ihm 18 Groschen und sprach: „Geh' zu N. N., gib ihm das Geld, welches er für den Sabbat benötigt, mache aber keine Faxen, denn der Mann stahl nur, weil er nichts hatte, um den Sabbat feiern zu können." Zu seinem Jungen aber sprach er: „Hajozer jachch lrbom hamebin el kol manschem" und übersetzte dieses Psalmwort also: „Der Schöpfer freut sich der Horden der Juden, denn er kennt sich doch über alle ihre Werte ans: Selbst wenn ein Jude einen Beitrug begeht — ist es für Gott, damit er Sabbat und Feiertag feiern und seine Kinder in Treue für düs Judentum evzichen könne." Rabbi Schmelke von Nikolsburg: „Wie kann man die schlimmen Menschen lieben?" Er erwiderte: „Man muß ihre Seele lieben, die ein Teil der Goltthert ist." — „Könnte ich doch," sagte ein anderer Zadik, ,/den besten Menschen so lieben, wie Gott den ärgsten Bösewicht liebt." Ein berühmter Zadik, RÄbbi David von Lelew, sagte: „Wenn heute der Messias kommt uüd sagt: Du bist besser -als die andern, dann sage ich ihm: Du bist nicht der Messias!" Als zwei' miteinander Streitende zu Rabbi Wolf von Zboraz kamen und einer gegen den andern redete, sprach der Rabbi: „Bei mir seid ihr beide gleich Zadikim!" Ein Ehassid kam zum Rabbi von Stratzn und sprach: „Rabbi zeigt mir den Weg, wie ich zur wahren Gottesfurcht gelangen könnte." Der Rabbi erwiderte: „Der richtige Weg zur Gottesfurcht ist die Gottesliebe." „Ist doch", sprach der Mann, „die Gottesliebe noch eine höhere Stufe als die Gottesfurcht, wie erreiche ich diese Stufe?" Der Rabbi darauf: „Liebe deinen Nächsten — das heißt in Wirklichkeit Gott geliebt haben!" Die Sätze des Talmuds: „Alle Juden sind Bürgen für -einander" und „Ein Jude, wenn er auch Sünder ist, bleibt dennoch Jude", fanden im Chassidismus schr herzlichen Ansdruck. Als einmal ein Ehassid den Baalschem um Rat fragte, da sich sein Sohn von Gottes Wegen abgewvndtzt hatte, antwortete er: „Du sollst ihn mchr lieben!" Uüd' als er sich als Gesandter der RÄbbmen im Jahre 1759 am Dispute mit Jakob Frank beteiligte und die hochmütigen Worte dieses Bösewichtes gegen den Talmud und den Schulchau-Arüch vernahm, klagte er weinend: „Solange -ein Glied am Körper hastet, lebt es und wäre 'es nochso krank, und es lebte die Hoffnung, daß es gesunde. Schneidet man es aber ab, so hat man jede Hoffnung auf Gesundung abgeschnitten". Neujahrsgratulation der „Wahrheit". Anläßlich der hohen Feiertage erscheint Ende September eine wesentlich verstärkte Nummer unseres Blattes, in der gleich Me im Vorjahre die Neujahrswünsche unserer geehrten Freunde wü> Leser in einheitlicher Form erscheinen werden. Mit Rücksicht daraus, daß im vorigen Jahre infolge verspäteten Einlangens der Aufträge dieselben keinen Raum mehr finden konnten, erlauben wir uns zur Vermeidung eines solchen unliebsamen Umstandes die höfliche Bitte, die geschätzten Austtäge schon jetzt zu erteilen, bamtt dieselben die geeignete Aufnahme und günstige Placierung finde» können. Der Einschaltungspreis beträgt infolge der hohen Druckkosten K 100.—.

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