Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 12 (9.6.1921)
- Date
- 1921-06-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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■h^khpsssp •r- «"•.!.•l Mr. lä _Die Wahrheit «D»MW Witter MSthMau. Dieser Name, in der geschäftl^hen und soWlen Gesellschaft »schon seit Jahren von hohem, hellÄn Älang, ist nunmehr eine Angelegenheit der politischen Welt 'geworden, seitdem der Zwang der Verhältnisse, die Not des Tages seinen Träger auf den prominentesten Posten des Deutschen Reiches gestellt. Nicht'die hohe Politik, nicht diplomatische lleberfeinheiten entscheiden setzt das Seist odex Nichtsein des verblutenden Sechzig-Millionen-Völkes. Nachdem ein Meer von Tinte in der Stnatskanzlei der Sieger' und Besiegtenstaaten erfolglos verbraucht worden und die Hilflosigkeit über den Mpfen der BerKveifelten zusammenzNschlagen droht, gcht man an das Letzte, was nach Goethe das Erste hätte fein müssen. Am Anfang war die Tat. Nicht leichten Herzens wurde Walter Rathenau auf den bedMendsten, entscheidensten Posten eines WiederaufbaumineDUs »gestellt. Er, der bekenntnisfrohe Jude, der den Männern des neuen Kurses ein Aergernis sein muß. Aber welche andere Wahl blieb noch, wenn es galt, den Fähigsten aus den schwierigsten Posten zu stellen. Es ist außer Zweifel, daß die Regierung des Deutschen Reiches vorher nach allen Richtungen ihre Fühler ausgestreckt hat, sogar über die Grenzen des Reiches erkundete, ob dieser Mann auch das „Agrement" der Ententemächtigen finden werde. Darüber konnten die Berliner Kreise beruhigt sein. Wie Me Maßgebenden in London, Paris uNd Rom über Rathenau als Wi ederaüfbaummi ster denken,' darüber spricht sich die gesamte 'fremde Presse anerkennend und vertrauensvoll aus. Es wird sogar die Ansicht vertreten, daß es Rathenau gelingen werde, nicht nur auf fremdem, sondern auch auf vaterländischem -Boden neuzubauen, was die Vertreter einer anderen WelWivschMtUng und Geistesrichtung zerstört haben. Für das gesamte Judentum aber ist der Name Walter Rathenau ein weithin sichtbares Signal, das es mit Stolz und Freude erfüllen darf. Gleichzeitig, die glänzendste Widerlegung des Schlagwortes, der Jude sei ein destruktives Element, und nun siehe! wird er die Verkörperung der Rekonstruktion, Wie trefflich sagt der Psal'mist: Der Stein, den der Baumeister verworfen, er ward zum Eckstein. - Kesseltreiben gegen einen MMiner. Sehr geehrter Herr Redakteur! Unseres Erachtens ist es durchaus angezeigt, durch die Presse auf einen Borgang auftnerksam zu machen, der die jüdische Oeffentlichkeit nicht gleichgültig lassen darf. Innerhalb des Tompelvereines des 20. Bezirkes begegnen sich zwei Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Stellung des dem Verein von der Kultusgemeinde zugeteilten Herrn Rabbiners Dr. Abeles. Die eine Partei wA an dem 5Mtu8 quo festgehalten wissen, die andere erstrebt eine Neuordnung. Insoweit handelt es sich um eine innere Vereinsangelegenheit, die leider auf Kosten der Existenz und seelischen Ruhe des genannten geistlichen Oberhauptes der Tempelgemrinde ausge tragen wird. Die SaWage hat sich aber dadurch verschärft, daß Herr Oberrabbiner Dr. Ehajes über Einladung ' des Brigittenauer Tempelvorstandes, ohne sich vorher mit Herrn Dr. Abeles ins EiMernehmen zu setzen, An einem der letzten SÄbbüte von dessen Kanzel Gebrauch gemacht hat. Wie wir von beteiligter Seite erfahren, hatten -die übrigen Kollegen des Herrn Dr. Abeles, Herrn Dr. Ehajes auf das Bedenkliche dieses Schrittes rechtzeitig hingewikslm. Herr Dr. Ehajes erwiderte jedych, es sei wohl zu unterscheiden, ob irgend