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Die Wahrheit · 1921-08-04 · Heft 16 (4.8.1921) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 16 (4.8.1921)
Date
1921-08-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 16 Seite 11 i jjwauu, k.., j iul. Die Wahrhe-kk Material überleben. Auif die Besorgnisse hiugewissen, die die Juden Breslaus hirlsichWch >des unheilvollen Einflusses von Führern wie. Aulock, Löwenfeld usw. hegen, versicherte der Reichskanzler, daß er alles, was in seiner Macht jMnde, tun würde, um Abhilfe z>u schaffen..,^ Es ,sei eine Kulturschand e, w enn in der'jetzigen 3eit, und gerad e in Breslau, derartige Ausschrei t u n g e n . v o r k ä m e n. Gleichzeitig versprach der Reichskanzler, unverzüglich mit dem preußischen Minister des. Innern das Erforderte zu besprechen. In der Jrühe des nächsten Tages ersuchte der preußische Ministe des Innern, Dr. D o m i n i e u s, die Vertreter der genannten Vereine um Me Unterredung. Unter Hinweis auf das dem Reichskanzler bereits übergebene Material überreichte Rechtsanwalt Foerder dem Minister des Innern einen Bericht riber die rohe Mißhandlung Mes über 70 Jahre alten jüdischen Ehepaares lauf dem hiesigen Hauvtbabnhof. General Löser, der Jührer dies Selbstschrrtzss, ist zwar in Einzelfällen, die zu seiner Kenntnis gelangten, eingeschritten, hat sich jedoch nicht der w irksamsten Vorbeugungsmittel (Herausgabe eines entsprechenden Tagesbefehls, eventuell unter Androhung von Strafen! bedient, umklar u n d d e u tlich seine Mißbilligung über die Ausschreitungen auszudrücken. Der Minister glaubte, auf eine Besserung in 'der nächsten Zeit hoffen zn dürfen. da die Vertreter aller Pavkeirichtungen unter BerücksichtiMng der ' augenblicklichen Laae überMWmmend erklärt haben, alle politischen Gegensätze zuvückstellen zu wollen —was unter Hinweis ans die radikal-polMische Haltung einzelner deutschnationaler uNd völkischer Matter von Rechtsanwalt Dr. Joerider Mit Recht bezweifelt wurde." Es genügt nicht, ein« Knltu-vschanide als solche festzustellen, sondern man muß sie ans der Welt schaffen, wenn man den Einfluß und die Macht eines Reichskanzlers hat. Sein unsterblicher Vorgänger prägte das Wort: „J'appelle un chat un chat!“ (Ich nein ne eine Katze eine Katze!-. Was der Reichskanzler Kulturschande nennt, nannten wir im Titel eine Schweinerei. Es scheint fast, als wollten die deutschen Hakenkreuzler sich den Schimpfnamen Boches nach Kräften verdienen. Aufschub des Antisemitenkongreffes. Die antisemitische Wochenschrift „Main English" berichtet, daß der für September in Budapest geplante antisemitische Weltkongreß verschoben worden ist. Laut dieser antisemitischen Zeitung hätten gewisse duMe Kräfte,, sich in^ politische Motive hüllend, Verordnungen „von oben" erwirkt, wonach es nicht wünschenswert sei, diesen Kongreß in Budapest abzvhalten und die mutigen Ungarn hätten sich dieser verhüllten Verordnung sofort gefügt. Wahrscheinlich nicht aus Einsicht oder- HnmanitätsauwauÄlung. sondern weil die letzt noch in Ungarn Machthabenden darüber in Zweifel sind, ob sie dem mehrseitig gndrängenden politischen Sturm gegen ihr System bis zum September Werden standhalten Praktikantentelle bei Wiener Firma gesucht, für intelligenten l Jungen aus guter isr. Familie und mit 1 vorzüglichen Schulzeugnissen. Gef. Anträge unter „V, D.1* an die Administration der - . w?