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Die Wahrheit · 1921-06-23 · Heft 13 (23.6.1921) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 13 (23.6.1921)
Date
1921-06-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Li» Sahrh»it gfa. 16 scher Abstammung in Kirchberg mehr ausgenommen. Wer aber heute die Gassen des Ortes durchschreitet, der glaubt sich in die Leopoldstadt versetzt. Fast alle-Zimmer sind wieder an Juden vergeben worden. Die Bevölkerung, die unter idem Prassen der Sommerfrischler am meisten zu leiden hat, fragt sich nun, ob denn die Gemeindevertretung nichts unternehmen wird, um ihren Beschluß zur Durchführung zu bringen. Von den Gastwirten hat ein einziger, namens Johann Haidbauer, alle verlockenden Angebote der Juden zurückgewiesen und erklärt: „Bon dem Geilde der Juden, an welchem das Blut und die Tränen deutscher' Arbeiter und Bürger klebt, will ich nicht reich werden!" So handelt ein Mann von echtem deutschen Bolksempsinden!" Sehr treffend bemerkt zu der ländlichen Judenhetze der „Abend": Manchmal besitzen Wirte, Bauern und Krämer, die für gewöhnlich nicht über sehr helle Köpfe verfügen, ein besonders klares Auffassungsvermögen. Kaum hat der Oesterreichische Touristenklub die Judenreinheit auf seine unsauberen Fahnen geschrieben, wagen sich auch die gut christlichen Sommerfrischenunternehmer in der Wachau mit der Sprache heraus und verkünden öffentlich mittels Anschlag, was schon früher stillschweigend geübt wurde: „Der Aufenthalt wird nur Ariern bewilligt!". Natürlich richtet sich diese Judenabwehr heuer wie in den Vorjahren nicht etwa' gegen die Schieberjuden, die mit dicken Geldbörsen und ebensolchen Gattinnen die liebliche Gegend heimsuchen, sondern nur gegen die jüdischen Mittelständler, die noch von früheren Zeiten her in Erinnerung haben," daß die Wachau billiger war als die Salzkammergut- und Kärntner Sommeraufenthalte, und die auch wegen der geringeren Reisekosten einen Aufenthalt in verhältnismäßiger Stadtnähe vorziehen würden. Aber weshalb sollten eigentlich die Wachauer Sommerfrischenunternehmer anständiger sein als die Mitglieder unserer Regierung, idie arme jüdische Flüchtlinge ausweisen, die reichen Schieber aber ihre Geschäfte, machen lasien und chnen womöglich auch noch >die Hand dazu bieten? 8. <t. Der Kampf um Ostgalizien und die Juden. Von Wilhelm Rapaport. Moio: Der Kamps nm Recht ist d»e Pocsie deS Clwrakters. Rudolf v. Idering,Drr Kampf iiviS Rech!" (t Auflage S. 45 Die unvorhergesehene längst erwartete Bewegung der Zeitgeschichte hat den Nationalcharakter der östlichen Insassen nicht zu erschüttern vermocht. Die panslawische Selbstständigkeit erklärte sich , als Ruf für das Völkerrecht gegen die Gewalt und Willkür einer monarchischen Sbaats- . Ä>ee, und ihr Blutkampf war nur ein Zweck zur Selbstbestimmung. So wurde dieser Staat ein Staat seiner Sprache! Es ist die Existenzfrage eines Volkes gewesen, ein durchdrungenes Beispiel gegen die UnterdrückungSkorruption, wie. auch ein Zeichen ihrer politischen Lebensfähigkeit. Denn dieses ist bewußtes Recht, das kein Mittel gescheut zur Propagierung einer Natwnalexistenz. Die Ententemächte, die ihren Krieg dahin erklärten, den kleineren Staaten eigene Bodenständigkeit und politische Selbstmacht zu. geben, haben den wesentlichsten Bedingungen wenig Folge geleistet und ihren Äeite i Einfluß dort brach liegen gelassen, wo der Schrei nach Recht und Gesetz ein Märtyrexecho war, das Jahrhunderte lang währte. Es ist diese Frage nach der moralischen Selbstverbrüderung, der Weltverbrüderung, die den Ariopag des Völkerbundes im Sinne des lange lange unerledigten Themas die Nächstliegende sein soll. Dort, wo Polen und Ukrainer leben, liegt das Schicksal eines namhaften Judenstockes, nicht jener Juden, die emanzipiert durch die westliche Kulturbewegung, sondern des Urvolkes, das bescheiden und geduldig sein Dasein fristet. Diese Juden könnten ihre Arbeitskraft nur in einem wirtschaftlich gesunden Staate entwickeln. Die Majorität der Bevölkerung Oftgaliziens ist ukrainisch. Am dicksten ist diese Bevölkerung auf 'dem Lande und bilden die Juden zirka 13 Prozent der Gesamtbevölkerung. Meistenteils sirrd sie Krämer und Marktsahrer, die das Marktwesen beherrschen. Der wirtschaftliche Zusammenhang wird dadurch noch bemerkt, daß die ukrainischen Bauern auf den jüdischen Kaufmann vollkommen angewiesen find. Der Staat, der den Aufbau und den dauernden Frieden beabsichtigt, ist von den benachbarten Polen okkupiert,' die willkürlich den Juden die Frage chrer Zugehörigkeit auferlegen, entgegen der ethischen und historischen berechtigten Ukraine, die chre Beziehungen zum Judentiun bis in die alte Fürstenperiode aufweöst. Ein Sympachiebeispiel erzählt «in Vorgang im Jahre 1918 seitens der JNden, die jubelnd und mit Blumen die ukrainischen Sieger nach der polnischen Offensive empfingen, und selbst in Tarnopol ein jüdisches Ukrainer-Regiment bildeten, um als Sturmtruppen den aktivsten Kamps der Strategie aufzunehmen. Das Judentum, das stets zur Devise hatte, Recht und Gerechtigkeit, das stets vom Leitsatz „Recht und Gerechtigkeit richtet in euren Toren" geleitet war, dieses Judentum, welches für das Einzelindividumn sowie für die Nation stets Friedensliebe erwünscht, muß in vöKerrechtlichen Dingen und den Fragen der Ländereien, deren Schicksal vor dem Völkerbünde noch nicht entschieden ist, in objektiv gerechter Weis« Stellung nehmen. Obwohl der polnische Chauvinismus immer mehr überhand greift, hat ein Teil der in Ostgalizien seßhaften polnischen Intelligenz die Berechtigung der Autonomie' Oftgaliziens anerkannt. In diesem Sinne hat der polnische Abgeordnete Ernst Breiter unlängst mehrere Proklamationen erlassen, im Sinne eines Appells. Hiezu ist zu bemerken, daß die Regierung der kleinen Ukraine mit der groß-ukrainischen die Verwaltung betreffend nichts gemeinsam hat, ja sogar die jndenseindlichen Petljura- 'bestrsbungen der großukrainischen Regierung aufs tiefste verabscheut. Infolge verspäteten Einlangens der Korrekturen konnte die Fortsetzung des Artikels jüdische Motive i» der Weltliteratur" nicht erscheinen.

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