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Die Wahrheit · 1921-06-23 · Heft 13 (23.6.1921) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 13 (23.6.1921)
Date
1921-06-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Wort die Seele, daZ Licht Gottes, hineinlegen, damit eS leuchten soll. Und wenn man ein Wort ausspricht, einen Laut ertönen läßt, so denke man sich: „Ich schaffe eine Welt!" „Und die in den Buchstaiben verborgenen Welten und Seelen steigen aufund binden sich und vereinigen sich miteinander und die Worte einen sich in Gott in wahrhafter Einung, da ein M e n s ch seine Seele in sie gegeben hat und alle Welten einen sich und steigen auf und so wird die große Einung geschaffen." Darum wird der Buchstabe in der heiligen SpraLe „Os-Zeichen" benannt, weil in jedem Buchstaiben ein Zeichen der Gottes Herrlichkeit verborgen liegt, das erst durch den Menschen offenbart wird, sobald er ihn in geweihter, inbrünstiger Stimmung ausspricht. Ein Chassid hörte vom Munde des Propheten Elijahu, daß das Golus nur darum so langwierig ist, weil die Menschen beim Sprechen der Buchstaben unbedacht sind. Als Rabbi Mendel von Przemyslany ins Heilige Land kam, schrieb er von dort: „Ich pflegte es mir stets zu wünschen, daß ich wenigstens ein Gebet richtig verrichten könnte, jetzt aber, da die Luft des Heiligen Landes über mich kam, wünsche ich mir, daß ich wenigstens ein Wort vor dem Ewigen richtig aussprechen könnte." Rabbi Uriih von Strelesik pflegte, wenn man ihn zur Thora aufrief, zu sagen, die Buchstaben der Heiligen Lehre stehen geschrieben, im schwarzen Feuer über weißes Feuer, wie sie am Berge Sinai gegeben wurden — so tief drang er ms. Licht der Buchstaben ein, daher sein Beinamen „der Brennende", denn er kam aus dom Gebete brennend, von allen Schlacken menschlicher Begierden und Leidenschaften gereinigt heraus. Aber nicht ein plötzliches Untertauchen in der Ewigkeit ist gut, sondern ein Aufstieg von Stufe zu Stufe, von Kraft zu.Kraft, ein mächtiger, doch schrittweiser Ausstieg. Das Gebet muß in ' einer Weise verrichtet werden, daß es selbst zur Gottheit wird und die Seele des Gebetes muß das Gebet der Seele werden. Dies bewirkt, daß über den Menschen eine vom Jubel erfüllte Furcht, „die vergnügte Furcht, da man vor dem König steht", kommt, die ihm das Hirn reinigt und Tränen erzwingt, wodurch sein Gebet irr , freudig-wehmütigen Melodien zum Ausdruck kommt.! „Und so erzitterte alles Volk, das im Lager war." Daher das unbewußte Zittern beim Gebet, die Bewegungen und Geberden — man kommt dem Schöpfer aller Kreatur, der Seele aller Seelen nahe. Wie ein Mensch, der im Wasser ertrinkt, unbewußte Bewegungen macht, mit den Händen plätschert, daß man ihn retten soll, .ebenso der Mensch, der beim Gebete im Entbrennen Bewegungen macht und dessen Augen in Glut flimmern; er rettet sich von den stürmenden Fluten der bösen Gedanken, die ihn in feiner Jwension hemmen, es ist eine Seelenäußerung, der er nicht widerstehen kann. Die reine wahre Furcht, die Furcht der Erhebung, durchfährt den Menschen plötzlich und Tränen ergießen sich, ohne daß er es weiß. „Wenn der Fluß trocken ist," sagt Sohar, „dann kann Israel laut schreien: Höre Israel, der Herr, unser Herr, ist ein einziger Gott, er kann viel beten, Gott erhört ihn nicht. Weh' solchen Menschen, denn sie kehren die Mell zum Tahv - - w'baho um." Bisweilen aberverrichtet ein Mensch seinen Dienst in Liebe, Furcht, Hingebung