- r „Wahrheit“.TÜ "P Bon Nah ttttb Jern Sühne für die Starqarder Hunnengreuel. Berlin. 6. Juli. Das Arbeiterftirsorgeamt teilt mit: Die Untersuchung über die Vorgänge lim Lager Stargard (von uns in der vorletzten Nummer besprochen)- ist nunmehr abgeschlossen. Sie hat die Darstellung des Avbeitersürsorgeamtes in Weitgehendem Matze bestätigt gefunden, und es muß anerkannt werden, daß das preußische Ministerium des Innern energisch durchgegrifsen hat. (Es wäre noch anerkennenswerter gewesen, wenn die Regierung die himmelfchreienden Scheußlichkeiten verhindert hätte. Sie mutzte ja ihre Pappenheimer vom Halonkreuz lennen. D. R.f Es sind Wachmannschaften entlasten worden. Me wir hören, lsoll gegen sie bei der Staatsanwaltschaft Anklage erhoben werden. Die Verpflegung wurde erheblich verbessert, die Behandlung ist ietzt, wie die Internierten aussagen, menschenwürdig. Wie wir hören, wird das Jnterniemngslager in Stargard in Kürze aufgelöst werden. Diejenigen Personen, die nach Polen zurückkebren wünschen, werden nach Polen aibtransporitiert. Eine Anzahl besonders krasser Jälle -ist bereits neu untersucht worden; die Eutlaffuna dieser Personen sieht unmittelbar bevor. Ein dritter Teil endlich wird bis zur Klärung des völkerrechtlichen Sachverhaltes — es handelt sich hier vor allem um Deserteure — zunächst nach dem Lager Cottbus- Sielow überführt werden, bis eine Entscheidung, die die einzelnen Jälle jedoch zu berücksichtigen >bat. erfolgt. Es ist die selbstverständliche Pflicht >8er jüdischen Organisationen und der aesamten indischen Oeffentlichketit, auch weiterhin auf der Wacht zu sein, um Uebergrifle und Vorfälle, Me sie in Internierungslagern nur zu leicht pausieren können, sofort zu verhindern. Insbesondere muß eine grundsätzliche Entscheidung darüber herbeigeführt werden, daß arbeitende (auch nichtarbeitende, aber unbescholtene, denen nichts anderes zur Last gelegt werden kann, als daß sie von der Krivgsfuvie von ibler Scholle vertrieben wurden. D. R.) Elemente nicht interniert werden dürfen. Eine solche grundsätzliche Entscheidung ist bisher noch nicht' gefallen, wenn auch bife Behandlung der Einzelsälle der Juternie-rten Grund zu der Annahme gibt, daß dieses Vorgehen gegen Arbeiter Mer Revision unterzogen wird. Preußen-Deutschland darf näht auf die Stufe der Haumenbarbarei der Horthy-Magyaren hinabsiNken. Direktor Berthold Schick. Sonntag, den 31. v. M. ist ht Kaltenleutgeben der Direktor der Unionbank, Berthold Schick, einem Herzschlag plötzlich erlegen. Direktor Schick, der im Alter von 66 Jahren stand, leitete durch mhr als 40 Jahre das Warengeschäft der Unioubank, das sMer Energie und Umsicht Men hervorragenden Aufschwung verdankte. Er stand auch an der Svitze verschiedener Jndustriegesellfchasten. Er war Präsident der Holzhandelsgesellschaft und viele Jahre führte er die Gallische Karipathengesellschaft. bis sie in ausländischen Besitz überging. Direktor Schick war aber nicht nur M unermüdlicher Arbeiter, der in Geschäftssachen strengen Pflichteifer verlangte, sondern auch ein liebenswürdiger Manu, der in gesellschaftlichen Kreisen hohe Wertschätzung genoß. Das Leichenbegängnis des Verblichenen fand Dienstag, den 2. d., um i/>12 Uhr. unter außerordentlich aroßer Beteiligung am Zentralsriedhvf irsraelitische Abteilung) statt. 7

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