Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 13 (23.6.1921)
- Date
- 1921-06-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk, M Reihe von Vorträgen über die mannigfachen, das Judentum berührenden und interessierenden Themata ins Programm ausgenommen und durchgeführt hat. Diese Borträge, für welche die ersten Kräfte gewonnen wurden, umfassen alle erdenklichen Gebiete des Wissens, der Literatur und schönen Künste, welche je nach dem Kreise der Zuhörer deren Verständnis leicht faßlich angepaßt werden. Wie der geistvolle Obmann der Kultursektion sich seine Aufgabe zurechtlegt, darüber wird eine kürzlich stattgehabte Unterredung mit einem Redakteur des „Egyenlösög" Aufschluß geben. Hofrat Eulenburg erzählt diesem: Gelegentlich meiner wissenschaftlichen Reisen kam ich auch nach Paris und hatte dort die Ehre, von Madame Curie empfangen zu werden. Die weltberühmte Erfinderin des Radiums zeigte mir im Laufe der wissenschaftlichen Unterredung in einer goldenen Kapsel ein halbes Gramm Radium und bemerkte hierüber: „Sehen Sie, verehrter Doktor, mit diesem kaum wahrnehmbaren Stückchen des Wundermetalls, das zweihundert Jcchre hindurch feine Strahlungsfähigkeit behält, lasten sich geradezu erstaunliche Dinge vollführen, die doppelte Menge dieses kostbaren. Stoffes könnte hinreichen, den Ozean zu erhitzen." Ich unterließ nicht meine gebührende Verwunderung über dieses Phänomen auszusprechen, konnte mich -aber nicht enthalten, gewistermaßen -als Parabel zu erwidern: „Hochgeehrte gnädige Frau! Es gibt ein Gegenstück zu diesem magischen Elemente, wenn auch in ganz anderer Art. Jahrtausende bevor man an die Erfindung des Radiums auch nur im entferntesten dachte, hatten wir. Juden ein ähnliches Wunder in der Hand, allerdings kein Erzeugnis der Wissenschaft, sond'ern ein unmittelbar von Gott gegebenes Instrument, nämlich unsere Thora. Eine schlichte Gesetzesrolle, den Juden am Berge Sinai geosfenbart. Sie war eine Leuckste allen Völkern durch alle Zeiten. Sie batte den Herzen der Menschen, die gleich den Wellen eines Ozeans der gesamten Menschheit zu betrachten sind, nicht nur Erleuchtung, sondern auch Erwärmung gegeben und. wird so fortwirken in alle Ewigkeit. Sie ist es, die die Finsternis besiegt hat und allen Völkern das ewige Licht der Aufklärung und Gesittung bringt." Frau Curie war von diesen Bemerkungen sichtbar ergriffen und gab ihre Richtigkeit zu. Daß aber diese Grundsätze immer mehr zu einem Gemeingut besonders des Judentums werden, soll die Ausgabe unserer Bestrebungen sein und. diese werden durch unsere Kulturarbeit im Rahmen der Vorträge, die Männer und Frauen in schlichter, anregender Weise abhalten, so Gott will, erfolgreich unterstiitzt. Es handelt sich nur darum, die Teilnahme und das Interesse fiir diese unsere Arbeiten immer rege zu hatten und nach Kräften zu vertiefen. Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohom". Unter ungewöhnlich starker Beteiligung fand am 9. d. M. die diesjährige Generalversammlung des obigen Vereines statt. In Abwesenheit -des Obmannes Rat Adolf W e n g e r eröffnet« Obmannstellvertreter Oskar S ch r a m e k die Versammlung, begrüßte Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. S. Funk sowie Herrn Direktor Dr. S. Krellberg e r als Vertreter der Kultusgemeinde und der Organisation der Wiener Tempelvereine. Herr S ch r a m e k gedachte eingangs > seiner Rede in tief empfundenen Worten der Hingeschiedenen Vorstcmdsmitglieder Wilhelm Bandl e r, Elkan Bauer, des Ehrenmitgliedes Dr. Markus Spitzer sowie der Mitglieder Siegmund Aufrichtig, Moritz Bondi, Nechemia Brainin, S. Czeczow i tz k a, Samuel Fleischer, Moritz Herzog, Ignaz tu r o l i n, Ing. Ad, Mare