Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 16 (4.8.1921)
- Date
- 1921-08-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Ar. 16 ._Die Äahrheil Oerte 9 er-fo'lgden Ueberfsrvdung der Ballade (Die BüMchaft) an Goethe bemerkt, deren Stoff dem Liber Fabularum des Hygin entnommen. (A. Aböles, Die Bürgschaft als Motiv in der Mischen Literatur, Monatschr. das.; vgl. Duuzer, Schillers lyr. Ged., 1874, S. 231.) Dieselbe Wahrscheinlichkeit spricht auch für unseren Gegenstand. Es erscheint nicht unmöglich, als solche Quelle eines der mittelalterlichen Maass'e'bücher zu betrachten, welches den betreffenden Stoff behandelt und entweder direkt oder indirekt auf -die erwähnten deutschen Dichter von Einfluß -gewesen wäre; direkt, indem es selbst Gegenstand ihrer Lektüre -bildete; indirekt, indem der -be» treffende Stoff in die deutsche BoKslitevatur gedmngen und von 'dort aus auf die Phantasie besagter Dichter gewivkt hätte. (Vtzl. Zuuz, Gottesdienstliche Bovtrüge, Frankfurt a. M. 1892, S. 139 s.) Eine AnreMing Mts die Dichter nach besagter Richtung hin dürfte vermutlich I. Chr. Wo'lss „Bibliotheva hobr-aica" «ausgeü'bt haben-, welche alles Volkstümliche der jüdischen Literatur der -damaligen gebildeten Welt leicht zugänglich machte. Literarhistorisch wäre dies nicht unmöglich. Fausts erster Teil erschien 1808. Der Urfaust entstand noch -in 'der „Frankfurter Zeit". Während der Genesung 1769 studierte sein Autor „mystische Schriften". Schillers Don Carlos wurde vom Dichter in der Zeit von 1784 bis 1787 verfaßt. Während I. C-Hr. Wolfs ,/Bibliocheea hebraioa", sämtliche 4 Volumina, bereits 1733 abgeschlossen vorlag. (Vgl. Joh. Wiefner, Deutsche LiteratuM-nde, Wien 1908, S. 106, III; Grätz, Gesch. d. Jud., Leipzig, X, 318.)! Weitere Mische Motive*drängten sich mir an folgenden Stellen auf. Diese wollen j-edoch lediglich als Mizellen betrachtet werden, da manche Parallelen, die im Folgenden angeführt werden, vermutlich -anderweitig schon 'behandelt sein dürften-. Die folgende -Zusammenstellung -bezweckt darum bloß, das -Material in ein .gewisses System zu bringen. Die 'besagten Parallelen folgen nach iden Gesichtspunkten: Literarhistorisches (B), Kulturhistorisches, Philosophisches, Juridisches. Es wird in der Regel der 'betreffende Text in -der Weltliteratur, sodann Text und Oarelle der hebräischen Stelle angeführt. Literarhistorisches (B). Ktesias erzählt von K l e a r ch u s, um dessen Andenken zu chren und einen recht tragischen Anstrich zu -geben, auf den Körper dies erschlagenen MearchUs hätte ei»» Sturmwind -einen solchen Erdhaufen gewogen, daß er ganz überschüttet und bleckt worden sei, von einigen dahin gestreuten Datteln wäre in -kurzer Zeit ein herrlicher Hain aufgeschossen und hätte den «ganzen Maß überschattet. (Plndavch *), Arhaxerxes, ©. 203 f.) AehMches erzählt die Sage von dem Mischen Dichter Salomo Jbn Gebirol: Ein arabischer Kunstgenosse habe ihn aus Neid Ms seine treffliche Sangesweise erschlagen und seine LÄche unter «einem Feigenbaum srngescharrt. Dieser Feigenbaum habe infolgedessen einen außerordentlichen BMtenschmuck gezeigt und die AuifmerLsamkeit der Bovübergjehendien auf sich gezogen, bis die Untat an dem edlen Dichter entdeckt worden sei. (Grätz, a. a. O., S. 55.) * Non potest inquit, fieri, Theophrastus, ut non vir bonus irascatur malis. Halo m'ssan'echa Ad . . ess'nah ubiss'ikomamecha esskotat. (Ps. 139, 2l7 