Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 14 (7.7.1921)
- Date
- 1921-07-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3063903-3063917--11354-3078753- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
s ^aktmu Nr. 14 Die W kennen lernten, wie ein großzügig gedachtes jüdisches Werk von ziiviKfatorHcher Bedeutun-g gleichzeitig zum materiellen Nutzen und zu ideeller Fövdemng fiir alle Bewohner des Landes werden muß. Solch eine Beurteilung der Sachlage hat 'sich denn auch in Haifa durchgosetzt, und wenn ursprünglich Bchürchtungen geihegt werden konnten, ob der Bau nicht den stärksten Anfeindungen allsgeisetzt sein würde, so hat sich tatsächlich während der ganzen Entwicklungszeit lkeru ernster Zwischenfall ereignet. Auf solche Erfahrungen muß znrückgegriffen werden, unr die heutigen Ereignisse richtig zu beurteilen, lrm zu erweisen, daß bei vorsichtiger Bchandlung eirr Ausgleich der Gegensätze möglich ist, und daß bei mangelnder Vorsicht Katastrophen, und alsdann zweifellos sich häufende Katastrophen, vor der Türe stehen und vor der Türe steh eil müssen. (Fortsetzung folgt) Ein entdecktes Buch eines jüdischen Alchymisten. Voll Wilhelm Rap a p o r t, Przemysl. Es gibt wohl keinen treueren Spiegel eines Zeitalters und einer Nation als die Literatur,, welche sie hinterlassen' hat. Wenn wir in diesen Spiegel blicken, welche Tableaux voll Leben und Bewegung zeigen sich uns! Bilder voll Hellen Lichtes und tiefer Schatten, von verwirrender Mannigfaltigkeit -der Gestalten, Farben und Formen, die sich von der' traumhaften Schönheit des Ideals bis zur fratzenhaftesten Karikatur abstufen, aber insgesamt den Stempel der Wahrheit tragen und den Beschauer einen tiefen Blick in das innerste Getriebe des We-ltthÄrters werfen lassen. Wie der Gips in die feirrsten Fugen der Form eindriNgt, in »die er grossen wird, so schmiegt sich die Welt der Bücher der Entwicklung der Menschheit an Reiner Ndaterialismus macht den Menschen, wie Sallust trefflich sagt, zum Diener seines Magens, oder was noch schlimmer ist, zum rastlosen Wächter des Mammons. „Der Körper des Menschen ist hinfällig, nur die Taten des Geistes haben ewigen Wert und bringen den Sterblichen der Unsterblichkeit, also Gott näher." (Sallust b. I.) Ich bewundere mit Recht einen Menschen, der seit setnem 10. Lebensjahre auf eigenen Füßen flehend, belfert Wirken voll idealer und materieller Erfolge'war, dennoch sich niemals dem Egoismus ergeben nnd einen Lebenswandel der Ehre mit Hintansetzung aller eigenen Interessen sich von dem Spruche leiten Keß: qu:d est beneficium dare? imitare <deitm! (Was ist Wohltaten erweisen? Gott nachahmen.) Demzufolge glaube ich im Sinne aller jener (und esdürften Nicht wenig sein) zu handeln, Ihnen eine Freude zu bereiten, die meiinen Vater kennen, von ihm gelehrt wurden, mit ihm in nähere Berührung kamen, wenn ich seine LebenserinnevlMgen veröffentliche. Nun will ich zur Ausführung rneines Vorhabens zurückkehren und dein Helden 'dieses „Lebens" das Wort lassen. (Fortsetzung folgt.) h r h e i t_Seite 6 und folgt ihr bis bit ihre zartesten Ausläufer. Bis m die dunkelsten Zeiten, wo noch die Wissenschaft im Keime nnrr. Freilich tappte die Wissenschaft noch damals im dunklen und was sie schuf, war bloß Verirrung. Zn den merkwürdigsten Verirrungen zählt die sogenannte Wissenschaft vom Steine der Weifen. Aus den ältestelt ägyptischen Zeiten stammend, die Alchymisten datieren sie bis auf Moses Schwester Mirjam, ja, bis aus den Erzkünstler Tubalkain zurück — hatte sie im griechischen und römischen Altörtume eine ganz untergeordnete Rolle gespielt, war in der altchristlichen Zeit nebst vielen anderen Wissenschaften in einem erstarrenden Schlafe gelegen, aus welchem sie die mit dem Mittelalter anbrechende größere Regsamkeit des Geistes und der gleichzeitig erwachende glühende Durst nach Gold zu neuem und reicherem Leben erweckte. Der ganze Syncretisnms des Ostens, jüdische und ägyptische Gnosis, griechische Mysterien, softffche Spekulationen ergeben die Gedankengänge der alchymistischen Mystik.. Uns Modernen galt das Gold als Metall lange Zeit nicht mehr als Inbegriffs aller Reichtümer, bis vielleicht auf die jetzige Zeit nach dem Weltkriege, wo die Entwertung gewisser Kreditpapiere die Sehnsucht nach' dem Goldmetall erweckt. Aber in jenen Zeiten war es noch ganz anders, da spielte das Gold die Rolle eines berückenden Dämons, der die ganze Welt in seinem Banne hielt, der die Völker über ihre wahren Jntereffen täuschte und auch die Fürsten oft ihren Berus und ihre Würde vergessen ließ. Gold war das mächtige Losungswort, das alle Stände und alle Verhältnisse beherrschte, das Zeichen, dem kühne Abenteurer aus allen Schichten der Gesellschaft auf unbekannte Meere folgten, und das selbst den ruhigen Bürger votl Haus und Hof hinweg in ferne Zonen lockte, um dort geträumten Schätzen nachznjagen: dies war der Sirenen klang, der Könige zu Falschmünzern und Meineidigen machte, die großen Gelehrte und Denker der zivilisierten Nationen in bedauerlicher Vergeudung chrer Geistesschätze dem sinnlosen Kultus des Schmelztiegöls huldigen ließ. Auf der anderen Seite finden wir geschickte Eharlarmte, die sich zum Gleich tum und Ehren emporschwindeln, an deren Genuß sie jedoch in der Regel durch die Entdeckung ihrer Betrügereien oder durch die Habsucht hohgr Herren verhindert werden, und zwischen beiden eine unwissende, abergläubische, wundersüchtige Menge, die mit einem Gemische von Bewunderung und furchtsamer Scheu aus die Lldepten blickt, deren Spekulationen sie nur zu oft zum Opfer Wird. Die speziell wissenschaftliche Literatur jener Tage hierüber ist nicht nach unserem heutigem Geschmack. Doch begegnen wir zuweilen auch Werken, welche durch ihre besondere Färbung, wie durch ihren originellen Inhalt eine Ausnahme von der großen Masse alchymfftischer Schriften bilden. Der Zufall hat mir ein solches vor kurzem in die Hände gespielt. In einer Wiener Bibliothek, in der noch viele literar-historische Schätze unbenutzt schlummern, habe ich die Bücher durchstöbert und nach einer geeigneten Lektüre gesucht, die mir über die Misere des jetzigen Lebens für kurze Zeit hinwegheffen sollte, und dabei eine interessante Schrift entdeckt. Ich sah verschiedene Bücher, allövhaaw Schöpfungen des menschlichen Geistes, die bekannten Lexika und die große stolze Enzyklopädie von Ersch L Gruber siel mir in die Augen, all die Bücher, mit der Devise: „Wir lehren euch das Alpha und Omega der