Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 16 (4.8.1921)
- Date
- 1921-08-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 16 Die Wahrhe-ik Gymnasium, 'bei welcher Gelegenheit «er mir auch seine literarische Beihilfe zusagte. Er hielt fein Wort nicht. Meine! Mographie unterblieb. Der beviihmte Rechtsgelehtte hat bald darauf Namen und Andenken seines großen Vaters geschä«ndet 'durch seltnen Abfall vom Judentum. Briefe Äon WM Jellinek, die ich beisitze, wollte Professor Ludwig Geiger kurz vor seinem Tode veröffentlichen, aber meine Verehrung und Liebe für Adolf Jellinek bestimmte mich, auch Geiger davon abzus'öhen. Adolf Jellinek tvur.de am 26. Juni 1821 in Dulawitz bei Uug.-Bvod in Mähren geboren, 'früh verlor er seine frommen Eltern, die Mutter entstammte der FanMe des Rabbi Sabbat i Eohen, Verfasser des „Schach", Rabbiner •tu Holleschau, und des R. Hirsch Borda. Dieser gelehrte Hailachist und Autor des Werkes „Teoome Zwija" zu „Eben Hasser" war JeMneks Großvater. Durch feine Me Großmutter Rebekka Buk wurde der fünfjährige -Knabe zum ersten Unterricht in die Volksschule und' 'in Bibel und Talmud geleitet und erwarb sich bis zum 11. Lebensjahr Keuntnisfe, die -ihn befähigten, die Talmudvorlesunig des UNgaviisch-BroÄer Rabbiners D. Buchheim und später der Akademie (Jeschibas von R. Moses Wamiesried W Proßnitz zu besuchen. Seine Lehrer bewunderten den Scharfsinn, den Fleiß und Wer dieses ihres Jüngers, der mit Leichtigkeit jeden „Ehiluk" -erfaßte und m den vorzüglichsten Schüler zählte. Zur Bar Mizwah-Feier iw 13. Lebensjahre schon war er imstande, -die kundigen Schiffer durch das unermeßliche Meer des Talmud zu -begleiten und bald darauf ging er nach Prag, um in dieser Gelehrtenstadt seine Studien fortzusetzen -und sich auch in den profanen Wisienschasten und in -den Lehrfächern des Gymnasiums zu Vervollkommnen. 1842 «bezog er di!ö Universität zu Leipzig, woselbst er unter Fleischer, Wachsmut, Weiffe und Brockhaus Orivntalia, Phylosophie und klastische Philologie waren. Da sie aber keine Mittel -besaßen, Gesang, zwecks Ausbildung zu Opernsängern, zu studieren, machten sie nrich argloses Kind zum Objekt ihrer Spekulation. Ich war damals noch keine 13 Jahre und war, wie gewöhnlich -bei Knaben, vor der Mutation der Stimme, am Gipfel meiner Trinrnpse. Ich wurde nun gelehrt vorzubeten. Nachdem meine erwachsenen Kollegen meiner Kenntnisse sicher waren, ließen sie den bisherigen Brotgeber sitzen, nahmen mich und noch einige Knaben mit sich und' es wurde -beschlosten mich zum Kantor zu wachen. Mit mir wollten sie nun reisen. Selbstverständlich schmeichÄten mir diese Pläne, es war ein Trkumps meiner Eitelkeit. Ich kam gar nicht auf dem Gedanken als Wmiderknvbe, für egoistische Zwecke anderer, mißbraucht zu werden und willfahrte gerne. Bon meinen „Jmpresaios" wurde ich zum Warschauer Wunderknaben umgenannt. Ms solcher, stand ein sicherer Erfolg bevor, die Reise begann. Bon .dieser Reise -seien einige Episoden wiedergegeben. Um mehr Eindruck zu erzählen, «wußte ich selbst diriaieren, was das Publikum nahezu verblüffte. Meine Mustkalitüt zu erhärten würden wir von den Vertretern der Männerstimmen einige drastische Posen einstud'iürk. Von Zeit zu Zeit mußte ich nämlich mich beim Ohr nervös reißen, was. das Wahrnehmen eimes Falschgesunqenen Tones kennzeichnet «Mch! dergleichen Narreteien mehr. Diese Komödien hatten auch Erfolg. Oft