ein anderer Rabbiner oder er, -das Oberhaupt der Rabbiner (Rausch horabbonim) ein solches Vorgehen bedbAchte. Dem- Seite 3 gegenüber wurde von den Wiener Rabbinern in einem Briefe an Herrn Dr. Ehajes festgestellt, daß Arne solche den Kollegen übergeordnete Stellung bis dato r» Wien weder de jure noch de facto besteht. Der Kultusvvrftand habe mir laut Statut das Recht, den Titel Aines Oberrabbrners zu verleihen. Aus dieser Verleihung, Äie eben nichts als eine Titelierung beinhAldet, seien! aber ohne Einwilligung der Kollegen keinerlei' Vorrechte vor diesen zu folgern. Diese Haltung der Wiener Rabbiner zum Schutze eines ohne zureichenden Grund in seiner Stellung bedrängten Kollegen, die wir als durchaus korrekt und durch die Umstände geboten anerkennen müssen, hat aber augenscheinlich -auf die unruhigen Elemente jenes Tempeboereines nicht den zu erwartenden Eindruck hevvorgerusen. Es unrd rüstig weiter geschürt. In unserer ohnehin -so aufgewühlten Zeit sollte, wie wir glauben, Mes bemüht fein, nicht noch ganz überflüssigen Zinidstoff anzuhänfeu. Unsere Gemeinde braucht, wie keine Zweite, Ruhe zu innerer Nvnsolidierung. Jede Gemeindeleitung, ja jede hierfür in Frqge kommende Stelle, die nicht gewissen Unruhestiftern Nnt aller Energie entaegenzutreten den Willen und die Mäkelt bekundet, veEennt ihre Pflichten und WrfWchsn ÄAt besonderer Hochachtung einige Brigittenauer. (Folgen Unterschriften.) ' . * Nachwort d er R ed ak ti o n., Ungern geben wir der obigen Einsendung Raum, die wenig erbomUche Dinge aus dem jüdischen Parteikeben des Brigittenauer Tempelvereines vor die Oeffentlichkeit bringt. Rur der Umstand, daß eine > Anzahl' achtbarer und vertrauenswürdiger Tempelvereinsmitglieder des 20. Bezirkes mit Namensfertigung für ,die Richtigkeit des dargestellten Sachverhaltes Mrgschaft bietet, hat uns bestimmt, ihrem Ansuchen um Publikation Folge zu geben. Wir sind indes nicht dabei ftshen geblieben, sondern haben über die durchaus nicht belanglose Sache Jnsormcrtivnen eingeholt und können ans Grund solcher mitteiken, daß der Wiener Rabbinatsverband in einer von sämtlichen Mitgliedern gefertigten Verwahrung bei Obervabbmer Dokwr Ehajes gegen dessen nicht zu rechtfertigendes Börthen Einspruch erhoben, der 'hoffentlich bewirkt, daß Oderrabbiner Dr. Ehajes sich künftighin innerhalb der Greifen seiner 'Befugnis halten wird. Sikberne Hochzeit. Am 29. Mai fand in Znaim. die silberne Hochzeit Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Professor Dr. I. K a h a n statt. In der Wohnung des Jubelpaares erschien der Vorstand der Gemeinde mit den: Präsidenten Dr. W o l s e n st e i n an der Spitze und ehrte in seiner Ansprache den Rabbiner der Gemeinde und sein ützMaus philanthropisches Wirken,, sowie dessen Gemahlin, welche beide sowohl in der ganzen Gemeinde als auch in der Stadt äußerst beliM und geährt werden. Ferner erschien der Frauenverein mit der Präsidentin Frau Brüll Mr-der Spitze, eine Deputation der Schüler des Gymnasiums, der Realschule, des Lyzeums, Direktor Zw eigen th ai, Bahnarzl Dr. Schechn er und sonstige zahlreiche -Gäste Bei dem Feste, -welches in erhebender, überaus ehrender Weffe Aussrel, war auch der belkannte ObeÄcmtor der Wiener türkischen Gemeinde Jakob B au e r, der Vater der JMlantin, samt Gemahlin anwesend. Ein Zeichen der Zeit. Das offizielle hebräische Organ der Zionisten Amerikas erscheint seit Mai nicht mehr als Wochenblatt, sondern als Monatsschrift, nachdem die dortige zionistische Organisation nicht mehr gchvnne« ist, das vorjährige Defizit im Betrieb dieses Blatte» („Hatoren") weiter zu tragen. Logischerweise haben die Ameri-