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Die Wahrheit · 1921-07-21 · Heft 15 (21.7.1921) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 15 (21.7.1921)
Date
1921-07-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 15 Die Wahrheit Bo» Nah und Fern Borstandssitzung -er KultusgemeinLe. Einem Drkng- Uchkeitsantrag der Jüdisch nationalen Folge gebend, wurde für den 6. d. Uhr abends, eine außerordentliche Sitzung eiubernsen, tvelche für den erkmnkten Präsidenten Professor Dr. Pick der Vizepräsident Herr I. Glück um 7 Uhr abends eröffnete. Vor Eingehen in die Tagesordnung hielt der Vorsitzende dem verstorbenen Professor Dr. Zuckerkand! einen tiefempfundenen Nachruf, den die Versammlung stehend anhörte. Hierauf begründete Dr. Ehrlich zur Tagesordnung den von ihm und seinen Genossen gestellten Dringlichkeitsantrag betreffend die sofortige Durchführung der Wahlreform. Im Namen der Majorität gab Dr. Ti cho folgende Erklärung ab: Wir erklären, daß wir uns mit der Wahlrechtsreform im gegebenen Zeitpunkte intensiv -befassen und diese Frage einer Lösung zuführen wollen, die dem Wunsche der Wählerschaft, dem Interesse der Kultusgemeinde und nicht zuletzt der Gerechtigkeit und Billigkeit am besten entspricht. Wir geben hiemit zugleich unserer Ueberzeugung Ansdruck, daß die Frage der Wahlresvrm für die Kultusgemeinde derzeit keineswegs die dringlichste ist. Dringlich ist, daß wir alle unsere Bemühungen daraus gemeinsam richten sollen und müssen, das finanzielle Gleichgewicht der Kultusgemeinde herzustellen, sie in die Lage zu bringen, ihren Aufgaben und Pflichten in allen Belangen gerecht zu werden und all das aus den Diskussionen des Kultusvorstandes zurückzustellen, was geeignet ist, Gegensätze in diese Körperschaft und die Wählerschaft zu bringen. Die Mitglieder des Kultusvorstandes sind für eine vierjährige Mandatsdauer gewählt, sie haben die Pflicht, diese Leit ihrer Wirksamkeit in intensivster. Arbeit zum Wvhle der Judenschast zu nützen und es wird — das kann von der Majorität zugesichert werden — jedenfalls die nach Mlaus der Mandatsdauer vorzunehmende Wahl bereits nach der neuen Wahlordnung vollzogen werden. In dem Programme, welches die Majorität des Kultusvorstandes chver Wählerschaft vorgelegt hat, wurde derselben die Schaffung eines demokratischen W ah Istatuts in Aussicht gestellt. Dieses Versprechen wird getreu eingelöst werden. Ausdrücklich sei jedoch schon jetzt erklärt, daß die Majorität nicht in der Lage sein wird, für die Verleihung des Wahlrechtes, auch für solche Personen einzutreten, welche die Kultussteur nicht entrichten. Es steht diesen Personen die Inanspruchnahme aller Einrichtungen der Knltusgemeinde zu. Für die Erteilung des Wahlrechtes jedoch muß jene Opferwilligkeit gefordert roerden, die sich in der Leistung der Kultussteuer ausdrückt. Die Majorität nimmt aber auch den Standpunkt ein — und sie weiß sich darin mit ihren Wählern einig — daß eine gewisse Seßhaftigkeit gefordert werden muß, weil es nicht angcht, daß etwa Mer das Schicksal einer Institution, wie es die Knltusgemeinde ist, Personen im SSege der Wahl entscheiden, die durch ihre kurze Anseßigkeit mit den örtlichen Interessen zu wenig vertraut sind und daher nicht wahrzunehmen vermögen, was im eigentlichen Interesse 'der Wiener Kulltusgemvinde gelegen ist. Die Frage, ob das Wahlrecht auf die österreichischen Staatsbürger beschränkt bleiben soll, ist derzeit noch eine komplizierte, weil