Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 15 (21.7.1921)
- Date
- 1921-07-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 15 Nr. 15 Die Wahrheit Scholem Alejchem, Menachem Mendel. Aus dem Jüdischen übertragen von Siegfried Schmitz. R. Löwit Verlag, W i e n und Leipzig 1921. Preis br. Mk. 18.—, aeb. Mk. 25.—. Menachem Menidel, der Heimat, Weib und Kinder verläßt, um in der Fremde sein Glück zu suchen, der sich nacheinander als Börsenspekulant, als Makler, Schriftsteller, Heiratsvermittler -und Versicherungsagent versucht, dabei über seinen Projekten die letzten paar Groschen vertut, um immer Widder zu scheitern, und der schließlich über das große Wasser geht, um dort ein neues, wie er glaubt, erfolgreiches Leben zn beginnen, ist, der Typus des Phantomen nachjagenlden, für jeden praktischen Berus verlorenen „Lustmenschen" aus dem jüdischen Osten. Eine bitter-wehmütige Tragik bildet den Kern dieses Briefwechsels Menachem Mendels und seiner Gattin Scheine Scheindet in Kasriliwko, den uns der geniale Charäkterzeichner mit unnachahmlicher Kunst in einer Schale sprühenden Humors vorsetzt und zu einem Buche gestaltet, das zu den köstlichsten Gaben gehört, die wir Scho'löm Alejchem verdanken. Matter Tschuppik: Die tschechische Revolution. E. P. Tal & Co., Verlag, Leipzig—Wien—Zür i ch. Geheftet Mk. 14.50 (K 58.—). Walter Tschuppik schreibt Geschichte, aber nicht in dem Sinne, den ihr eine langweilige Stubengelehrsamkeit gegeben Hut, sondern tu einem lebendigen, wirbelnden Tempo. Er beginnt mit dem Mai 1918, in dem den Pragern die nationalen Kundgebungen verboten wurden, hält den 28. Oktober 1918 mit dem Misbrnch der Revolution fest und schildert dann mit Laune und Bchagen, wie die tschechische Revolution nach mancherlei -Flitterwochen und Mißverständnissen langsam verbürokratisierte. Vieles, was Tschuppik erzählt, ist neu, nicht nur für den Laien, sondern auch für den Forscher. Immer verblüfft er durch Aufdecken von neuen Zusammenhängen, durch die amüsante Art seiner Geschichtsbetrachtung, die bei aller Respektlosigkeit vor tintenklecksender Gelehrsamkeit doch die letzten Ursachen geschichtlicher Bewegungen klarstellt. Ein Stück Weltgeschichte in Anekdoten glückte hier. Annie Harrar: Die Feuerseelen. Verlag von Rich. Bong, Berlin W 57. Die Autorin entführt uns in eine phantastische Epoche des Weltgeschehens, sie läßt unZ Menschen sehen, deren geistige Kräfte die letzten Geheim» nisse der Natur erforscht zu Haben glauben und in technischer Vollendung ihrem Dasein dienstbar machen. Unerreichbares ist ihnen erreichbar geworden, chr stolzes Wissen übersteigt alle Grenzen der Erkenntnis. Sie fanden den Schlüssel zu den tiefsten Rätseln und machten sich von den Naturgesetzen fast unabhängig. Ihre Maschinen bereiten ihnen künstliche Nahrung ans dem Stickstoff der Lust, ihre ZanberiNstrumente erzeugen sogar künstliche Blumen; der Kreislauf der Natur scheint ausgeschaltet. Die Sonne spendet ihnen ihr Licht nicht nur des Tages; aus kunstreichen Netzen, in denen ihre Strahlen gefangen werden, leuchtet sie ihnen selbst bei Nacht. Der Körper dieser Menschen ist nicht mchr an Raum und Zeit gebunden. Mit unendlicher Geschwindigkeit werden sie von ihren schnellfüßigen, elektrisch gespeisten Fahrzeugen, Autinos und Arachnions, Hindernislos über Berge und Täler getragen. Aber dieser titanische Kampf hat allmählich, ihnen selbst verborgen, ihre Nervenkvaft