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Die Wahrheit · 1921-06-09 · Heft 12 (9.6.1921) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 12 (9.6.1921)
Date
1921-06-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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<5tiie 11 Nv. 12 Die Wahrheit Eine bewegte Versammlung. Sonntag, den 23. Mai, fand im Sitzungssaale der isr. Kultusgemeinde die ordentliche 'Generalversammlung des Verbandes der Angestellten der isr. Kultusgemeinde statt, die außerordentlich zahlreich besucht' war. Der große Saal Gönnte die Menge nicht fasten und viele mußten außerhalb des Saales das Resultat der Beratung abwarten, viele sich des Raum- . mangels wegen entfernen. Der Präsident, Rabbiner Doktor GrunWald, eroffnete um 3 Uhr nachmittags die Sitzung mit einem warmen Nachruf der im letzten Vereinsiähre verstorbenen Mitglieder, den die Versammlung stehend angehört hatte. Hierauf wird Aber die von den einzelnen Sektionen vorgenommenen Wahlen in die BorbaHsleitung Bericht erstattet. Der zweite Punkt d'eir Tagesordnung, Erstattung des Jahres- und Tätigkeitsberichtes, löste eine überaus lebhafte Wechsolrede aus. Ms erster Redner sprach Rabbiner Dr. R o s e n m a n n. Der Redner erklärte, er wolle bereitwilligst dem Vorstände das Absolutorium erteilen und hoffe, daß dies auch seitens der Versammlung geschehen weide, doch Müste er wahrheitsgemäß konstatieren, doch seitens -des Verbandes für die Angestellten der Kultusgemeinde nichts geschehen fei. Die Hohe des Mitgliedsbeitrages, von dem so viel gesprochen wurde, sei doch.nebensächlich, es komme nicht darauf an, ob Zwei oder fünf Kronen als Monatsbertrag geleistet werde, sondern darauf, daß seitens der Verbandswitung das Interesse der Mitglieder gewahrt werde und daß das materielle und intellektuelle Mobil möglichst gehoben und verbessert werde und in dieser Richtung sei leider km verflossenen Verernsjahre nichts geschchen. Den ruhigen fachlichen Ausführungen des Redners folgte lebhafter.anhaltender Beifall. Leider waren die Gemüter vieler Anwesenden infolge ihrer tristen Lebensstellung und höchst empfindlichen Notlage erbittert und wurden obendrein von einigen unbesonnenen Rednern in höchste Aufregung versetzt, so daß sich die wertere Verhandlung immer bewegter gestaltete und eine höchst bedrohliche Wendung z-u nehmen drohte. Rechtzeitig gelang es jedoch noch 'dem Vorsitzenden, durch eine energische Zurechtweisung des ärgsten Schreiers die Ruhe herziHellen, worauf dann Lehrer Schulhof das Wort ergriff und beantragte, es sei . dein Vorsitzenden höchster Dank und Anerkennung für seine hohen Verdienste um den Verband, dem Ruhestörern jedoch die entschiedenste Mißbilligung auszudrücken. Der Antrag wurde mit nicht endenwollendem Jubel einstimmig angenommen. Die Verhandlungen konnten nun in ruhiger, sachlicher Weise fortgesetzt werden. Der Antrag über Erhöhung der Mitgliedsbeiträge 'wurde einhellig angenommen und dem Ausschüsse zur werteren Behandlung zugewiesen. Schließlich wurde eine von Dr. Lempert beantragte Resolution, daß der Verband «dem Vorstände unverweilt die Forderungen der Angestellten mit achttägiger Befristung zu überreichen habe, m:l Stimmeneinhelligkeit und großem Beifall zum Beschlüsse erhoben. Nach vierstündiger Dauer schloß hierauf der Vorsitzende die ebenso bewegte als denkwücküge Versammlung. t ■ L. Schultz o f. Gottesdienst am Scheumothseste im Saale des Hotel „Eonttueutal". Aus Anlaß des diesjährigen Schewuothsefies veranstaltet der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien an Stelle der infolge des seinerzeitigen Brandes des Leopoldstädter Tempels entfallenden Gottesdienste im Saale des Hotel „Eontinental", Wien, 2. Bez., Taborstraße 4, Gottesdienste, und zwar: Samstag, den 11. Juni (abends), Sonntag, den 12. Juni (vormittag und abends), und Montag, den 13. Juni (vormittags). Der Eintritt ist frei, Karten werden nicht ausgegeben. IrllHnnl * 1 Jahrbuch der jüdisch-literarische» Gesellschaft. XHI. I. Kaufsmanu, Frankfurt a. M. 1920. Mk. 30.