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Die Wahrheit · 1921-08-18 · Heft 17 (18.8.1921) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 17 (18.8.1921)
Date
1921-08-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 Seite 5 Die Wahrheit gen zur Aufstellung von Gedenksteinen getroffen wurde. Darauf gab der Sekretär der Chowra Kadischa und Chef des Friedhofamkes, Herr Wilhelm Freist« d t, die, Erklärung, daß die Vorbereitungen für ein gemeinsames Denkmal im Zuge seilen und Normen für Aufstellung der Einzelgräber festgesetzt wenden. Das «war, wie bemerkt, vor mehr als zwei J-ahren, noch unter dem zermalmenden Eindruck der Nachkriegszeit. Und was ist seitdem geschaffen worden? Nichts, als daß die Vorarbeiten noch immer „im Zuge" und Normen „festgesetzt" sind. Seitdem haben sich andrere Kultusgemeinden der ehemaligen österrerchisch-ungarischen Monarchie ihrer Dankesschuld gegen ihre gefallenen Brüder würdig entledigt. Sie sind ein leuchtendes Vorbild, aber auch dadurch ein stiller Vorwurf gegen die Rückständigkeit der größten deutschen JudengomeinÄe. Ich kenne die Einwendungen 'gegen den berechtigten Vorwurf. Man wird sich Mit der finanziellen Trostlosigkeit der Wiener Kultusgemeinde entschuldigen wollen. Das wäre meines Erachtens keine Entschuldigung, sondern Ausflucht. Denn bei dem ungeheuren Budget der Kultusgemeinde wurden 'die Ausgaben für Zwecke der Pietät, der dringendsten Dankesschuld keine so bedeutende Rolle spielen. Man müßte die Mittel, wenn es anders nicht ginge, durch Sammlungen ansbrmgen, .denen sich kein jüdisch Empffndender entziehen würde. Lasten Sie mich das hier gewiß sehr angebrachte Wort zitieren: Steine werden sprechen! Sie werden davon sprechen, daß der Stolz und die Hoffnung Israels zu unserer Ehre den Kriegertod gestorben und daß wir es ihnen danken müssen, so -weit dies im Bereiche der Möglichkeit und im Aönßerlichen in Erscheinung treten kann. Und schließlich noch ein Wort zu dem trüben Kapitel der Totenehrung aus dem Wiener Zentralfriedhofe. Wer Gelegenheit findet, die Versastmrg der Gräberstadt zu betrachten, wird sich tief erschüttert suhlen. Die trostlose Verwahrlosung, der fortschreitende Verfall nimmt schreckliche Ausdehnungen an. Das ist die Zeit der schweren Not, sagen die Leute. Die meisten Hinterbliebenen haben alle Kräfte im Kamps um das tägliche Brot ernznsetzen, da bleibt für die Toten nichts übrig. Ein Standpunkt, dem man nicht alle Berechtigung absprechen kamt, soweit es die große Totenlegion und die schier nnerschwinglichen Kosten der Gräbevkonservierun-g betrifft. Aber auf der jüdischen Wteilung des Zentralftiedhvses gibt es auch Ehrengräder, die nicht unter diesen Gesichtspunkt fallen dürfen. Jedes Ehrengrab ist eine strenge Verpflichtung für die, die es geschaffen, also die Kultusgemeinde. Wer also beispielsweise an dom Grade des größten österreichisch-jüdischen Tondichters Gold mark vorübergeht und dessen Zustand betrachtet, wird das Gefühl der Beschämung nicht unterdrücken können. Ein Beispiel aus vielen! V. D. Nun kam das Dhoralesen cm die Reihe. Vov'm Harmr-Kodesch stößt ÄN Weid aus Schreie: „Kein Thorawort erkling' in diesem Saal, Eh' nicht befreit ich von der Herzensqual . . . O Rabbi, deiner Magd Gehör verleihe! Des Toten Bruder kürzt mein Erbe gut, Wie soll ich sorgen um die armen Waisen? Ich ruf' die Thora an zu Schutz und Hut!" Hub' man vernahm das Wort des frommen Weisen: „Zieh, Witwe, heim mit GoMertrauen und Mut, Den Wog zum Recht wird Gott uns morgen weisen!" IV. Verbot der Tierquälerei. „Was quälst du den Ochsen mit Püffen und Boxen, Bist Äu denn ein jüdisches Kind! Die Tiere zu quälen, ist, glaub' mir, gleich Stehlen . Nach Thoragebot eine Sund'!" Und Klein-Uebeltäter sich fühlt als Verräter, Er läuft nun davon voller Scham: „Ich wM's niicht mehr üben!" ruft er mit Betrüben, Ich schwör's bei des Ewigen Nam'!" V. Ehre Vater und Mutter. Zum hohenpriesterlichen Kleid — Dem Ephod — fehlte ein Geschmeide Und man erfuhr, Äaß dies Juwel Besitze irgend wo 'ein Heide. Die Aeltesten in Israel Zum Edelsteinsbesitzer wallten, Um für den höchsten Goldesschatz Das Kleinod käuflich zu erhalten. Mars auch am Tag — der Heide schliss Mit viel Geräusch und mit Geschnarche, Wie Vater Nve weinberauscht, Als einst er stieg aus feuchter Arche. Zu Kopsen lag der Schlüssel ihm, Der passend war zur Schmuckkassette . . . Der Sohn jedoch wollt' keineswegs Sich störend nah^n dem Baterbette. Er ftagte nicht nach Goldgewinn, Er mocht' nach Reichtum sich nicht kehren Und sprach: „Darnach stand stets mein Sinn, Die Eltern kindlich zu verehren!" 4 * Wenn so getan ein Heidensohn, Dem Mizwos4) fremde Welten bäuchten, Wie soll erst dir, o Judenkind Ms Leitstern dies Gesetz stets leuchten. 4) Gebote Gottes.

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