Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 16 (4.8.1921)
- Date
- 1921-08-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Seite 6__Die Wa%rh4*1 steht, von der schön frisierten Go eth eschen „Dichtung und Wahrheit" ganz zu schwergen. „Der Sohn einer Magd" war -als literarisches Vermächtnis des -mit Selbstm-ordgedanken beschwerten su-ngen Dichters gedacht geiwesen, mit seinem heißesten Herzblut geschrieben und von senem Wahrheitsd-rMg ‘ erfüllt, der an der dunklen Pforte jede Maske abwirst. Tief ergriffen liest man in diesem Buche die Leidengeschichte des Dichters von seinen ersten Kindheitstagen bis zum großen Wendepunkte seines Lebens, das schwere Martyrium Strindbergs als VoiksschUllehrer und nach dem Doktorhut -ringenden Studenten. Ein vrächtiger LichtvuNkt ist die kurze Zeit im Hause des jüdischen Arztes, dessen Kinder Strindberg zu unterrichten batte. Wenn auch in Schweden das indische Element (1868) verschwindet gering war und wohl noch ist, und sich'von jenem des übMen Europa wesentlich-unterscheidet, so wird es doch interessieren, zn hö-ven, was Strindberg aus unmittelbarer Beobachtung urteilt. Bei den. Heimatlosen, den Israeliten, fand' Fohan*) jetzt sein neues Heim. Sofort schlug ihm eine neue -Lust entgegen. Keine Erinnerung -ans Christentum. Man auälte weder sichselber noch andere. Kein Tischgebet, kein Kirchenbesuch. kein Katechismus. Was. wollen die. welche an die Bedeutung des Christentums in der Entwicklung von einem Volk sagen, das zweitausend Jahre der Weltgeschichte ohne Christentum gelebt und sich zu .einer solchen Kulturhohe wie die anderen erhoben bat, daß es beinahe vollständig in die christliche Gesellschaft bat übergehen können. Sollte vielleicht die europäische ,Weltgeschichte" das Christentum entbehn-m können: Kirchenversammlunaen. Päpste, Inquisition. dreißigjährigen Krieg, Luther? Sollte vielleicht das Christentum ganz einfach eine Periode der Vermenschlichung gewesen sein, die eintreten mußte und nur mit der Entstehung der Kirche Wsammenfiel, aber nicht von ihr abhängig war? Der Mohammedaner und der Buddhist können ja ebenso h-uman sein -wie der Christ, trotzdem die ersten den letzten nur treffen, wenn von Menschlichkeit keine Rede ist: nämlich in Kriegszeit. - 'Hier ist gut fein, dachte Iohan - das sind befreite Menschen, die -Ms den Kulturen aller Länder das -Beste geholt haben, ohne das -Schlechte mitnehmen zn muffen. Sie waren viel -auf Reisen gewesen, hatten Verwandte im Ausland', sprachen -alle Sprächen, -empfingen Ausländer im 'Haus. Alle großen und kleinen Angelegenheiten des Landes wurden besprochen, und mit den ausländischen Oriuinalen verglichen; dadurch bekam man, einen größeren Gesichtskreis und konnte das Vaterländische richtiger emschatzen. Die, patriachalis che Leitung der Familie hatte nicht die Form von Familientyrannei angenommen; im Gegenteil behandelten die Kinder ihre Eltern mehr wie ihresgleichen und die Eltern waren zärtlich, ohne kleinlichzu sein. In einen unfreundlichen Weltteil verschlagen, von halben Feinden umgeben, suchten die Mitglieder der Familie Schutz bei einander uyd hielten zusammen. Obnc Vaterland sein, was man für so schwer hält, hat den -Vorteil, daß die Intelligenz immer am Leben erh alten wird. Unaufhörliche Wachsamkeit, beständige Beobachtung, neue und reiche Erfahrungen bieten sich 'dem Wandernden, während der Stillsitzende trage wird und sich Ms andere verläßt. Die Kinder Israel nehmen -eine ei-gentümlichö Ausnahmestellung in