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Die Wahrheit · 1921-07-21 · Heft 15 (21.7.1921) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 15 (21.7.1921)
Date
1921-07-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 9 Rr. 15 __ DieWa während die Wiener und andere m der Wolle gefärbte Zionisten Samuel geradezu des Assimilanbent-ums bezichtigten. Sdkolow «dürfte in der Sache maßgobenÄer fein als die Herren in der Taborstraße, deshalb wollen wir einiges aus feiner Prager Rede übernehmen: Samuel ist über -die Forderungen und Wünsche der zionistischen Organisation genau informiert, er halbe jedoch bestinmnte politische Aüfchaunngen, die chm seine Handlungsweise v o r s ch r e i b e n. Wir haben viele seiner Maßnahmen in der letzten Zeit scharf kritisieren und bekämpfen mlissen, aber trotzdem müssen wir verstehen, zwischen Personen und Programm zu unterscheiden. Jnr weiteren Verlause feiner Rede berichtet Sokolow auch über den Gang der Untersuchung und die Haltung der Justizbehörde. Es ist «vor «allem die Maschine des Justiz- Wesens so, «daß unsere Forderung nach exemplarischer Bestrafung auf alle r leiH i n d e r n i s s e stößt. — Bevor wir von den oberwähnten Ausführungen Sokolows Kenntnis hatten, vertraten wir ähnliche Anschauungen in der vorigen Nummer (s. „Zeichen allgemeiner Mißvergnügtkeit" aus Seite 7). Die Wahrheit li«egt wohl auch hier in der Mitte. Sir Herbert Samuel ist so wenig „Assimilant" als ein bedingungsloser Zionist, sondern sin hoher Beamter der englischen Regierung, deren „politische Anschauungen seine Handlungsweise vorschreiben". Option, je nachdem. Die nach der langwierigen Krise mühselig zusammenengeMote dentschösterr eichische Regierung besorgt die Geschäfte einem zur Freude, engere Parteifreunde -und deren Schützlinge ausgeschlossen. Es ist eine unwiderlegbare Tatsache, daß der 'berüchtigte Amtsschimmel noch lendenlahmer geworden ist, als unter weiland Sr. Majestät k. k. Ministerien, die tvseirigstens geschulte und disziplinierte Beamten hatten. Das hat nun gänzlich anfgchört. In den Aemtern sitzen junge Menschen, die, mögen sie im Herzen noch so monarchistisch gesinnt sein, doch das republikanische Empfinden in dereigenen seikbstbestimmendtzn Persönlichkeit und von den Parteien ihre selbstherrlichen Begriffe hüben; oder die Begriffe ihrer Höchstvorgesetzten. So erklärt sich der Umstand, daß Optionsgesuche sehr schleppend behandelt oder einfach abgewiesen werden, wenn die Bewerber das unter solchen Verhältnissen doppelte Unglück haben, „Ostjuden" zu sein. Das deutschösterveichische Ministerium des Innern, dem Vor Großdeutsche Dr. Waber als Chef vorsteht, scheint . nach Direktive von oben die Vielen Optionen vom Standpunkte des je nachdem aufzinfassen. Ihm gilt der optierende Ostjnde als Mensch, wenn -er sich als Milli'onenschieber gevieren kann. Gegen den obigen Anwurf wird von Waber freundlicher Seite erklärt: „Der poMsche Ausschuß des Großdeutschen Volksbundes für Wien und Mederösterreich weist die gegen den BundesmiMster Dr. Waber aus Anlaß der abschlägigen Erleidiguntz der Optionsgesuche von OftjNden erhobenen Anwürse «und Drohungen auf das entschiedenste zurück. Er ist überzeugt, daß Dr. Waber lediglich «dafür Sorge trügt, daß die Entscheidung über die Gesuche der Ostjuden auf Grund der geltenden Gesetze gefällt wird." Sehr nett vom polMschen Ausschuß, daß er nibelungentreu zum Bundesminister Waber steht, aber die Ansschußjiberzengnng können wir leider nicht teilen, da es sich bestenfalls um eine Erklärung in übertragenem Wirkungskreise handelt.