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Die Wahrheit · 1921-07-21 · Heft 15 (21.7.1921) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 15 (21.7.1921)
Date
1921-07-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 15 Die Wahrheil Seite 11 Gottes" von Beethoven. Zuletzt, aber durchaus nicht als letzten, nennen wir den Chordivektor Anton Ledwina aus Kuttenberg, der seine schwierigen Orgelpiecen mit bravouröser Virtuosität vortrng. Er spielte Liszts großes Präludium und Fuge über den Namen Bach, von Rheinberger zwei sehr ansprechende Phantasien (op. 148, 152) und Von Klicka eine Phantasie über Smetanas „Bysehrad". Das Konzert war außerordentlich gut besucht und brachte den Veranstaltern alle Ehre, dem wohltätigen Zweck sicher auch einen finanziellen Erfolg. Baden. Das schöne Gotteshaus m der hiesigen Gemeinde vereint tätlich jung und alt und oft hört man Kinderfti'mnlen aus der arrstoßenden Gemeinde-Religionsschule für Knaben' und-Mädchen, die hier gründlichen Religionsunterricht -erhalten. Wir sahen .kürzlich beim erfolgreichen Unterrichte des Herrn Kantors Adolf Ducker einen Knaben, -der ans Frankreich laM und mit Eiser seine Gebete wie frühdr ins Französische, so jetzt ins Doich'che übersetzte. Unter der Leitung Sr. Ehrwürden des Herrn Obervabbrner W. Reich gedeiht das jüdische Unterrichtswefen in Baden. Herr Rabbiner Ungar und der Sekretär der Gemeinde beteiligen sich ebenfalls am Unterrichte. — Jetzt haben wir eine neue jüdische Anstalt, -das AgNda-Waisenhaus, unter trefflicher Leitung des Herrn Friedmann. Ms wir kürzlich -den lustigen Glassaal beträten, hatten die Knaben gerade „Chumifch" gelernt, was mit Liebe und Interesse geschah. Wir versprechen uns für die armen jüdischen! Waisen schöne Erfolge. Wie ließe sich hier ein jüdisches Internat für Studierende aus guten jüdischen Hausern ins ße&ett rNfen? An Zöglingen — auch Mädchen — »vürde es nicht schien. Jüdisches Wissen und religiöse FühMng lassen sich, wie die Büdner Behältnisse zeigen, gut vereinigen. M. A. Mitgliederaufnahme bei der Pester Chevra Kadischa. Nach sieben Wochen mühevoller angestrengter Tätigkeit hat der Vorstand der Pesteir Chevra Kaldtische die diesjährige Aufnahme neusr Mitglieder mit . einer Festsitzung und einem feierlichen Gottesdienste zum Abschluß gebracht. Es wurden -insgesamt 8200 neue MÄglteider ausgenommen, und zwar: 8 Rabbmen Mid Kantoren, 85 Professoren urid Lehrer, 202 Advokaten und Richter, 180 Aerzte und Apotheker, 181 Architekten und Chemiker, 101 Schriftsteller, Künstler und Journalisten, 22 Landwirte, 88 Fabrikanten, Unternehmer und Großhändler, 156 Rentiere und Pensionisten, 176 Direktoren und Prokuristen, 1562 Beamte, 1260 Kaufleute, 465 Agenten und Kommissionäre, 526 kaufnränuische Angestellte, 1140 Gmiierbetreibende, 515 gewerbliche Gehilfen mrd Arbeiter, 175 Diener, 16 Soldaten, 160 Schulkinder, 46 Hochschüler und 1136 sonstigen Berufen angehörige Personen. In der jüngsten Jahresgeneralversanimlulig dieses humauitären Institutes wurde der Kostenvoranschlag für das laufende Jahr mit Wer 12 Millionen Kronen veranschlagt. Demi vorn Generalsekretär Dr. Heinrich Endrei ^unterbreiteten Jahresberichte entnehmen wir folgende Daten: Die . Chevra Kadischa hat im abgelaufenen Jahre bei 10*4 Millionen Einnahmen, 11.1 Millionen Kronen Ausgaben zu verz«ichnen. Hiewon enWlen auf das Mtewerlsortzungshaus und Asyl 4^ Mllionen, aus das Spital des Versorgungs- Heimes 1% Mllivnen, und das Spital der isvael. Gemeinde 900.000 Kronen, für Avmenunterstützung 300.000 Kronen, auf Erhaltung der Friedhöfe, Gräberpfletze rmrd unentgeltliche Bestattungen 2% Millionen, so daß 90 Prozent sämÄicher Ausgaben für Wohltätigksits- und Piekätszwecke verwendet wurden. Me Generalversammlung beschloß die durch -den Tod Julius Mnterbergs