Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 13 (23.6.1921)
- Date
- 1921-06-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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\ Hie W«Hrh »i L ' Nr. 16 den Hallen der Gnade, Glück und Liebe. Zur Kennzeichnung dieser Anschauung möge ein schönes Anekdötchen Mte 4 Eigentlich nur ein Echo der auglo-arnerÄkaNsichen rationellen Palästinapolitik. „Es muß entschieden anerkannt werden, daß die gegenwärt igenBed in Zungen in Palästina eine Masseneinwanderung nicht gestatten." Das ist von einer jeden Zweifel ausschließenden Deutlichkeit, wenn auch sehr zum Schmerz der Jüdisch nationalen uribi et orbi» deren Weisheit letzter Schluß ist, Einwanderer in Massen ins Heilige Land zu werfen, wie immer auch deren Schicksal darüber sich gestalten möge. Glücklicherweise ist die Staatsraison stärker als eine bedenkenlose Leidenschaft und bremst zur rechten Zeit, wo der bekannte „Schwung" über das Ziel sich hrnausschwingt und Katastrophenpolitik versucht. Sir Herbert Samuels Bedenken und Sorgen werden sich zwar die Jüdischnationalen nicht zu eigen machen, aber seine letzte Kundgebung dürste vielleicht doch hier bei so manchen die Mrkung eines kalten Wasserstrahles haben, Das Gebet bei den Chasjidim. Von Chajim Bloch. Der Weg zur inneren Verschmelzung mit Gott, Dwekut, die Brücke, die den Menschen zu seinem Schöpfer, zu seiner Wurzel führt, ist das Gebet. Diesen Weg betreten zu können, gehen zwei Bedingungen voran: man entledige sich aller niederen Leidenschaften und eitler Triebe und ,,man fasse das Gebet nicht als eine ausgegebene Arbeit, vielmehr als ein rührendes Bitten um die Gnade Gottes auf". Der -Mensch, -der auf diesem Wege wandelt, erhebt sich aus «dem Chaos der Welt, aus dem Tohe w'baho der willenlos getriebenen Masse zur Stufe des Zadik, er gelangt zur. wahren Hasugat Habora, Begreifen des Schöpfers und erwirbt sich so die Herrschaft über Welt und Kreatur. Der Zadik, der sich von allem Gen:einen und Niedrigen.loslöst, schwingt sich zu einer Höhe empor, zu der nur noch ein Engel gelangen kann, zu gebracht werden. Rabbi Ensel von Stryi, ein bekannter Mrtnaged, sagte einmal zum Rozdolez Raw: „Ich glaube, das Werden eines Zadiks sei gerade so ein Trieb, Taawah, wie jeder andere menschliche Trieb!" Und der Rabbi antwortete: „Das ist wohl wahr, aber man vermag zu diesem Trieb nicht früher zu gelangen, als bis nunt sich zuvor erst von allen anderen Trieben freigemacht hat." Die Wirkung des Gebetes ist von der Gesinnung, die bei der Handlung obwaltet, unbedingt abhängig. „Man muß den: Ewigen mit dem Herzen, mit der Seele und mir der ganzen Kraft dienen." Wenn daher «der Mensch das Gebet verrichtet, so muß er sich seiner gewöhnlichen Gestalt entledigen und eine neue, dem Schöpfer zweite Gestalt annehmen, das heißt in der Sprache der Chassidirn „Hispaschtot Hagoschmot — Entwendung alles Körperlichen". und Aufgehen im Dienste. Rabbi Jecheskiel von Kazimir ging einmal an einem Winterabend inmitten einer Gruppe seiner Cha-Mim bei klirrendem Frost hinaus, um den Segen des Neumondes zu sprechen. Er traf einen Kosaken wie eine Statue als Nachtposten stehen. Der Rabbi dachte: „Wie hält er es aus, er muß doch dem Froste erliegen?" ander -fragte ihn: „Und wenn du erfrieren wirst?" Der-Kosak antwortete entschlossen: „Dann wird ein anderer kommen!" Da sprach Rabbi Jecheskiel zu seinen Chassidim: :„Schaut her, so muß man dem Schöpfer dienen! Man nruß so sehr im Gebet ausgchen,.daß man es als Gottesgnaüe sehen müßte, nach der Anstrengung noch, die Kraft zum Leben zu besitzen. Wer aber an persönliche Dinge -dabei denkt, dessen Gebet erreicht nicht die „Welt des Gebetes" und es bleibt wie «in Körper ohne Seele, eine Schale ohne Kern und! man weiß, wie leicht eine taube Nuß sich brechen läßt." . Daher bete man mit einem Seelenerguß, mit Histapchot ranesesch und man spreche die Worte mit einer Andacht, als schüfe man durch das Aussprachen dieser Worte Himmel, und Erde von neuem; -man muß in jedes iillllliil!iiii«lll',iilllllii,l Feuillr ton ISSB Der Prager Golem. Der Autor der vor uns liegenden Schrift „Der Prager Golem" (Von seiner „Geburt" bis zu seinem „Tode")* ist den Lesern unseres Blattes -kein Unbekannter. Chajim Bloch gehört zu den Mitarbeitern unseres Blattes und so mancher wird an dem fesselnden Vorworte zu seinem Werke - „Die Gemeinde der Chassidim" Gefallen gefunden haben, das wir mit Erlaubnis Chajim Blochs und des Verlages in den Nummern 17 und 18 des vorigen Jahrganges ge- -? bracht haben. In diesem Vorworte führt der Autor aus, ' wie er, in Delatyn geboren, den Chassidismus „sozusagen mit der Muttermilch eingesogen hat" und in einer rein chassidsichen Umgebung ausgewachsen ist. An Chajim Bloch ist der Weltkrieg nicht spurlos vorübergegangen. Sowohl materiell hat er durch den Verlust seines Vermögens und seiner wertvollen Bibliochek gelitten, aber auch seine chassidische, also hoffnungsfreudige Lebensanschauung geriet^ .*) Verlag von V«nj<r«iu H arz m Berlin, 1920. durch das namenlose Unglück der Welt ins Wanken. Da wollte es die göttliche Vorsehung, daß er in seiner Kriegsgefangenschaft in den Besitz einiger interessanter chassid sicher Bücher gelangte, die dann die Hauptquellen zu dem oben zitierten, literarisch hochstehenden Werke „Die Gemeinde der Chassidim" bildeten. Und nun schafft dieser, in den denkbar schlechtesten Verhältnissen lebende Schriftsteller, und was er auf den Büchermarkt bringt, ist von so gutem Inhalte, -daß man den Freunden gediegener religiöswissenschaftlicher Werke die Lektüre seiner Schriften nur empfehlen, ja dringendst raten kann. Dr. Grunwa-ld hat bei Besprechung eines der neuesten, ebenfalls im Harz-Verlage erschienenen Werkes von Chajim Bloch „Israel, der Gotteskämpfer" in Nummer 3 unserer Zeitschrift geschrieben: „Der Born, aus dem Bloch seine jüdischen Legenden schöpft, scheint unversiegbar." Wie recht Dr. Grunwald mit dieser Meinung hatte, beweist das vorliegende Buch „Der Prager Golem". Die Einleitung dazu hat Hans Ludwig Held geschrieben, der sich schon lange mit dem Problem des Golem beschäftigt hatte und dem nun „die vorliegende Arbeit Chajim Blochs manche wertvolle Ausschlüsse dazu geboten hat". Dieser 9941518494