Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 12 (9.6.1921)
- Date
- 1921-06-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Die Wahrheit Nr. 1* i } \ W^hrHetteuvow Tage Der Schrei nach Reinigung. Es war zur Zeit des 'vorjährigen Pesachsestes, als ein unerhörter Skandal die allgemeine Entrüstung bei Jud und Christ in Wien hervorries. Während des Gottesdienstes in einer Privatwohnung drangen Kriminalbeamte unter die Schar der Andächtigen und fahndeten nach Bänknotensalschern. Den entstandenen Tumult benützten die angeblichen „Rabbinatskandidaten" Frenkel, um, Pakete Banknoten durchs Fenster aus das Dach des Nachbarhauses zu changieren. Die Mssetäter entgingen durch ihre verwegene Tat der Verhaftung und Straft. Wir verzeichneten damals dieses Geschehnis und hatten leider vor kurzem Anlaß, uns wieder mit einer dunklen Handlungsweise eines sogenannten Rabbiners zu befassen. Darauf gab es Berichtigungen, die wir nicht unbeachtet ließen,.obgleich wir uns schon mn Vorhinein gegen den Anwurf der Generalisierung verwahrten. Nach mchr als Jahresfrist hat das edle Brüderpaar Frenkel in unentwegtem Verbrechertrieb seine Arbeit neuerdings ausgenommen und wieder ging es gegen die ganze Judenschaft, die man mit den „Raübinatskaudidaten" Frankel identisch erklärte. Die „Wiener Morgonzeitung" erachtete es jetzt für notwendig, die schon längst notwendig gewesene fürchterliche, Musterung vorzunehmen und ließ durch einen Gewährsmann feststellen, daß die verhafteten Frenkels weder ein Anrecht aus den Titel Rabbinatskandidaten hatten, noch daß deren Vater ein Rabbinat innehatte, wohl aber sich den Titel, Charakter und Erwerb eines Wunderrabbi vor zwanzig Jahren beilegte, in Wirklichkeit aber in Striy Kurpfuscherei betrieb und deswegen mit den Strafbehörden in Konflikt geriet. Die Brüder Frenkel fallen nicht weit vom Stamm des Vaters, und als der Krieg die saubere Familie Frenkel nach Wien fegte, suchte sie gleich vielen ihrer bedenkenlosen Landsleute aus den trübsten Quellen ihren Lebensunterhalt. Der „W. M. Z." danken wir nicht nur die obigen Angaben, sondern weit mehr hie Schlüsse, die sie hieraus zieht und als deren wichtigste sie bezeichnet: „Die Bekämpfung dieser Schande!" Dieser Purisikationsrus schließt mit den Worten: „Ben I e h u d a und C h a j e s müssen den Abschaum der verbrecherischen Abenteurer aus sich ausscheiden." Wozu wir uns, in aller Bescheidenheit die Bemerkung erlauben, daß ein gleiches Begehren schon vor Jahr und Tag in der „Wahrheit" laut wurde. Damals galt es freilich der „W. M. Z." als unerschütterliches Dogma, daß es im Ostsudentum keinen „Abschaum verbrecherischer Menteurer" geben könne? Diese Erkenntnis kommt hoffentlich nicht zn spät und wird eine schonungslose Anwendung erfahren. Was heute über die Brüder Frenkel sozusagen gerichtsordnurrgsmäßig ftstgesteüt wird, wußte man doch schon gelegentlich ihrer ersten Missetat, ohne jedoch hieraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Gememderat Dr. Leopold Plaschkes ausgeliesert. Eine trockene lakonische Meldung aus dem Sitzungs- Protokoll des Wiener Landtages. Derselbe chait dem Ansuchen des Bezirksgerichtes Foftfftadt in Strafsachen um 'Zustimmung zur stvafgerichtlichen Verfolgung des Doktor Plaschkes wegen zweier Ehrenbeleidigungsfälle Folge gegeben. Man denkt im ersten Augenblick: Keine besondere Sache. Wahrscheinlich eine scharfe politische Auseinandersetzung eine über das Ziel hinausgeschossene Apostrophe. Dr. Aopold Plaschkes ist bebmntlich ein sehr temperamentvoller Herr, der sich über die Mahnung des weisen Salomo „Tod und Leben liegt in der Gewalt 'der