sozialer Hinsicht ein. Sie haben die Messiasverh eißung vergessen und -glauben *> Unter diesen Decknamen führt sich Strindkerg als Sohn der Magd ein. nicht daran. Unterklasse zu werden, war ihnen wohl verweigert, wenn Mch nicht in der Ausdehnung, wie man gewöhnlich glaE. OberAaffe zu werden, ebenfalls. Darum fühlen sie sich nicht verwandt mit der Unterklasse und auch nicht mit der ObeMasse. Sie sind Aristokraten aus Gew ohnh eit und Neigung, haben' aber dasselbe Intereste wie die Unterklaffe: nämlich den Stein, der oben liegt und drückt, abzuheben. Aber ft* fürchten den Proletarier, denn der ist religiös verdummt und Mt die Reichen nicht. Darum fliehen Me Kinder Abrahams lieber nach oben, als daß sie unten Sympathie suchen. Ein entdecktes Buck eines jüdischen Alckymiften. Bon Wilhelm Rapaport, Przemysl. (Fortsetzung) ' . Ein Buch eines Juden über die Alchymie! ist als solches nichts Seltenes. EiU riesiges jüdisches Schrifttum über diese Disziplin und der mit ihr verwandten Wissenschaften (die Astrologie, die,ChyromaMe usw.) ist in hebräischer und arabischer Sprache im Mttelalter entstanden. Es genügt, wenn man Me bibliographischen Lexika eines Burtors, -eines Wolff dnrchblätterk, oder Josef Aznlais' „Sckem Hagdolim" und Jacobsohus „Ozer Has6pharim" überblickt, um sich von der Reichhaltigkeit dieser Literaturspezies zu überzeugen. Die meisten dieser Schriften aber schlummern noch in den Bibliotheken inder Bo-djalana, in Rom, München und Oxford und nur. sehr selten hat eine das „Licht der Welt" erblickt. Ich glaube jedoch^ daß es die jüdische Literatur leicht verschmerzen kann, daß sich die Guttenbergschle Kunst derselben so wenig angenommen hat. Denn nur ganz v'eUMzelte. Schriften nehmen ein wirklich kirlturhistorischos Interesse in Anspruch. . In Steinschneiders*) Buch über die „Hebräischen Uebersetzungen" findet sich' eine spezielle Abteilung, welche den Anteil der Inden in der 'alchymistischen Literatur besvricht. Es würden eine gMze Reche von hebräischen Manuskriptsammlungen anfgezählt, die zum größten Mike aus dem Griechischen und Arabischen Von Inden übersetzt worden sind, unter anderen däs Buch: T-achlilth Hechacham, welches -ein Kompendium des arabischen Buches'des Madiirti abul Kasim über Talismane (und Alchymie) därstellt. (Vgl. Steinschneider, Uebersetzuingen, § 525, S. 853/854.) Diesmal liegt das Buch' des Abraham Cleazar vor mir. Wer Abraham Eleiazar (ben Cleazar) war, wo und wann er lebte, wer der Uebersetzer, verschweigt unser chrisb licher Herausgeber. Allein mich kümmert dies weniger. Ich überlasse derlei den Fachbibliographen. Mich interessiert nur die kulturhistorische Seite dieser Schrift. Ich besehe das Titelblatt, es lautet: R. Äbrahämi Eleazaris Uraltes Chymisches Werk, welches ehedessen von dem Autore teils in lateinischer und Arabischer, teils auch in Chaldeischer nnd Syrischer Sprache geschrieben. Nochmals von einem Anonymo in unsere Deutsche Mutteir- Spvache übersetzt. Nun aber Nebst zugehörigen KubffeM, *) Bei Steinschneider wird eine Menge interessanter Manuskripte aufgezählt. Unter anderem «das Buch Sodoth hasahab (Die Geheiimmsse -der Galdimacherei), -wahvscheinlich eine Uebersetzung der arabischen Schrift des Alchemysten Khalrb b. Ia->'id (Steinschneider § 524), ferner (Seite 967) M'lechetz mej hasahab (Die Erzeugung des Goldwassers). Auf Seite 85V erwähnt er, -daß -in Abu Aflas Schriff -über Alchemie eine Stelle aus dein hebräisch-alchemystischen Buche Sepher hamizpon angeführt wrvd.