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Die Wahrheit · 1921-06-23 · Heft 13 (23.6.1921) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 13 (23.6.1921)
Date
1921-06-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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gtvnmi ftnmn / 4jwö"1Ä/f*IS REDAKTION ir ADMINISTRATION Mt-n 2., Srinrstraße 18 Wien. 23 Juni 1921 XXXVH. Jahrgang Nummer 13 Herbert Samuels Bedenken und Sorgen. Die Geburtstagsfeier des Königs von England gab seinem Statthalter und MaNdatsbevollmächtigten^in Palästina Anlaß, vor einer Notabel-nversammlung sich mancherlei vom Herzen zu reden, Mas.durch die verworrenen Zustände und belsorguiserragenden Erscheinungen der letzteren Zeit förmlich gebieterisch Äue autoritative Erklärung forderte. Zwei Punkte sind es, die ganz besonders sin universell jüdisches Interesse haben: Tie Unvereinbarlichkeit der Rassengegensätze im Heiligen Lande und 'die Notwendigkeit, die Judeneinwandernngen aus den verschieb denen Ländern bis auf weiteres, das heißt, bis englisches Verwaltungstalent der Lage Herr geworden sein wird, zu drosseln. In diesen und noch anderen Belangen ist Sir Herbert S amuel lvenig zuversichtlich und es gewinnt sehr den Anschein, daß er nach, altdiplomatischem Muster sich der Sprache als eines Berschleierungsmittels «der Gedanken bediente, wenn er sagt: „Ich bedauere, daß die Harmonie zwischen den Bekenntnissen und Völkern Palästinas, die ich mit größtem Eifer zu fördern bestrebt war, noch nicht erreicht «wurde, und ich habe sorgsam darüber nachgedacht, welche Maßnahmen die geeignetsten zu deren Sicherung wären!" Mau bemerke, daß der Redner nicht nur von Bekenntnissen, sondern auch von Völkern spricht, also nicht nur die konfessionellen, sondern auch die ethnographischen Schwierigkeiten nicht verkennt. Die letzteren spitzen sich hauptsächlich zwischen Juden und Arabern zu, während das christliche Element in Palästina das ungefährlichere ist, wie auch die blutigen pogromartigen Vorkommnisse bisher von den Arabern ansgingen, äderen unbelehrbarer Starrsinn und Fanatismus nicht zu brechen ist. Wir glauben gerne, daß Sir Herbert Samuel sorgsam darüber n'achgedacht hat, welche Maßnahmen zu treffen waren, damit Wandel geschaffen werde. Es wird ihm aber so wenig gelingen, wie dem Manne, der sich vermaß, er wolle die soziale Frage lösen und wenn er auch die ganze Nacht darüber Nachdenken müsse. Die berühmte und gepriesene Ba Iso ur-Erklärung bezeichnete Sir Herbert Samuel als ein unseliges Mißverständnis, das angeblich weniger im Originaltexte -als in der Uebersetzung aus dem Englischen ins Arabische liege. Wenn es bisher nicht gelungen ist, das „unselige Mißverständnis" den Arabern aufzuklaren — wozu ja Zeit genug gewesen wäre —, so wird dies auch den eifrigsten Bemühungen, nicht gelmgen, denn gegen eingefleischten, angeborenen Haß kämpfen, wie gegen Dummheit, selbst Götter vergebens. Noch wichtiger, weil richtunggebend für das Verhalten Englands zur Palästinafrage, find die Aeußerungen «des High Commissivners zur I u d e n e i n w a n d er u n g. Da ist jedes Wort Herbert Samuels von großer Tragweite, es umfaßt ein Programm und zeichnet sich deshalb durch größere Klarheit aus. Es wird denen, die in der Palastin-afrage unentwegt Bogel-Strauß-PoliM treiben, mit zwingender Gewalt den Kopf aus -dem Sande reißen und die Augen öffnen. Nach dem vorliegenden Berichte sagt Sir Herbert Samuel: Es ist in der Tat nötig, daß die Ausdehnung in ein striktes Verhältnis zu der im Lande vorhandenen Beschäftigungsmöglichkeit gebracht werde und ferner, daß die Beschäftigung den Charakter einer neuen und permanenten Arbeit trage. Die Einwanderung wurde eingestellt Ns zum Zeitpunkt, da ein Ueberblick über die Lage vorhanden sein wir d. Weiters wird verfügt, -daß nachstehende Kategorien zugelassen werden können: Touristen, materiell unabhängige Personen, Handwerker, Verwandte von im Lande Ansässigen, die von diesen abhängig sind und Personen, die sichere Aussicht auf Beschäftigung bei namhaft gemachten Arbeitsgebern -oder Unternehmungen haben. Außerdem wird einer beschränkten Anzahl von Personen, die zur Zeit der Verkündung «der Einwcmderungssperre in einem europäischen Hasen angekommen find oder bereits auf einem Schiff waren, die Erlaubnis zur Einreise erteilt werden. Es muß entschieden anerkannt werden, daß di«e gegenwärtigen Bedingungen in Palästina eine Masseneimvandevung Nicht gestatten. Darin hat der oberste Verwalter Palästinas unbestritten recht, daß die Einwanderung.nicht ms Uferlose gehen darf, wenn schwere soziale Gefahren vermieden werden sollen, die ein arbeitsloses Proletariat bewirkt. Aus den gleichen Erwägungen sperren ja auch die Vereinigten Staaten ihr Gebiet der stürmischen Einwanderung. Dies erklärt auch das Verhalten der zionistischen "Organisationen in England und Amerika betreffs dieser brennenden Frage und Sir Herbert Samuels Worte sind

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