Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 13 (23.6.1921)
- Date
- 1921-06-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Die Wahrheit Nr. IS Wahrheiten vom Tape E » iii! Verwirrung. Der Verlag „Jüdische Rundschau" in Berlin gibt in letzter Zeit zionistische Broschüren heraus, deren Zweck ganz klar ist. Sie sotten die d eutsche Judenheit, bei der, wie es in „Schicksalswende" (Ein Wort an d?e deutschen Juden von Dr. H. Rat) heißt, „bisher der Widerhall der Ereignisse von San Remo verhältnismäßig schwach gÄvesen ist", für -den Zionismus werben. Aber nickst ganz klar und einheitlich ist die Art, wie die Propaganda betrieben wird. In der Broschüre „Das jüdische Palästina" werden die Erklärungen der Regierungen zur Balsour- Deklaration veröffentlicht. Darin werden wir Juden jedesmal — es hängt dies wohl von der Stellung der Juden in dem betreffenden Lande ab — anders apostrophiert. Volk, Nation, Rasse, nationale, geistige Erhebung schwirren durcheinander; die französische Erklärung spricht sogar von Glaubensgenossen, sicher ein arges Verbrechen in den Augen der Nationalen! Ja, was sind wir denn eigentlich? Daraus versucht Dr. Rat in der oben angeführten Broschüre -Antwort zu geben. Die Definition ist allerdings negativ,, indem, sie besagt, daß die bisherige Meinung der deutschen Juden falsch ist. Di? sagten früher und auch jetzt: „Man fühle sich als Deutscher und nur als d-as, jüdisch sei man nur (!) der Konfession nach, Palästina käme doch wohl nur für die Ostjuden in Betracht, und mit denen habe man wenig zu tun." Das letztere ist grundfalsch, denn seit jeher haben in Deutschland die Juden für ihre arg hergenommenen Brüder im Osten einen stets hilfsbereiten Sinn gehabt und ebenso wie die deutschen auch die französischen und sonstigen Juden der Welt. Bei der., Sitzung der Versailler Friedenskonferenz am 27. Februar 1919 erschauen Dr. W e i z m a n n, S o k o l o w und Ussischkin als Mitglieder der zionistischen Leitung, Andrö S p i r e als Führer der französischen Zionisten und Sitvain Lövy als Vertreter der französischen Juden. Legerer „sprach über die Bedeutung der jüdischen Kolonisation in Palästina und betonte den. Anteil der n i ch t z i o n i ft i s ch e n jüdischen Gruppen an derselben'unter Hinweis auf die Alliance Jsraelite Universelle und Baron Edmond de Rothschild". Da die Richtigkeit dieses, in der zionistischen Schrift „Das jüdische Palästina" stehenden Satzes nicht zu bestreiten ist, sieht man, daß auch N chtzionistm für die Ostjuden etwas übrig hatten. Die Meinung der/deutschen Juden aber, sie seren Juden nur (!) der Konfession nach, erklärt Dr. Rat für ganz falsch. „Eine Trennung des Nationalen vom Religiösen hat es im Judentum nie geben können.. . Deshalb ist das" Judentum überall dort, wo die religiöse Reformbewsgun-a das nationale Element zu eliminieren versucht und sich eine bloße Konfession künstlich konstruiert hat, dem Untergänge geweiht. (sic)... Ebenso ist aber auch ein reiner Natwrmlrsnms unter gewaltsamer Ausschaltung aller religiösen Momente im Judentum ein Unding. Er würde als ein Versuch, aus dem Judentum eine „Nur-Nationalitat" zu machen, genau so eine Assimilationserscheinung darstellen wie der Versuch ter antmationalifierenden religiösen Reform" Man erinnere si chnur dabei an den seinerzeitigen Streit der Orthodoxen mit Dr. Weizmann. Die Zionisten sind wegen 'der damaligen Sabbatentweihung und in logischer Konsequenz der. Gedanken Dr. Rats Mer Religion und über Nationalismus nicht besser als dw vielgelästerten Assimilanten. Da ift es doch schöner, daS zu bleiben, was manimmer war, Deutscher, und (aber nicht nur) der Konfession nach Jude, und durch diese Einstellung sich bei seinen samtlichm Taten und Handlungen leiten zu lassen, besonders