zerstört. Langsam sind sie -physischer und psychischer Degeneration anheimgefallen. Werbet Abonnenten für «uker MM! Vermischtes Eine pietätvolle Feier. Die Pester ifvael. Religionsgemeinde veranstaltet im Vereine mit der Chewra Kadischa am 24. Juli eine pietätvolle Trauerfeier. Im Pester neuen irdischen Friedhofe sind laut den statistischen Daten der Friedhofsverwaltung an 2000 Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten begraben, die im großen Weltkriege für ihr Vaterland gefallen sind. An ihren Grabstätten wird man am 24. Juli eine pietätvolle Trauerseier veranstaltet mrd sämtliche Gräber mit je einem Blumenstrauß geschmückt werden. Zu der Feier, die zugleich einen bevedten Buoeis gegen die oft erhobene Behauptung bilden wird, daß die ungarischen Juden nicht tnt Verhältnisse ihrer Gesamtzahl im Krieg Opfer gebracht habe, werden Mch die militärischen Kommanden nnd die bedeutendsten Politiker des Landes geladen. Die Gemeinde beschloß ferner, die Namen der Kriegsopfer im Tempel in der Dohanyutcza auf einer Marmortafel zu verewigen und an ihren Gräbern alljährlich eine Trauerfeierlichkeit zu veranstalten. Kriegerdenkmaleimoeihung in Baden Lei Wien. Zu dem Berichte über die ergreifende Denkmalenthüllung wird uns noch aus Baden folgendes berichtet: Den toten Helden Oskar K o h n agnoszierte fern Vater, Herr Vorsteher Jakob Kohn, seinerzeit am „Arba-KaNfos", das der Tote noch am Leibe trug. Allgemein wunde der Wunsch laut, die Gedenkrede Sr. Ehvwürden des Herrn Obernabbiner W. Reich seitens der Chewra Kadischa, die diese Feier so würdig veranlaßte, zu veröffentlichen. Trauungen. Sonntag, den 10. d. M., fand in Pazm a niteut em p e l unter ungewöhnlicher Beteiligung der besten Kreise der Leopoldstadt die Trauung des Fräuleins Tercsi Kurz, Tochter des Herrn Markus Kurz, langjähriger Beamter der Vereinigten Lederfabriken Flesch, Gerlach A.-G. Wien, und seiner Gattin Marie, geborene Weiler, mit Herrn Max Kalma n, Inhaber der Firma Max Kalman, Wien, Sohn des weiland Herrn Siegmund K a tz, des bekannten Kantors in Pinzchely, statt. In seiner Rede entwarf Herr Rabbiner Dr. S. Funk ein schönes Bild von dem Leben und Wirken der Eltern und Ahnen des Bräutigams, sodann sprach er van den vorbildlichen Tragenden der Brauteltern, würdigte deren musterhaftes Familienleben, Wohltätiglkeitssinn und jüdisches Empfinden, was dem jungen Brautpaar zur Nachrhruung empfohlen wurde. Die kantorale Funktion besorgte Oberkantor I. Giblichmann. — Aus der großen Zahl der Trauungen, die Sonntag, den 10. d. M., im Poymaniteutempel stattgesunden haben, erwähnen wir ferner Fraulein E. Fingerman u, Schwester des bekannten Schriftstellers I. F i n g e r m a n n, mit Herrn H. H. Goldschmidt. Todesfall. Am 17. Juni wurde Josef Me stier, Mitglied des Chores im Wiener Stadt-Tempel, zu Grabe getragen. Rabbiner Dr. Taglichts erhebender schlichter Nachruf, die tiefempfundenen Trauergesärige des Oborkantors M a t y a s und der Kollegenschast zeugten von der ansrichtigen Ehrung und Wertschätzung des Dahrngeschiedenen, der nahezu die Hälfte seiner 54 Lebensjahre einer qualvollen Krankheit abgemngen. Die Kollegen van der Staatsoper sangen am offenen Grabe einen erhebenden Choral. Seine musikalische Meisterschaft im Berufe machte ihn zum Stolz und zur Zierde feines Standes. Mt übermenschlicher Willenskraft hielt er viele, viele Jahre unter unbeschreiblichen Mühsalen seinen siechen Leib