Zunge" mit der Selbstberich igung wsgjsetzt, daß es doch nicht den Köpf tosten Wird, hbchsteiis Mne 'Geldbuße, ifl® Mt Whnt es sich schon, der innersten UckberzielMng MMkchAsMr Allsdruck zu gsben. Wir müssen iMr zu unserem LeiÄvksvk erklären, büß es sich in den beiden. StrAfsächenkontva Doktor Plaschkes um -kein PolitMrm handelt, um keine Eza scharfe Abfuhr eines BerüngliUrpftrs des Judentums. Nichts von alledem. Das AusMsernngsbegchren des Josesftäd'ter Bchirksgerichtes enHitllt deraufhorchMden Welt, baß der Geklagte bei einer Sitzung ider Mritätischen Kommission der israelischen KultttsgeMevnde, also Äs Jude unter Juden, einem Kulmsvorsteher, Herrn Buchwald, würde- und taktloses Benehmen pn vorwurf machte. Schlimm genug; noch schlittiiner wenn man für eine solche Beleidigung den Wahrheitsbeweis nicht erbrüten kann. Am schlliMüsten jedoch stcht die Sache Kauders, 'dem MMeiNderät Dortor Plaschkes einen „alten Trottel" an den Kopf WWrftN, was nach dem Stöafgösetzbnch außerhalb eirrer BeWöisführung liegt Un?d -auch nach dem Kodex des 'gtseÄschaftlichen Anstaiides nicht genug streng geahndet wWden MM. Nicht nur die Heilige Schrift, der Gemeindetat' Ddktör Plaschkes hoffentlich Autorität zuetkennen wird, lHrt, Mß maN vor einem 'grauen Haupt aNfftchen soll, selbst N e Ml- - turloftn Indianer und Grönländer wachsen in der ÄWMg und Ehrerbietung vor dem Alter heran, obgleich, 'sie jenseits aller MüdsmffcheN BAduNg NegeN. Hätte GMÄNderat Dr. Plaschkes die UnliÄsamen Geschichten Nur bdr seinem moralischen Forum ÜbMörMchen, so könnte MM Hu getrost diesenr überlassen. Nun aber kommt die äußerst satale Angelegenheit aus der Laudtagsstube zur weitesten Kenntnis und wie soll das erst werdön, Wenn Min' hDen Gaudium der lvexeiUiSgkeU Antisemiten im Mrkchkssaal Jude gegen Jude stehen wird. Das war kein Meisterstück, Oktavio! Zwischen Irr- und Scheideweg. Der Präsident der zionistischen Organisation, Professor Chaiim Weitziriflit n, hat in einem Schreiben aus New-Aork, das als leitender Artikel der „Wiener Morgen-Zeitung" -vom 29. Mai erschienen ist, seinen herben Empfindungen über die Erfolglosigkeit der Verhandlungen seiner Partei mit den Amerikanern Luft gemacht. Dieses Schreiben, das unter dem Titel „Am Scheidewege" verössentlicht wurde, trägt zwar nicht den aggressiven rücksichtslosen Tön, der aus dem von uns letzthin »behandelten Aufsatz ^Zionistische Irrwege" herausklang, es ist vielmehr erÄfageM)' und elegisch gestimmt, findet sich, mit der Tatsache daß die Amerikaner den nationalen Zionismus nicht anerkennen .werden, daß sie sich auf die rem ökonomische Bewegung reduzieren und finanziell ganz versagten, obgleich man dort für Palästina hätte ungeheure Mittel ausbrmgen können. Dr. Weitzmann kann den ameManischeN Zio» nistenführern den Vorwurf nicht ersparen, ÄH sie "das jüdische Volk, seine Sprache, fein LÄsn und feine Psyche nicht verstehen. Was wohl nicht -der Fall ist, aber kein Wunder wäre, denn mit dem gleichen Fsdevzug erklärt Dr. Weitzmann, daß die Juden ein sehr kompliziertes Volk sind. Leider findet diese KompWerHeit in ideu ewigen Streitigkeiten urrd Reibereien der Führer "wie der Geführten den bedauerlichsten sinnfälligen Ausdruck. Schließlich läßt der Schreiber durch /das trübe -Gewölk der Gegenwart einen Lichtschimmer aufblitzen. Er Hat die Wahrnehmung «gemacht, daß die Möglichkeiten für die ziönfitrsche Bewegung fast unbeschränkt sind. Das wird niemand bestreiten wollen, über zwischen einer akademischen Bewegung und einer fruchtbaren Tat ist eben der grundsätzliche Unterschied oder, mit Dr. Weitzmann gesprochen, der Sch e i d e w e g. 1