Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 15 (21.7.1921)
- Date
- 1921-07-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 Nr. 15 Die Wahrheit aussiel, war ich gezwungen, schon am nächsten Tage die Heimreise anzutreten, zu mete Mhrnngsqnelle zurück, die wohl momentan sehr spärlich sprudelt, aber dennoch mit GoÄes Hilfe -durch seine guten Vertreter auf Erden nicht versiegen wird. A. S. Koscher. Der Familienname Deutsch kommt im Judentum nicht besonders Men vor, es wird deshalb keine Handhabe zu gerichtlicher Verfolgung oder wenigstens zu einer § 19 Berichtigung gegeben, wenn wir bekannt machen, daß ein Restaurateur Deutsch durch den Vermerk „koscher" aus seiner Geschäststafel appetittgesegnete Glaubensgenossen anlockte. Eines Tages -bemerkte ein fremder Gast zur Mittagszeit, große Unzukömmlichkeiten in ritueller Beziehung, weshalb er sich mit einer Beschwerde an den Kultusvorstand gewendet hat. Nunmehr erhielt der betreffende Gast die Erledigung des Kultusvorstandes, daß Herr Deutsch über Intervention des Kultusvorstandes sich veranlaßt'sehen mußte, die an seiner Eiugcmgstür angebrachte Tafel mit dem Worte „koscher" zu entfernen. Dieses rasche und energische Einschreiten ist danWarst zu begrüßen; bedauerlich nur ist, daß wir nicht dem Vorstand der Wiener Kultusgemeinde solches Lob spenden können, denn die Sache hat sich in der guten Stecht — OlmüH zugetragen. Der Kultusvorstaud und das Rabbinat der Wiener Gemeinde haben „andere Sorgen", als den Beschwerden über Verletzung der Koschervo rschristen prompt Folge zu geben. Uebrigens brauchte es gar beider Anzeige. Die Fälle li!etzen vor aller Welt offenkundig vor. In den Koscher- Selcherjeien liegen friedlich geeint das Corned beef neben kleinerem und größerem WurstzeUg, wobei gewissermaßen als Entschuldigung dienen kann, daß auch der Inhalt der Würste nichts weniger als beruhigend' koscher ist. Ein Wiener Restaurant gilt nach der ortsüblichen toleranten Mssaffung als koscher, wenn aus der Speisekarte und in der Gasthausküche kein Schweinsbraten gefunden wird. Eine gang und gäbe Redensart ist, daß di« „koscheren" Fleischbänke fast durchwegs die reine „Fopperei" sind. Was besonders in dieser Angelegenheit für Beschwerden und Streitigkeiten zwecklos zu Verzeichnen sind, würde einen Großteil unserer Nummer jeweils in Anspruch nehmen. Hoffentlich wird das Rabbinat sich einmal doch auf seine Pflichten besinnen und dem Koscheruufug steuern. Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohom". Einer Bestimmung des Vorstandes gemäß, werden die von den Vorstandsmitgliedern bei Trauungen gesainmelten Spenden ihrer Beftinunuug in der Weise Hugesührt, daß dieselben dem Armensouds zur Unterstützung würdiger Glaubensbrüder und dem Brautausftattungssonds zur Unterstützung armer und wüMger Brautpaare zufließen. Am Sonntag, den 25. September, als Erinnerung an die Einweihung des schönen Tempels in der Pazmanitengasse, sollen auch Heuer ein oder zwei Brautpaare aus diesem Fonds unterstützt werden und verweisen wir diesbezüglich auf den Anzeigeteil der vorliegenden Numnier. Praktikantenttelle I bei Wiener Firma gesucht, für intelligenten I Jungeni aus guterjjsr. Familie und mit I vorzüglichen Schulzeugnissen. Gef. Anträge I unter 9»0> D.M an die Administration der 1 „Wahrheit“. «SIS Literatur Chajim Bloch, O stj ü d i s ch e r Humor, Berlin 1929, Benjamin Harz. — Die