^ Warum hält es Dr. Waber nicht der Mühe wert, sich persönlich und unmittelbar zu erklären? Vielumworbene Juden. Wirklich und wahrhaftig! Es gibt derlei. Znm Unterschiede von den in den meisten haN- oder scheinbar ganz kltltivi orten Ländern, wo man die 'Juden verfolgt, bedroht, schmäht oder wenigstens verh r heit dächtigt, in manchen Fällen als Staatsbürger zweiter Ordnung hinstellt, gibt es noch vielumworbene Juden, wie beispielsweise in jenen ehemals ungarisch gewesenen, jetzt sremdstaatlichen Gebieten, worüber sehr bemerkenswerte Meldungen vorliegen. Wie aus früheren Berichten rmseres Blattes erinnerlich, appellieren die ungarischjüdischen Führer an das nationale und religiöse Empfinden ihrer vom alten Vaterlande weggerisienen Glaübensbrüder, der Vergaugeuheit treu zu bleiben. In Klausenbuvg, das jetzt miter rumänischer Herrschaft ist, gMudete Baron Iosita einen Magyarischen Bund, für «den er die dortigen ungarischen Juden als magyarische Brüder ansprach. In Aldrmgarn hat man sich allerdings während der letzten Jahre solcher brüderlicher Gesinnung «bei den Machthabern vom Tage nicht erinnert. Um so höher ist es zu schätzen, wenn di-e schwergeprüften Juden in der bedrohlichsten Lage ihre Treue znm Baterlande, soweit dies nur möglich, dokumentieren. Der versöhnliche Mufti. Bei Gelegenheit des Bairaim- Festes machten die beiden Qberrabbiner von Palästina dem Mufti von Jerusalem einen Besuch. Im Lause einer freundschaftlichen Unterhaltung sagte der Mufti zu dem Oberrabbiuer Jakob Meier: „Es ist unsere Pflicht, als den Häuptern unserer Gemeinschaften, alles zu tun, was in unserer Macht steht, um den Frieden zwischen den dver Religionsgemeinschaften zu erhalten." Die ErElärungeir des Mufti sind gewiß begrüßenswert und lassen nur «den Wunsch zu, daß sie bei den GlaUbensaugehörigen dieses hochachtbaren Oberhauptes der ungebärdigen Araber willige Auftrahme finden. Daran möchten wir aber nach den jüngsten Ereignissen in Palästina sehr zweifeln. Es sind eben von beiden Seiten große Fehler begangen worden. An unsere deutschüsterreichischen Leser! Ende Dezember 1920 sahen wir uns notgedrungen veranlaßt, durch die im Gesamtbetrieb der ,Mahrheit" eingetretene Verteuerung das Jahresabonnement skr deutschösterreichische Bezieher auf 129 Kronen zu erhitze». Obgleich seitdem eine dreimalige Erhöhung der Papier- und Druckpreise vorgenommen und mit ganzer Wucht aus die Zeitnngsunternehmungen überwälzt wurde, habe» wir von einem gleichen Vorgang Abstand genommen, abwartend, ob wir eine solche Maßregel am Ende doch vermeiden können. Die am 1. Juli neuerdings herimge» sprungene Teuerungswelle hat jedoch unsere gute Absicht vereitelt und die ZwanOlage geschaffen, weniger die bisherigen Verluste zu reparieren, als weiteren Desizitschaden hintanzuhalten, den Jahresbezugspreis auf 299 Kronen zu erhöhen. In der berechtigten Annahme, daß diese Entscheidung durch ihre Ursachen anerkannt werden und eine RachttagSzahlnng von K 49. für das zweite Semester krmer Ablehnung begegne» wird, nehmen wir gerne Anläße an dieser Stelle die stets zunehmende Schar der Fremche und Förderer für die bisherigen Beweise der «ohwmllende« Gesinnung des verbindlichsten Dimkes zu verfiche«^ und knüpfen daran die Bitte, mit gleich erfolgreichem Eifer auch ferner der „Wahrheit" Anhänger zu werben. Den» nur dadurch hat der gegenwärtig so schwierige Kampf «« die Existenz Hoffnung auf Sieg und bietet ferner tfeSAife lichkeit zu immer weiterer Ausgestaltung dieses Mettes. Die Wahrheit.

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