k, Hermann Hager, izgm. Rausnitz, Jakob Rosenbaum und Rat Leite | Viktor Steiner. Die Nachruf wurden von den Anwesenden stehend angehört. Sodann sprach er von der gewaltigen finanziellen Aufgabe, die der Verwaltung bevorstand, und ermahnte die Mitglieder zur Einigkeit, zumal wir ja alle nur ein Ziel verfolgen, die ^Hebung des Ansehens des Tempelvereines. Schriftführer H i r s ch f e l d erstattete hierauf den Tätigkeitsbericht, in dem er unter anderem ausführte: Als vor zwei Jahren der neue Vorstand seine Tätigkeit begann, fand er eine ungemein schwere Situation, und trotzdem die Gehalte unserer Funktionäre zu jener Zeit sehr bescheiden waren, mußte sofort die Subvention der Kultusgemeinde flüstig gemacht werden, damit wir unseren Verpflichtungen halbwegs Nachkommen konnten. Wie wir seit damals, gewirtschaftet haben, darüber gibt Ihnen -der Rechenschaftsbericht Ausschluß. Der Vorstand hat sich in den verflostenen zwei Jahren in jeder Sitzung mit dem Wohl und Wehe unserer Angestellten befaßt, ohne erst darauf zu warten, daß diese an ihr herantreten, sondern er hat stets und spontan im Rahmen des Zulässigen das äußerst Möglichste getan, um unseren Beamten und Funktionären über die furchtbare Zeit hinwegzuhelfen. Diese Richtung muß auch der neu zu wählende Vorstarck) einha-lten. Die Bibelschule zähle, was auch Direktor Dr. Krenberger bestätigte, zu den besten in Wien, was ein Verdienst Sr. Ehrwürden, Herrn Rabbiner Dr. S. Fun k, der Herren Sektionsobmänner S. Adler und I. Rieß, sowie des trefflichen Lehrkörpers sei. Der Armenunterstützung wurde durch -den vom Schriftführer ins Leben gerufenen Armenfond große Wirksamkeit verliehen. Wenn man auch zugeben muffe, daß die neue Institution noch in den Kinderschuhen stecke, so werde sie doch mit der Zeit den richtigen Ansbau erfahren. Die Barmizwah- und Hochzeitfeierlichkeiten haben einen merklichen Aufschwung erfahren. Bei letzteren intervenieren Vorstandsmitglieder behufs Aufrechterhaltung der Ordnung und Sammlung von Spenden, die dem Brautausstattungsfonds und der Armenunterstützung zufließen. So wurden anläßlich der zwei letzten Hochzeitstage K 16.000 gesammelt, die wir mit Zustimmung der Generalversammlung unseren schwergeprüften ukrainischen Glaubensbrüdern zuwenden wollen. Ueber die Durchführung der Hochzeitsseierlichkeiten herrscht nur einstimmiges Lob, das in erster Linie unseren Funktionären gebührt. Direktor Dr. S. Krenberger sprach namens der Kultusgemvin-de dem Tempelverein für sein musterhaftes Walten rückhaltlose Anerkennung aus, und bezeichnet« denselben als wahrhaft vorbildlich. Er sprach sodann über die Bedeutung der Tempelvereine im allgemeinen und für das Kultusleben im besonderen und stellte den Leopoldftädter Tempelverein an die Spitze aller. Nach einigen Aufklärungen des Kassiers zum Rechenschaftsbericht ergreift Herr Revisor M a e r das Wort, bezeichnst -denselben in allen Stücken als tadellos und beantragt das Absolutorium, -das auch erteilt wurde. Während nun die von der Versammlung gewählten sechs Skrutatoren sich mit Einsammeln und Prüfen der abgegebenen Stimmzettel befaßten, wurde für das Jahr 1921 die Einschreibegebühr von L 100 für neu eintrotende Mitglieder und -die Erhöhung des Jahresbeitrages auf K 120 beantragt und angenommen. Nach abgeschlossenen Skrutinium erscheinen folgende Herren gewählt: a) mit zweijähriger Funktionsdauer: Oskar Schramek, Samuel Adler, Siegmund Chlamtatsch, Wilhelm Czuczka, Hermann Ehrenfeld, Direktor Karl Ehrenzweig, Viktor Nathanson, D. Tänzer; d) mit dreijähriger Funktionsdauer: Friedrich Allina, Moritz Gerstl, Ludwig Hirschfeld, Albert Körner, Heinrich Maer, Bernhard Pick, Julius Rieß, I. Schönherz, Di« Wahrhsit