Schwierigkeiten, mit denen der Buchhandel heute zu kämpfen hat, gebieten jedem Verleger verschärfte Vorsicht in. dler Wahl von Autor und Werk. In Ehajim Bloch MÄ seinem, iü der ostjüdischen Literatur .fest begründeten Ruf hat der rühriige Berliner Verlag eine Kraft, wie wenige, gewonnen, und ein besonders glücklicher Wurf ist das vorliegende Werk, das sich schon äußerlich durch eine Ausstattung empfiehlt, die man an Erscheinungen des Büchermarktes längst nicht mehr gewohnt ist. Ueberrascht wird man aber vollends durch den Inhalt, dessen Fülle und geistiger Reichtum weit mehr bietet, als der bescheidene Teil erbaten läßt. Er bietet nicht allein eine Anekdotenfammlung, die an sich das Buch' zu einer ungewöhnlich genußreichen Lektüre für jeden Leser gestaltet, sondern auch die geschickte Answähl der gebotenen Proben besonders dem -Bolkleristen einen wertvollen Einblick in das Seelenleben und die Gemütstiefe des Ostjuden gewahrt, zugleich aber -auch eine Unzahl neuer Streiflichter ans jüdische Persönlichkeiten der Vergangenheit wie der Zeitgeschichte wirft und hiermit dem Historiker 'eine willkommene Fundgrube für.deren Eharaktsristik liefert. Bon Rabba bar Chana über die Gedanken des vcvbb'inischen Schrifttums und die Führer des Chassidismus bis zu Jonas Köuigswarter und Dr. Bloch — löitit weiter Weg! Uni) doch merkt man, von der spannenden Lektüre in Atem gehalten, keine Länge. Ehe man sich's versieht, -steht man aus der letzten Seite, mÄ dem Bedauern, daß es Nicht in dem gleichen kurzweiligen Tempo noch weiter, viel weiter geht. Wir trösten uns mit dem Versprechen des Verfassers, er wolle uns in kurzem noch viele anideve Blumenpsade seines Wundergartens führen. Es ist die Pflicht derer, die dieses Märchenland erschließen zu helfen berufen sind, alles auszubieten, um Chajim Bloch .in iden Stand zu setzen, seinen Vorsatz so rasch als möglich aussühren zu können. Diese Posten " osMdischen Geisteslebens würden jedem Schrifttum zur Zierde gereichen. Sie verdienen dankbare Ausnahme in jedem jüWschen Hause. M. Rebekka oder das jüdische Weib in ihrem religiösen Berufe. Von Abraham Lew >i. Verlag Sänge r & Friedber g, Frankfurt a. M. Aus wenig mehr als 190 handlichen Seiten ein vollkommenes Kompendium der Pflichten der jüdischen Hausfrau in Haus Md Welt gegen ihre Familie und Glaubensgenossen. Das Ganze inu knappen Rahmen einer altfränkisch gehaltenen Erzählung, wie zur Zeit als der Großvater die Großmutter nahm, aber dorr, wo ethischdidaktische Fragen des Judentums berührt und betont werden, von einer wohltuend, zu Herzen gehenden Pastoralen Wärme.' Namentlich die Kapitel Kindererziehung, Sittlichkeit, Brndär'liieb'e behalten ihren, von jedem Parteistandpunkt unbeeinslußten Wert. Der Verfasser ist Bekenner der Orthodoxie und aus die „Neuen" nicht gut zu sprechen. Aber eir läßt in jedem alten „Neuen" sympathische Saiten anklingen und den Wunsch anssprechen, daß dieses schätzenswerte Büchlein jeder jüdischen Mutter, oder die es wetdvn soll, bestens empfohlen in die Hand gelegt wird. Müller, Jüdische Geschichte in Charakterbildern. Verlag I. B. Metz l e r, S tuttga x t. 3. Auflage. Mk. 24.— gebunden. Ein prächtiges Buch, das seit Jahren vergriffen war und Mn von Rabbiner Dr. M. B e e rm amu ergänzt wurde. San Remo und Herbert Samuels Erneummig bilden, den Mschluß des Werkes, das manchen eine willkommene Gäbe sein wird.