verwaist gewordene Prasidentenftolle zum Zeichen ihrer Pietät ein Jahr lang nicht zu besetzen und dem Vizepräsidenten Julius Adler mit den Präsidialagenden zu betrauen. Hilferuf. Mr werden um Veröffentlichung folgender Zuschrift gebeten: Das Palästina-Amt in Warschau hat vor und nach Ostern bokanntgemacht, daß diejenigen Personen, welche nach Erez-Jsrael fahren wollen, spätestens bis 8. Mai verreisen müssen. Ich iwtb noch viele andere Personen, die am Anfbaue des jüdischen Heims mithetfen wollten, haben uns beeilt, um am bestimmten Tage abfahren zu können. Als wir -am 10. Mai nach Wien gekommen sind und unsere Reise fortsetzen wellten, haben wir leider erfahren, -daß die Einwanderung nach Palästina zeitweilig eingestellt worden ist. Trotzdem die Unruhen in Jaffa am 1. Mar vorgekommen sind und die Nachricht betreffend Reisestörnng am 3. Mai irr Wierr eingetroffen ist, sind -die Auswanderer vor ihrer Abreise nicht verständigt worden. Nach zirka neun Wochen Wartezeit ist eine englische Kommission zwecks Prüfung der leiderrden Auswanderer hier emgelangt. Dr. K o r u g r ü it aus Warschau hatte ZertifUats-Befcheinigun.gen von der zionistischen Hauptleitung in London rnit sich gebracht, die besagen, daß die Hauptleitung die Verarvtwortlichchkeit für Personen, die solche Zertifikate besitzen, übernimmt. Dr. Korngrün verteilte aber die Bescheinigungen hauptsächlich nur unter -bim Ehaluzim, weil, seiner Meinung nach, die gebrochenen Familien n i ch t s o w i ch t i g s i n d. Von den hier befindlichen Palästinareisenden, ungefähr 900 an der Zahl, soll fast die Hälfte zu 100 Personen wöchentlich vorläufig weiterfahren können. Die meisten find im Besitze von Zertifikaten. Es ist die höchste Zeit, sich mit dieser dringenden Angelegenheit zu befassen, widrigenfalls sch rfatale Folgen zu erwarten iftnfr Verschon Scher e m, 2. Bez., Nordbcchlt--Hotel, Praterstr. 72. Die Revision. Ein jüdischer Kultusgentei ndebea.nte sendet uns folgenden Bericht über ferne Reise nach Prag: Nach mehreren Jahren eintöniger Arbeit urvd gleichmäßiger Beschäftigung als jüdischer Kultnsgemeindebeamte-, waren mir einige Tage -der Abwechslung gegönnt, die ich dazu benützen wollte, meinen Geburtsort Prag zu besuchen.. Wer -dorthin gelangt man heute nicht so leicht. Abgesehen von den vielen Paßurob Visum kalamitäten. wird man, ehe inan den Fuß in die tschecho-slowakisch'e Hauptstadt fetzt, gründlich untersucht ob nicht irgend welche fremde Valuten oder verdächtige Briesschaften vom Reisenden hereingeschmuggelt werden. Die jüdischen Gemeindebeamten smd kerne Schieber und haben keim übriges Geld bei sich; auch verbot mir stets meine Liebe zum Judentum irgend eine Tat zu begehen, wodurch das Ansehen desselben herabgewürdigt werden kann. Aber, leider machen unsere Gegner keinen Unterschied, bei ihnen sind alle Juden Schieber, Diebe nitb Betrüger, und so wurde auch mir nicht dieser peinliche Akt der grmidlichen Untersuchung und Leibesvisitation erspart. Schließlich, dachte ich mir, sind wir jüdische GemeindebeaiNten es ja gewöhnt, daß mtrn uns scharf im Auge Hirt, und genau weiß wieviel Geld und Lebensmittel wir an der Grenze des Monats mit hinüber - nehmen in den nächsten, daß wir nicht etwa übermütig werden. Daher versöhnte ich mich auch im Geiste mit jenem strengen Revidenten. Und so betrat ich meine Vaterstadt, in dw jedes Fleckchen mich an glücklichere Tage erinnerte. Als ich ins Innere der schönen Stadt kam, mußte ich wieder eine Revision mitmachen, und zwar bei mir selbst; denn ich mußte meine Taschen genau durchsuchen, ob darin genügend deutschösterveichisches Geld vorhanden sei, um selbes in tschechische Noten eiuwechseln zu können; und als selbstverständlich die Untersuchung nicht sehr günstig

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