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Die Wahrheit · 1921-08-04 · Heft 16 (4.8.1921) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 16 (4.8.1921)
Date
1921-08-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 Seite? Die Wahrheit Figur.en, Gefäßen, Oefen, einerkurzen Vorrede,. nötigen dtegiftern, wie auch beygefügtem SchlüM, »derer im selbigem vorkommenden fremden Wörter. Dkit gewöhnlicher Approbation zu Nutz und Gebrauch aller Liebhaber der edlen hermetischen Philosophie. In II Theilen zum öffentlichen Druck befördert worden >durch Julium Gervafium Schwartzburgieum P. M. et T. P. E. Erfurt verlegtes Augustinus Erufius Buchh. Anno MDCCXXXV. Mit einiger Verwunderung fand ich, daß der Herausgeber des Buches iin der Tat nach diesem langatmigen Titel noch für nötig befunden hatte, demselben vme „kurze Vorrede" folgen zu lassen, welche, an den nach Standesgebühr geehrten- und unpasfionieirten Leser gerichtet, sich auf etwa Dreißig Seiten über die Vorzüge des Buches verbreitet und den Eoitor mit Men Künsten der Reklame in einer Weise vertraut zeigt, um die ihn ein moderner Verlegerbeneiden könnte. Es ist dies die Approbation, die dem Buche vorangeht. Eine Sitte jener Jahrhunderte, die in unsrer rabbinijchen Literatur bis aus die Gegenwart in der Form der „Haskamah" beibehalten wurde. In besonderer Weise schreibt der christliche Herausgeber über das Buch folgendes: „maßen dieses verguldete Buch Abrahami des Juden Äs anhevo in den Bibliotheken als ein sonderbarer Schatz so verborgen gelegen, daß solches nicht nur der «hundertste kaum zu sehen bekommen, sondern auch etliche die Abschrift davon für 70, 80, 90, ja sogar 100 Dhaler bezahlen müssen." Weniger Mt kommt freilich der Autor weg, welcher angeklagt wird, „seiner angeborenen Jüdischen Unart nach nicht Mein viele freche Redensarten, wunderliche Fabeln, abenteuerliche Prophezeyungen und Abgöttische Gebeths- Formeln" mit eingemischt zu haben und damit den Gläubigen Viel Aerigeruis zu verursachen; doch müssen wir bemerken, daß der Herausgeber ohne -derartige Vorbehalte -wegen der Gefahr kirchlicher VersolMngen nicht hätte wagen können, das Werk eines Juden zu veröffentlichen. Obwohl die Alchymie und ihre verwandten Disziplinen mit dem Judentum uüd der echten jüdischen Geheimlehre keine Gemeinschaft HMen, ja vielleicht vom Standpunkt der jüdischen Religion verwerflich sind, bemühen sich die Alchymisten und auch unser Eleazar, iher GeheimkräMereien in ein biblisches Gewand zu hüllen. Im Ton der alten Propheten beginnt er seine Ansprache. In tiefer Trauer und mit zuweilen wahrhaft Poetischem Ausdrucke klagt er über die Schmach und das Elend, das Judäa getroffen. „Der Orth ist nicht mehr vorhanden, wo unsere Alten gesessen, unsere Harffen sind verschwunden! Auch unser Haupt steht bloß! Die Krone ist uns geraübet. Unsere Augen werden finster, weil unser Herz voll Jammer. O wehe uns, daß unser Feind so groß. Die Füchse laufen über den Berg Zion, der vor den Heyden wüste daliegen muß. Ach Herr, der du ewig bleibest, du wirst ja unser nicht vergessen." Doch er will nicht bloß klagen. Auch trösten will er und erlösen. „Darum will ich euch lehren, die Bereitung der Metallen in Asophol und Diana, dabei mit beständigen Worten uNd Figuren euch solches Vorwahlen, damit ihr es könnt mit Händen ergreifen. Ferner will ich euch zeigen den Ort, wo unsere Väter die Geheimnisse vermauert und vevMaben, Wie Jerusalem ist von dem Kaiser Tito Bespasiano verwüstet worden, damit ihr euren KWern solches sagen