--- und 50 Prozent Teuerungszuschlag. — Auch dieser Jahrgang der „Jahrbücher" ist reichen und wertvollen Inhaltes, zumeist geschichtlichen Stoffes. Zu letzterem zählt vor ullem die von I. Cassuto gelieferte Fortsetzung seiner Untersetzung des ältesten Protokollbuches der portug.-jüd. Gemeinde in Hamburg. Diese Dokumente kann man nicht hoch genug einschätzen. Aus dem kostbaren Material, das sie unserem Wissen um die jüdische Kulturgeschichte und die Lebenssckncksale jüdischer Literaten liefern, heben wir nur eine Eintragung vom 25. Adar 5430 hervor, die sich mit der Ausweisung der Juden aus Wien beschäftigt. Manoel Teixeira übernimmt es, sich zu ihren Gunsten mit Bekannten in Rom und Christine von Schweden in Verbindung zu setzen. Eine Ergänzung zu Kaufmann, Die letzte Vertreibung, S. 129, und Grun-wald, Portugisengräber, 125. N. M. Gelbers, Mitteilungen aus dem Pinax des alten Judenfriedhoses in Brody enthalten außer biographischen Bausteilten Lehrreiches über jüdische Fauriliennamen. In Freimanns „Ascheriden" findet sich die bemerkenswerte Feststellung eines Charäkterunt-erschiedes zwischen spanischen und deutschen Juden bei Jechiel b. Ascher. Durch L. Fischers „Urkunden im Dlcknud" wird man an die jetzt wieder aktuelle Tatsache erinnert, daß, wenn jenrand ein in Palästina liegendes Grundstück kaufen will, nach talmudischer Bestimmung der Kaufvertrag auch am Sabbat aufgesetzt werden darf. Nicht mindere Aufmerksamkeit verdienen . die übrigen Beiträge (von Bondi und I. Kohn), besonders die von Eppenstern s. A. besorgte dlusgabe des Kommentars Joses Karos . zum 1. Buch der Könige. M. Der Chacham Zebi in Ofen. So betitelt sich ein kleines, in diesen Zeiten bemerkenswert schön ausgestattetes Buch in ungarischer Sprache, welches, in Anknüpfung an die Erstürmung der Werke Ofen im Jahre 1‘86 durch die Kaiserlichen, die Heldentaten mrd das türkisch-patriotische Verhalten des Chacham Zebi und der Juden in Ofen: besingt. „Besingt" ist nicht etwa bildlich gesetzt, sondern wortwörtlich, denn das Werkcheu stellt eine Art Epos in sechs Gesängen dar, das von den Kennern der magyarische» Sprache und von Aesthetikern von Fach sehr gerühmt wird. Der Verfasser dieses schonen, echt dichterischen Werkes ist Dr. Isidor Goldberger, Rabbinerin Tata (Totrs), der von seiner reichen Begabung, bis jetzt nur in wissenschaftlicher Beziehung, bekannt, ein neues Zeichen geliefert bat. Die Phantasie und die Stilfertigkeit dieses Dichter- Rabbis sind in der Tat hoch einzuschätzen - die Handlung, obzwar an geschichtliche Vorgänge angelehnt, ist natürlich frei erfunden, aber so, wie sie uns Goldberger vorführt, paßt sie sehr gut in die Zeitumftände hinein, und wir lernen daraus die große Gestalt des Chacham Zebi und den bei dm Juden herrschenden Familiensinn besser kennen. Des Verfassers Sympathien sind in jenem um Ofen tobenden Kampfe durchaus auf Seiten der Türken, in poetssicher Vorahnung dessen, was dem Land und mit ihnr den Juden durch die neue christliche Aera zu erleiden bestimmt war. Kr. Fritz Kahn, Die Juden als Raffe und Kulturvolk. Berlin 1920, Welt-Verlag. Ohne große Worte zu gebrauchen, kann man den Wert dieses Werkes nicht besser kennzeichnen, als durch das UrtM, 'das sich ihm von allen seit längerer Zeit über jüdische Gegenstände erschienenen

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