die hiefür in Betracht kommenden Verhältnisse bei rrns und in den Nationalstaaten noch zu wenig geklärt sind. Dem aus dem Plenum des Kultusvorstandes gewählten und nach dem Proporz zusammengesetzten Wahlrefomrausschuß — derselbe besteht zu Recht, da er weder sein Mandat zurückgelegt hat, noch ihm dieses entzogen wurde — muß die Möglichkeit gewahrt bleiben, ohne U e borst ürzung und frei von jeldem Drucke dem Vertreterkollegium seine Anträge zu erstatten, und es wird das Vertreterkollegium, sowie das Plenum in der Lage sein-, sich so rechtzeitig mit der Aenderung der FVahlreform zu befassen und den beschlossenen Entwurf der Behörde zur ®eitef)miöuttg vorzulegen, daß die nächsten Kultuschahlen nach dev neuen Wahlordnung vor sich gehen. Wir beantragen daher den Dringlichkeitsauirag der jüdischnatwjnalen Partei dem Wählte sormausschuß zuzuweisen und denselben zu beauftragen, hinsichtlich aller dorthin gelangten Dringlichkeitsanträge bis 31. Dezember 1921 Bericht Mer den Stand der Wahlveform zu erstatten. — Was sich nach der letzteren Erklärung; Är bissen emstenDingen geweihtem Sitzungssaale ckbspielre, entzieht sich einer vollkommenen Wiedergabe und konnte von uns nur in einer skizzenhaften Notiz zur Kenntnis der Leser gebracht werden, die sich auch in dieser kurzen Fassung das richtige Urteil über die denkwürdigen Vorkommnisse bilden werden. Ein Märtyrer dieses Abends war eigentlich Vizepräsident Glück, der ununterbrochen auf seinem Platz aushalten mußte und die Dinge in einer Lammsgeduld Wer sich ergehen ließ, während die Majorität wenigstens durch Schichtwechsel sich von den Annehmlichkeiten dieser Sitzung erholte. Das Schreckgespenst des Bankerottswurdein V'WHsb wiederholt an die Wand gemalt und es kann, wenn nicht rechtzeitig in dem jetzigen Treiben Wandel geschaffen wird, zu einem traurigen Ende sichren und die Einsetzung eines Regierungskommissärs, mit welchem Gedanken ebenfalls in jener Nacht gespielt tvnrde, zur Tatsache werden. Tempelkonzert. In Karlsbad fand vor kurzem in der Synagoge ein Tempelkonzert statt, Oberkantor Magnus D a v i d s o h n sang das „Ki k'schimcho" von Lewandowskr mit einer metaMschen Tonfülle rrnd fernster Nuanoievung, die neben dem lAurgifchen Verständnis auch. eine tadellose musikalische und gesangliche Kultur auswies. Das Gleiche gilt vom ,Mol nidrei" D a v i d s o h n - L e v y s. Daß man auch dem Instrumente eine spezifisch kulturell-religiöse Eigenart abgewinnen kann, zeigten zwei VioliNsvli (Hebr. u. Psalmudische Melodie), die der Konzertmeister der Kurkapelle, Herr Karl Krämer, mit süßem, singendem Ton spielte. Sulzers „Adaun aulom" endlich zeigte den liturgischen Gesang im polyphonen Chorsatze, der in der Anlage und in der Stimmführung auf Mendels-, sohn basiert. Der Tempelchor unter der Leitung des Herrn Sekretär Weißmandel klang voll und satt und lvar ebenso fleißig vorbereitet, wie im 95. Psalm von Mendelssohn, -in welchem zwei kräftige Fauenstimmen die Solopartien inne hatten. Die größte Spannung und Aufmerksamkeit trat -bei den DeklamaOonen des Herrn Davidsohn ein, bei Donaths „Sage vom Rabbi Amnon" und Kuhs „Vision". Der intelligente Sänger David fb h n erwies sich auch hier als ein vollendeter, musterhafter Sprecher, wie er denn überhaupt den Hauptankeil an. der Veranstaltung trug. An weMchen Äedern sang er noch Handels „Largo", SchMerts „Dem Unvollendeten" und. „Die Ehre-

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