und Inbrunst ohne Bewegung, das ist nach besser: Es ist der wirksamste Dienst, der Dienst der Auflösung des Seins. Man fragte einmal Rabbi Pinchas von Koretz, warum man seine Stimme beim - Beten nid): hört und man bei ihm ke'ne Anstrengung, keine Bewegung, kein Erbebm und kein Entbrennen sieht. Er antwortete: Brüder! der Grund des Gebetes ist das Anschmiögen an Gott, dieses ist aber nur dann möglich, wenn 'der Mensch sich vom irdischen Emvfnden loslöst und ganz in Heiligkeit taucht, wie soll ich da meinen Körper bewegen können?" Weil 'der Dienst des Gebetes statt der Opfer ist, so muß er so fein, daß das Wort der Schrift „Es orenne stets Feuer auf dem Altar, es erlösche nicht!" sich bewahrheiten soll. Daher kann selbst das Gebet des einfachen Menschen, des „Am-Häarez", der die Bedeutung der Worte nicht versteht, Wirkung haben, sobald . es dem Schöpfer gMeiht ist. Es war einst eine große Dürre. Der Rogen blieb längere Zeit aus und die Welt war voll der Sorge, denn eine sehr schlechte Ernte stand bevor. Und es! kamen Menschenkinder zum Baal-Schem uud weinten: stellt in seinem Vorworte fest, wie zahlreich die wissenschaftlichen und belletristischen Werke über dem Golem sind. Er zählt im Literaturnachweis solche Werke auf, wobei aber auch drei Filme ausgenommen sind, die doch wohl nicht zur Literatur gehören,, wenn auch der in Wien ebenfalls zur Aufführung gelangte Wegen er-Film künstlerisch eine wertvolle Leistung war, namentlich durch sein Spiel als Golem und das Albert Steinrücks als Rabbi Löw. Die Quelle zum „Prager Golem" von Chajim Bloch bildet eine nur wenig beachtete Schrift, deren Verfaffer unbekannt ist „Nifloet MhrL—Die Wunder des Rabbi Löw". In flüssiger Form wird uns die Geburt des Rabbi Low geschildert, der zum Schutze der bedrängten Inden in Prag mit Hilfe des Schem- — Name, der-Gottesname — den Golem in die Welt setzt/ dann hören wir von des Golem Taten und Abenteuer und schließlich von dessen Vernichtung. Diese erfolgt, als der Golem wütend wird, auf dem Boden der Altneusynagoge, den zu betreten -allen ver>' boten wurde. Da der Golem hauptsächlich die Aufgabe hat, die An-, klagen der Judenhasser zunichte zu machen, namentlich die widersinnige Anschuldigung wegen Rrtu-almordes, fo benützt der Autor die Gelegenheit, um in -den „Nachbemerkungen" eine stattliche Anzahl solcher Anklagen seit dem Ende des 12. Jahrhunderts bis in die Neuzeit auszuzählem Denn selbst die moderne Aufgeklärtheit har es noch nicht so -weit gebracht, mit diesem in die christliche Welt durch gewissenlose Hetzer getragene Ammenmärchen zu brechen. Im August 1919, so schreibt Bloch, har der reichsdeutsche Ausschuß für Volksbildung (!) ein Flugblatt hercvusgegeben, in welchem von einem Massenritualmord seitens der Juden erzählt wird. Das erinnert an die Anschuldigung, daß die Deutschen während des Krieges Soldatenleichen zur Fettgewinnung verwendet haben, welche Verleumdung Lord Robert C e c i l als „immerhin nicht unglaublich" bezeichnet hat. Deutsche Zeitungen haben seinerzeit die Ritrualmordanklage ebenfalls als „immerhin nicht unglaublich" hin-gestellt. Doch die Anmerkungen Chajim Blochs zeigen, wie wenig die Vorwürfe stichhältig sind, die in tendenziöser Absicht erdichtet werden. Auch sonst kann man manches Wissenswerte aus der Arbeit entnehmet, die bereits in zweiter Auflage vorliegt, ein Beweis für ihre Güte. O. H.

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