Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 16 (4.8.1921)
- Date
- 1921-08-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Die Wa stand gebracht. Seine bisherige Forderung nach Uebertasfung eines Drittels vom Reingewinn, 'beziehungÄveise vom Liqutdationserlös, konnte tvedev die Hsilbaügesellscha.sk erfüllen, noch kann es die große Gesellschaft, die sich jetzt für die -Ausgestakürng des Bades interessiert. Das Land Oberösterreich ist aber gewillt, die verschiedenen Jnterefsentengruppen zur EMigkeit zu zwingen. Wenn der Bauer Nemvirth nicht nachgöben sollte, ist man entschlossen, das jetzige Bohrloch zu verswpsen mrd in nächster Nahe auf dem Grunde eines anderen ein neues Bohrloch zu machen, dessen Kosten von zwei dis drei Mil lionen no ch immer billiger Eamen, als die Befriedigung der Ansprüche d es Bauern Neuwirth. Die neue Gesellschaft, die sich die Ausgestaltung des Bades angelegen jewt Wen will, ist bereits mit ausländischen Kapitalisten in Unterhandlung getreten." Aus dieser erbaulichen Mitteilung ist ersichtlich, wie der gewiß gut chriftlichkathoilische Bauer Neuwirth seine geschäftlicherr Interessen trotz einem Juden Silberstein zu wahren versteht. Die biederen Oderösterreicher Haiden nichts gegen die Verauslanderung des ttinftigen Kurortes, wenn nur der Jude serngehalten werden kann, was aber bei den ausländischen Kapitalisten noch nicht verbürgt ist. „Leider hat sich der Großwtt der dortigen Bevölkerung eine wahre Spebulationswut -bemächtigt. Bisher verlangten die Hauseigentümer, die vermietbare Wohnräume besitzen, per Zimmer wöchentlich 20 As 25 Kronen; aber schon in der elften Juniwoche mußte eine Frau, um Untertunst zu siNderr, sich zu einer Wochenmiete von 1000 Kronen bequemen, obwohl das betressende Zrmmerfür einen -Leidenden und Ruhobedürftigen nichts wenig« als günstig gelegen ist. Nebenbei sei" bemerkt, daß in Schallevbach, Wallern und Schönau fast alle verfügbaren Zimmer schon mit „Mrogasten" besetzt sind. Für ein Glas Milch forderte ein Bauer bereits den wcchnwitzigen Preis von sage und schreibe 12 Kronen! Die „Reichspost" ist in der Lage, viese Berichte über die SpÄulativnswut in der 'dortigen Gegend noch mit dem Hinweis zu ergänzen, daß oer Quadratmeter Grund in Schallevbach bereits aus — 2000 Kronen gestiegen ist, eine unerhörte Summe, wenn man bedentt, daß der Quadratmeter selbst auf der Wiener Ringstraße nur 3000 Kronen kostet. Auch diese Tatsache erschwert natürlich alle Berechnungen und stellt sich der rächen Durchführung der geplanten Baulichketten hindernd in den Weg. Wozu die Ausvegung über diesen schamlosen Wucher mtt dem 50 Kronen Liter Milch? Der Kl-einhärMer in Schaüerbach hat ja das gleiche Ausbeutungsrecht wie der Bauer Neuwirth und andere seinesgleichen, die ihr gutes Recht aus den Taufschein stützen. Ob Milchwucher, Wohnungswucher oder Bodenwucher, alles ist gestattet, wenn nur das erhebende Bewußtsein gestärkt wird, daß der fragwürdige Kurort Schaüerbach aus der Hand, des Juden Silberstein in jene des Bauern Neuwirth geliefert wird. Die ZlMmst wird kehren, ob der vollzogene Tausch ein vorteilhafter war._ Erhöhung des Avunnements für Dentschösterreich. Aus Smade«, die mir bereits in der vorigen Rümmer unteres Blattes nritgetriK, sahen mir uns notgedrungen veranlatzt, de« Bezag^nüs für imfer Blatt zu erhöhen, und bitten mir unsere geehrten Freunds i« Sinne jener Mitteilung de» Znschntzbetrag von K 8V.— refp. K 40.