bei dem Hilsswerke siir die Unterdrückten l Sturmzeichen. Der Landfri-ede in Palästina, den Sir Herbert Samuel in seiner großen Rede so verlockend prophezeit hat, droht früher in Brüche gehen zu wollen, als esder jüdisch-englische Oberkommissär und seine ver> vertrauensseligen Anhänger dachten. Wohl ist es in Jaffa und anderen Zentren der Unruhen still geworden, leitdem die Mandatarmacht mit der gepanzerten Faust droht und mit -der anderen Hand den Widerspenstigen das Zuckerbrot schöner Versprechungen reicht. Leider ist sowohl der Strenge, als der Liebe Mühe umsonst gewesen. Die m.ßvergnügan Araber haben einen Vorwand zu neuen Feindseligkeiten gefunden. Sie bemerken, daß der gute Wille des vielversprechenden Sir Herbert Samuel schwächer ist als die einstürmenÄen Verhältnisse. Nach seiner Er-' klarung soll es bis auf unbeft.mmte Zeit keine Juüeneinawniderung geben. Aber es kann nicht verhindert werden, daß die unterwegs befindlichen, ihrem Ziele so nahen Emigranten von der Landung ausgeschlossen und in ihre alte Heimat zurückgewiesen werden. Fünfhundert solcher unglückl.cher, zwischen Land und Meer dem Hasen zusteuern- >oer Frornder, das Land der Juden mit der Seele suchend, sind ihrem Ziele nahe. Man hat sie offenbar ohne Borausahn'ung des jüngsten Samuölschen Programms ,/auswandernd gemacht" und nun ist der Teufel los. Die Araber lassen sich ans keinerlei politische odr 'administrative Subtil.täten ein, fragen nicht, was möglich oder unmöglich ist, und Halten sich mit orientalischer Einfalt an den Spruch,, das gegebene Wort, besonders wenn es der mächtige High Commrssi-onär gegeben hat, müsse gehalten werden. Mit der Logik des Naturmenschen folgern sie, baß also die 500 neuen jüdischen Zuzügler abgewehrt werden müssen und drohen arrdernfalls m.t offener Gewalt. Es unterliegt-allerdings -keinem Zweifel, daß Sr. 'großbritannischen Majestät Land- und Seestreitkraft die Macht haben, die Ruhe herzust.'llen. Doch welche Ruhe ist es, die bei jedem Anlasse gestört werden kann! Es ist jene kritische Ruhe vor dem Sturm, die eine stete Gefahrenquelle bildet. Können die Juden unter solchen Verhältnissen ihres Lebens in der gesetzlich verbürgten Heimstätte froh werden? - Um die Schwierigkeiten voll zu machen, stellt sich jetzt" auch das Oberhaupt der katholischen Kirche mit einer nicht mißzuverstch enden Kundgebung auf Seite der Judengegner und appelliert -an die Christen aller Bekenntnisse, dahin zu wirken, daß der jüdische Einfluß im Heiligen Lande nicht überhand nehme. Der Papst wird wohl auf die eVersügungen der „Mandatarmacht" keinen sichtbaren Einfluß nehmen können, aber jedenfalls ist seine unfreundliche Kundgebung geeignet, die Sturmzeichen zu mehreen, die sich immer deutlicher und häufiger bemeMar machen und dem Paläftinaideal verderblich iwerden. San Remo' und Rom — es gibt keine unverembarlicheren Gegensätze. Der chriftlichsoziale Oftjudeuschwindel. In seiner Juni-Ausgabe äußert sich „Ter Sozialdemokrat" zu dieser Angelegenheit in gewohnter Schärfe: Ein zugkräftiges Schlagwort lieferte den Chrfftlichsozialen die Ostjuden-- fmge. An allem Schlechten in Wien sind,, die Ostjuden schuld und natürlich sind die Sozialdemokraten schuld daran, daß die Ostjuden aus Wien nicht verschwinden. Zwar hat der sozraldemokratische Landeshauptmann Sever .m September 1919 eine Ausweisungsverordnung heraus- Sgdben, bie gerade zum Beispiel vom christlichsozialen üvgermeister und Nationalrat Kollmann in Baden durchkreuzt Wochen ist. Zwar weiß alle Welt, daß sich der Abschiebung der Ostjuden mannigfache starke Hindernisse in den Weg stellen. Man muß -die Fälle einzeln behandeln. Kann man Leute, die hier als Arbeiter oder Angestellte, in Berufen tätig sind, in denen eS Nin« einheimischen Arbeiis-