Ohabe Ad . . ssinn'u ra. (Ps. 97, 10,) (Fortsetzung folgt). *) Plutarch, Vergleichende Lebensbeschreibungen. AuSgnbe Reklam. Wahrheiten vom Tage Judenfreundliche Kleriker. Gegenüber der Haßwelle, die an den Fundamenten der Existenz der Juden zerstörend rüttelt, wird es umso freudiger empfunden, daß vom evangelischen Geist durchdrungene Diener der christlichen Kirche zum Schutze der Juden ihre Stimmen erheben. In der Großmaunschen Wochenschrift „Das Tagebuch" finden wir ein solches, von siebzehn Geistlichen gefertigtes Dokument der Zeit, das wir im folgenden wiedergeben: „Wir siebzehn katholischen Geistlichen haben diese nachfolgende Erklärung versaßt und mit unseren: Namen unterschrieben; wrr ivbersenden sie Ihnen mit der Bitte um Abdruck in Ihrer Zeitschrift. Es wird ja der Tag nicht mehr fern sein, andem dieKirche e tuen, dsem Sinne uach «mit! unserer Erklärung gleichlautenden Brief erlassen wird, urvo bis dahin werden »vir es geduldig ertragen, daß manunsere geistliche Verfasserschaft an diesen Zeilen hämisch anzweisle, diese für eine Judenrnache oder roie sou-ft das Wort in diesem Jargon heißt, ausgebe. Was wir zu erklären haben, ist aber dieses: Es ist eine Folge der deutschen Niederlage — die ein Volk getroffen hat, in nichts daraus vovbereiM, sie christlich zu tragen — daß ein solches immer noch wahnbesaugenes, zu keiner reuevollen Einsicht bereites Volk, von Haß erfüllt, den Schuldigen an seinem Sturze sucht, nicht an die eigene Brust in Demut klopsend, sondern aus eines anderen Brust mit der Faust schlagend. Menschen, deren ganzes Sinnen aus Bereicherung durch alle Mittel stand, »vollen nun, da sie Uebelstes damit angerichtet haben, nicht »Mr nicht Verantwortung für ihre Lasterhaftigkeit tragen, sondern sie stellen sich so, als ob sie es nie gewesen waren, sondern — dre Juden. Es ist nun »veder unseres Amtes, noch Zweck unserer Erklärung, die Regierungen auf das Rede»: und Tun dieser Leute ausmerksiam zu machen, die uns hier mit* in einem emzigen, aber «dem wichtigsten Punkw angeh» r», nämlich, daß sie sich aus unerfindlichen Gründen Chnslei» nennen, denn sie sind wohl vielerlei, aber Christel» sind diese Leute mit »richten, welche, ganz m ihren trüben Lastern verharrend, den Juden als den bezeichnen, der allem und zum Schaden der Nichtjuden diese Laster bosttze. Sicht an dre NichtMen wenden wir uns nurt unseren Worten, sondern nur an die Chvistgläudigen und a»r deren Führer, unfeine Brüder im Anrte der Seelsorger, »veniden wir uns sordevnd, daß sie jenen argen Leuten ut mchts Folge leisten, die den Sturm ans -oru jüdischen Kassenschrank predigen, um einte danach gierige Mertge vom eigenen abzulenken. Wie den»» kann es ein katholischer Gläubiger und gar ein katholischer Priester -mit seinem Glauben Wremen, zu verlangen, daß ein Volk vernichtet werde, dem die heilige Kirche durch fast zwei Jahrtausende ihren Schutz angedeihen ließ und zu deren Gunsten unsere allerfchmerzlichste Liturgie zu Gott an» Karfreitag betet? Aus welchem Stamrne sind die Patriarchen, die Propheten, die Apostel, die Evangelisten, die ersten Märtyrer, ohne daß wir zu sprechen »nagten vor» der Heiligen Jungfrau. und unserem Erlöser selbst, welcher der Löwe von Juda war und ein unaussprechlicher Jude in seiner irdischen Gestalt? Um unseres Glaubens und seiner heiligen Person willen ist es glaubens- und gottlos Mr Christen, die Vernichtung eines Volkes zu predigen