— an uns baldgefl. gelangen zu lassen. Wir nehmen «och Anlatz, diqemgeu geehrten Abonnenten, die mit ihren Zahlnnge« üverhmqtt im Rückstände find, zu ersuche«, diesäbe« srmmdüchst zu ebne«, und erwarten, datz fie Wer höfliche» Mahnung tunlichst bald Folge geben «erde». hrheik ' Nr. 16 Jüdische Motive in der Weltliteratur. Ein Beitrag zur vergleichenden Ltteraturkunde. Bon einem Rabbiner. Me Rechte Vorbehalten. (Fortsetzung) Die mit -dem Namen „Lilith" verbundene Vorstellung des nächtlichen Grauens hat offenbar in Jeschajahu 34, 14 ihren Ursprung: „Dort (inden Aminen Edoms) rastet nur die „Mich" und -findet ihre Ruhestatt ..." Lilith ist nun nach talmudischer Ansicht gleichfalls Adams erste Frau (vgl. Erubin 18 b; Ber. wbba, Kap. 20). Es folgt daraus, daß dieser Begriff dem Dichter des Faust aus irgend einer jüdischen Sagenquelle zugeströmt sein muß. Nun findet sich tatsächlich in den sogenannten jüdischen „Ma'ssebüchern" eine Abhandlung über Lilith (s. Muter urll) Wünsche a. a. O., S. 586), die offenbar Goethe gelesen haben muß. Zur Lektüre derselben wird sich zweifellos ein- Polyhistor wie Goethe hingezogen gefühlt haben, der selber in seiner „Dichtung und Wahrheit" bekennt, wie viel er der jüdischen Welt verdankte (s. Goethe: „Aus mettrem Leben", Reklam, S. 104 s.). Für Schiller mw die Bibel kommt ferner unter unzählig vielen anderen Stellen: „Don Carlos", 5. Akt, 10. Auftritt, in Betracht: Die 'Szene zwischen dem Großin-quifttor und König Philipp, die eine getreue Kopie jener zwischen dem Propheten Samuel und König Saul darstellt (1. Sam. 28, 3 ss.). So manches Gebiet der deutschen Literatur steht also, wie -wir sehen, mittelbar -oder, unmittelbar unter biblischem Einfluß. -So scheint -auch unseren beiden Dichtern Schiller 'Und Grillparzer in irgend einer gemeinsamen Quelle das dramatische Motiv Vorgelegen zu Halben; für 'den einen die -kummervolle Nacht Ahasoevus', für den anderen die Verschwörung Bygthans und ,TH>ejr^' gegen denselben; eine Quelle, die. ihrerseits direkt aus dem Midrasch Esther geflossen sein- 'dürfte. An solcher Anregung durch jüdische Motive gab es für die Weltliteratur seit Gutenbergs Kunst; reichlich Gelegenheit. W a g e n s e i l -erzählt schon im Jahre 1600: „In solchem (jüdisch-deutschem) Diallekto sind sehr viele Historienbücher gedruckt, welche sowohl wahre als erdichtete Geschichten enthalten und haben bevorab »die letzteren eine sonderbare Anmut, allermaßen daß die Juden zu allen Zeiten in Apologiis, Gleichnussen, RäHöln und Lehrzeiichen, Fabeln vor anderen oLativnen Meister gewesen und wie nit nur aus der Gem-ava, sondern auch heil. Schrift selbsten genugfam zu ersehen ist" ... I. CH. W agenseil: Belehrung dei< jM.-teutschen Rede- und Schreibart, Fürtrog X, 16, zit. Oesterr. Wochenschr. 1917, 2, S. 118. Im Jahre 1611 wurde das voNst-ümiliche jüdische Novellenbuch, das „Ma'ssÄbuch" von einem Christen »amens Hellwich ins Hochdeutsche -übertragen. Evseh und Gruber, Allgem. Enzyiklop. d. Wissenschaften XXV11, 463, Leipzig 1881. Alle Bücher in Jüdisch-Deutsch -be-lausen sich bis 1740 nach Steinschnerd>ers Katalog der Bodlejana aus 385; unter anderen das „Goliasspiel", „A^ion von König David", Jena 171-1; „Der Bellkcrus Josefs", Frankfurt a. M. 1712 (s. Eisensteins Ozar Jsr., V, 78). Das M o tiv der „'Bürgschaft" bei Schiller stcht, wie A. Abel e s (Monatschrift für Geschichte nNd Wissenschaft der Judensch., 1916, Heft 7/8, Seite 264) nachweist, nicht unmöglich unter dem Einfluß dev Ma'sse missim, Nr. 3, Frankfurt a. M., 1702. Schiller hat, wie er gelegentlich der am 4. September 1798