hörte man laute Verwunderungen über mein Genie ausrufen, wie z. B.: „Seht den Kleinen, wie die Großen vor Hm zittern«." „Seht! schon wieder hat einer fälsch gesungen! Wie Hn dies verdrießt! und 'dergleichen mehr. fleißig studierte und die Rhetorik Jesajas, OmintMans, Eioeros und der berühmtesten deutschen Kunstredner, wie Drüfeke und Salomon, mit besorckrerer Vertiefung Hevretisch und praktisch pflegte. Er fungierte 1845 als Prediger in Leipzig, wo die Mestebefucher ans allen Gauen sein geniales Redetalent anstaunten und seinen Ruhm nach allen Richtungen der Windrose hin trugen. Der Andrang im kleinen nach Muster des Hamburger Tempels eingerichteten Gotteshauses war so groß, daß die Leipziger Gemeinde bald einen prachtvollen großen Tempel erbaute, in dem Jellinek fast 10 Jahre als erster Prediger bahnbrechend wirkte. Seine Predigten charakterisiert ein Zeitgenosse Dr. B. Bernhard wie folgt: (Fortsetzung folgt) Arische Dichter Wer das Judentum. Es ist eine beliebte Taktik «antisemitischer Hetzer in Wort und Schrift, aus dem neuen oder alten Litcraturschatz die Aeußerungen arischer Männer zu zitieren, die ausgesprochen j-udenseindlich sind. Nicht selten sind derartige Zitate «entstellt und derart -aus dem Zusammenhaua des Textes «gerissen, daß ihr «Sinn leicht in das Gegenteil gewendet werden kann. Davon 'abgesehen hat die Medaille des arischen Schrifttums auch Hre Kehrseite uNd man wird' ohne Mühe eine Anzahl von Dichtern und Gelehrten unbestritten arischen Stammbaumes finden, «die ihrer Ueberzeugnug Folge gebend, die Lichtseiten des Judentums aufzeigen. Solch ein «über jeden Zweifel erhabener rassenreiner Dichter ist August Strindberg. Zum Verständnis dieses Großen und seiner grumten Werke »n «ß man sein Bekenntnisbuch „Der Sowv «einer Magd" gelesen haben, das mit rücksichtsloser Offenheit alle Hüllen dorr «dem geistigen und körperlichen jungen Strindberg genommen hak und weit über den bekannten Confessiones I. I. Rousseaus Schließlich Waren wir nach Warschau gekommen und feierten schon nahezu sechs Wochen Triumph um Triumph, da «wurden wir infolge einer Anzeiae zu-m Gouverneur zitiert. Wir waren damals 2 Bassisten, 2t Tenoristen. 8 Knaben und ich der Kantor und augenblickliche Prinzipal. Der Gouverneur woMe sich von der Richtigkeit unserer Angaben, nämlich Sänger und nicht Spione zu sein, überzeugen und befahl uns etwas zu singen, Was der sicherste Beweis ihm düinkte. Wir intonierten selbstverständlich sofort «die russische Volkshymne. Unsere Leistnn«q hatte derart gefallen, daß wir immer Weiber singen mußten. Zuerst fangen Wir Tempelgesänge, dann einzelne von uns russische Lieder, die Männer Opernarien nsw. Der Erfolg war überraschend. Wir wurden für den Wend eingeladen. mit Tee und aus jüdischen Gasthäusern h-erbeigeschafsten Speisen bewirtet. Endlich gegen 1 Uhr morgens verließen wir nach Erhalt einer Konzession, vermöge der uns gestattet war, solange «wir wollten im Gouvernement Warschau Konzerte zu geben, das Palais des Gouvernement mÄ ei«ner Belohnung von 200 Rubel in der Tasche. Wider alles Erwarten war unqlere Angst mit so hoher Gunst und materiellem Wert vergütet worden. Was 200 Rubel damals für Kaufwert hatten, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Dieses Geld war den 4 Unternehmern, die milch ausnützten eiin bedÄitender Vorschuß zur Erlangung ihres Zieles. Ich selbst hatte nicht viel davon. (Fortsetzunig folgt.)