und auch zeigen könnet, denn kein Heyde wird den Ort finden als nur unsere Brüder." (Fortsetzung folgt.) Derl Iudel Silberstein und der Bauer Neuwirth. Die Bekanntschaft des Juden Silberstein haben unsere Leser bereits vor einiger Zeit gemacht; anläßlich der Besprechung der Wunderquelle im oberöfterreichischen Schallerbach. Es ging ihm ungefähr so wie Saul, der qusgegangen war, seines Vaters Eselinnen zu suchen und eine Königskrone fand. Silberstein bohrte nach Petroleum und förderte eine MinevalMeüe zutage, die einstweilen von einem maßlosen Reklamegeschrei gefaßt wurde. Das besorgte der Chorus der christlichsozialen Blätter in Stadt und Land, «die mit aller Entschiedenheit forderten, daß dem Inden Silberstein jedes Besitzrecht an Schallerbachs Heilquelle «genommen werde. Eine bürgerlich-demokratische Regierung der deutschösterreichischen Republik kann über entschiedene Forderungen der antisemitischen Presse nicht zur Tagesordnung übergehen und so wurde der Jude Silberstein von der Schallerbacher Quelle teils weggeekelt, teils weggedrängt. Die Erwartungen der antisemitischen Blätter, daß mit der BeseitiMNg des Inden Silberftevn, der als heilloser Wucherer und Spekulant angeblich nrit einer tschechischen Bank ein MWionengeschäft anbahnte, ein Kurparadies für die arische Bevölkerung erstehen werde, «sind gründlich getäuscht worden. Die „Reichspost" mußte kürzlich zu ihrem größten- Leidwesen ausführlich berichten, wie schlimm die Folgen des vollzogenen Wandels in Erscheinung getreten «sind. Wir müssen vorausschicken, daß mittlerweile an der emporgeschwindelten Heilquelle skandalöse Vorkommnisse und das schamloseste öffentliche Aergernis an >der Tages- und Nachtordnung waren. Hören wir die in solchen Dingen «gewiß nicht übertreibende „Reichspoft": „Der Besuch der Schwefelquelle wuchs von Tag zu Tag und entwickelte sich in so rasch ansteigender Linie, daß sich die maßgebenden Faktoren veranlaßt sahen, das Baden in den Abflüssen der Quellen nur mehr jenen Personen zu gestatten, die sich mit einem ärztlichen Zeugnis über die Notwendigkeit des Badens «ausweisen konnten. Hiemit waren schon Me ferngehalten, die dieses Bad aus Vergnügen «besuchten, umsomehr als der neue Bohrmeiste»- Josef Kunzmann streng darauf sah, «daß alle Badenden nur im B a d e k l e id baden durften, was früher nicht der Fall war undAn'laß zu allerlei Unzukömmlichkeiten bot. In allerneuester Zeit ist aber das Baden überhaupt unmöglich geworden, da das Wasser jetzt in Röhren in die Trattnach geleitet wird. Ob dieser Zustand lange andauern wird, hängt vom Ausgange der Verhandlungen ab, die die Zukunft der Schwefelquelle entscheiden dürften. Man wird sich ungefähr vorstellen können, welcher Art die mit dem bescheidenen Wort »„Unzukömmlichkeiten" angedeuteten Szenen zwischen «den im Adamskostüm „Ba-. denden" gewesen sind. Wurde «doch von dem Winzer Volksblatt" gemeldet, daß drei solcher an der Schallerbacher Heilquelle Badertde sich syphilitische Krankheiten zugGogen «hatten. Wie die „Reichspost" weiters erfährt, werden Verhandlungen geführt, von deren Ergebnis es abhängen wird, ob «man noch Heuer zum Bau des Bades schreiten wird können. „Die größten Schwierigkeiten bereitet nämlich der seinerzeitige Eigentümer des Grundes, auf dem die Quelle zmu Vorschein kam, der Bauer Neuwirth, der seine Forderungen ohne Maß und Ziel stellt. Bleibt Neuwirth weiter in seiner passiven Haltung, so ist das ganze Unternehmen wieder für ein Jahr zum Still?

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