Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 13 (23.6.1921)
- Date
- 1921-06-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Seite 9 Die Wahrheit Nr. 16 losen gibt, ausweifen? Kann man die Eltern, von seit Jahren hier wohnenden Leuten ausweisen, die keine eigene Wohnung in Anspruch nehmen? Kern Zweifel, es gibt viele brückfichtigungswerte Fälle. Man muß also sondern. Wenn man dann auf Leute stieß, die ausgewiesen waren, entstanden neue Schwierigkeiten. Wer nicht freiwillig ging, war >kaum wegzubringen. Die polnische Gesandtschaft gab den LMten -keine Ausweispapiere und ohne solche ließ die tschechische Regierung keine Transporte durch ihr Land. Man war auch nicht sicher, ob 'die polnische Regierung die Waggons zurückgab, die zum Transport erforderlich waren. Tut nichts! Die Sozialdemokraten waren -schuld. Als noch Eldersch Staatssekretär des Innern war, verlangte Herr K unschak in der BudgetdÄatte der Nationalversammlung, daß man die Ostjuden in ein Internierungslager stecken soll. Als endlich eine schwarze Regierung ans Ruder kam, konnte sie zeigen, wie sie die Ostjudenfrage loste. Wer Herr Kunschak glaubte eniwiischrn zu können, und probierte einen — ostjüdischen Dreh. Zunächst erklärte er anr 5. Jänner in eine: Versammlung, jetzt sei nichts mehr zu machen, denn jetzt hätten die Ostjuden, die dank den Sozialdernokraten hier bleiben dursten, bereits für Oesterreich optiert, seien also hier Staatsbürger geworden und also nicht mehr wegzuibringen. — Der Schwindel der Kunschak- Pavtei wird in weiteren überzeugenden Ausführungen bis *ur Evidenz nachgowiesen. Der traurige Reflex dieser Wahrheit ist, daß nur jene Oestler, die genug tief in die Brieftasche greisen können, gleichviel ob sie aemeinschädlich sind oder nicht, gegen jede Ausweisung gffchützt bleiben, während schwer verfolgte, hilflose Flüchtlinge und ähnlich arme „lästige Ausländer" an den Schubwagen glauben müssen. <==;-(^5^- Weihelied zum Schabuotfeste? Bon Oberkantor Armin W i l k o w i t s ch, Eger. Auf donr hehren Berge Sinai Gab uns Gott den Adelsbrief, Der erhebt für alle Zeiten Uns zum auserkornen Volk. „Gotteskämpfer" ist der Titel, Wer kennt unfern Adel nicht? — „Sch'ma jisroel" ist die Formel, Unsres Heilgen Fahnenschwurs. Schlagt nur nach die alte Bibel, Die von aller Welt verehrt Und Ihr findet dort geschrieen Unsren Namen — Blatt für Blatt! Wider uns — die Gotteskämpfer — Streitet bloßer Unverstand Und er kündet seit Aeonen Unsres Volkes Untergang ... Israel lebt dennoch weiter Trautbeschützt vom alten Gott, Harrt geduldig der Verheißung Trotz der Widersacher Spott! ... Kinder, ehrt drum Mosis Thora Heut — am.Offenhanmgstag — Schwört Adonaj ewge Treue, Bis zum letzten Memzug! *) Verspätet eingelaugt. MW Von Nah «nd Fern gj| Kesseltreiben gegen einen Rabbiner. Zu dieser in der vorigen Nummer unseres Blattes gebrachten Notiz erhalten wir das nachfolgende Schreiben des verehrlichen Präsidiums des Wiener Rabbinerverbandes: „Sehr geehrter Herr Redakteur! Zu dem in Nummer 12 Ihres geschätzten Blattes unter dem Titel Kesseltreiben gegen einen Rabbiner" veröffentlichten Brief beehrt sich der gefertigte Verband folgende Erklärung abzugeben: Als die Redaktion der „Wahrheit" von dem bewußten Brigittenauer Briefe dom Vorsitzenden unseres Verbandes, Herrn Rabbiner Dr. Grunwald, Kenntnis gab, ersuchte dieser den Herrn Herausgeber der „Wahrheit", nicht in dieser Form von dem Briefe Gebrauch machen zu wollen, weil es sich nicht empfehle, derartige Vorgänge innerhalb des Rabbinerverbandes an die breite Oeffentlichteit zu ziehen. Die Tatsache der erwähnten Maßnahme des Rabbinerverbandes hat auf die betreffende Anfrage der „Wahrheit" unser Vor-- sitzender im Einverständnis mit dem übrigen Präsidium der Wahrheit gemäß zugegeben. Wir bitten Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, um gefällige Aufnahme dieser Erklärung und danken Ihnen hiefür im Voraus. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Dr. Grunwald als Obmann, Dr. F r -a n k f n r t e r als Schriftführer." * * * Indem wir wunschgemäß die obige Zuschrift veröffentlichen, verweisen wir auch auf das Nachwort der Redaktion, das zu dieser Angelegenheit von uns gebracht wurde und worin wir einleitend erklärten, daß wir nur ungern der erwähnten Einsendung Raum gegeben und gleichfalls der Ansicht sind, daß derartige Veröffentlichungen nicht empfehlenswert seien. Einzig und allein der Umstand, daß eine Aenderung der Einsendung von einer großen Anzahl der Freunde und Anhänger des Brigittenauer Rabbiners, die treu zu ihm stehen und seine Rechte verteidigen, ab gelehnt wurde, hat uns zur vollinhaltlichen Wiedergab: gegen unsere Absicht veranlaßt. Im allgemeinen bestätigt das Schreiben des verehrlichen Rabbinerverbandes das Tatsächliche des Vorfalles und deckt sich demnach mit dem Inhalte der erwähnten Notiz. * * Außerdem erhielten wir das nachstehende Schreiben des Herrn Rabbiners Dr. Armin Abeles: „Sehr geehrter Herr Redakteur! In der letzten Nummer der unter Ihrer redaktionellen Leitung ftchenden „Wahrheit" ist unter der Spitzmarke „Kesseltreiben gegen einen Rabbiner" eine Notiz erschienen, die sich auch mit meiner unmaßgeblichen Person beschäftigt. Ohne auf das Merittun der darin enthaltenen. Ausführungen näher einzugehen, lege ich Wert darauf, festzustellen, daß ich die erwähnte Notiz weder verfaßt, noch inspirierte^ noch auch überhaupt von deren Erscheinen in Ihrem Blatte irgeüd welche Kenntnis gehabt habe. Sie würden nicht nur mir persönlich, fondrn auch der Wahrheit einen Dienst erweisen, wenn Sie die vorstehenden Zeilen in -der nächsten Nummer Ihres Mattes veröffentlichen wollten. Mit fveundl. Gruß Hochachtungsvoll Rabb. Dr. Armin Abeles, 2. Bezirk. Rsmbrandtstraße 2." Bazsonyigegen Andrassy. Im Budapsfter Demokratischen Klub hielt Abgeordneter Dr. Wilhelm B a z s o n-y i vor entern Publikum verschiedenen Glaubensbekenntnisstzs eine Rede voll Geist und scharfer Satire, die arößtenteils eine heftige Auseinandersetzung mit -der neuesten Leuchte der „Erwachenden Ungarn", dem Grafen Andrassy, war. Eingangs ferner trefflichen Rede bemerke Bazsonyr,