Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 12 (9.6.1921)
- Date
- 1921-06-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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dem Unermüdlichen, Sßtelge) duftigen, sandte ich Grüße zum> -Sechziger und hoffe sie in gleicher Verfassung zum Hunderter wiederholen zu können. . Das Hinschviden des Präsidenten Dr. Stern und Oderradbin er Dr. Güdvma-nn ging nicht an uns vorüber. Bei beiden sprachen wir schriftlich unser Beileid ans und waren bei der Leichenfeier vertreten. Herrn Oberrabbiner Dr. Chafts begrüßten wir zu seinem Amtsantritt. Als unser liü>er Kollege Leopold Weiß wegen der geärgerten Verhältnisse in Simmering «aus unserer Mitte schied, dankten «wir ihm für seine wackere Mitarbeiterschaft und ich rufe ihm «auch jetzt ein warmes Je jascher Kauach zu. Nun danke ich auch Ihnen, verehrte Delegierte, für das Amt, das «Sie mir vor mehr «als zwei Jahren gegeben. Es war ohne Inhalt, als Sie es «mir gaben. Ich glaube ihm Inhalt und Wert «gegeben zn haben. Ich lege es in Ihre Hände. Bewahren Sie es. Möge mein Nachfolger meinen guten Willen und mehr Kraft «haben als ich. Ich hcftte schon früher «vor Ihnen «erscheinen sollen. Es war mir nicht möglich. Ich war es physisch nicht imstande. Ich offenbare nicht gerne mein Inneres. Ich war vom Oktober -bis jetzt ein von Sorgen, Kummer und Verdruß geplagter Mann. Die Verhältnisse «in der Kultusgemeinde, wohin ich zur Arbeit ging, haben zu meiner Verstimmung nicht wenig beigetragen. Aber schließen wir lieber mit Frohem. Wir stehen vor Pessach. Möge das Pefsach dieses Jahres auch ein Auserstehen 'für -die Wiener Judenschaft sein! Wdische Motive in der Weltlileratur. Ein Beitrag zur vergleichenden Literaturkrmde. Bon einem Rabbiner. Alle Rechte Vorbehalten. (Fortsetzung) b'cha bat'chu abothenu bat'chu wat'faltemo Ps. 22, 5 elecha saaku w'nimlatu bat'chu w'lo boschu „ 22, 6 al taaftbenu adonai olohai al tir'chak mrimünu.. . „ 38, 22 al tasch'lichenu l'eth sik'nah kich'loch köchi al taas'benu.„ 71, 9 al tasch'lichenu mil'sanecha w'ruach kod-, sch'cha al tikach mimenu . . ... . „ 51, 13 tübo l'fanecha en'kath asfir k'godel s'roecha hother b'nee H'muthah.„ 79, 11 lisch'moa enkath asfir lother b'ne th'muth ah ..„ 102, 21 Wenden wir uns nun zn unsevom Pismon: Im Was wissen wir über die Entstehung desselben? Er trägt an seiner Spitze den Verfaffernamen Ephraim hakaiton, welcher auch in den Anfangsbuchstaben seiner Strophen als Akrostichon verwoben erscheint. Nun gab es aber zwei synagogale Dichter namens Ephraim: Ephraim den Jsak hagadol aus Regensburg (gest. 1175) und Ephraim ben Jakob hakaton aus Bonn (gest. 1197); st Ozar Israel III., 177; Graetz' Gesch. d. Juden 6, 256; Zunz, Gottesdkenstl. Vorträge, Frankfurt a. M. 1892. S. 406. Welcheir der «beiden Ephrainr dürfen wir nun als Dichter unseres PiHmon: Im joff'fim betrachten? Bon Ephraim ben Jakob aus Bonn nnffen wir, daß er eine solche Vorliebe für die poetanische Literatur hatte, daß er Me alten Bestandteile desselben durch einen Kommentar erläuterte." (Landshut Amude haabodah S. 476, Gaetz a. cr. O. S. 256.) Es wäre nun nicht unmöglich, «daß er sich auch für die profane Poesie seiner Zeit interessierte und besagte Wendungen aus Notker labäus' Hymne in seinem Pismon verarbeitete. Mein die Dichtungen dieses Ephraim aus Bonn besitzen keineswegs jenen poetischen Schwung, wie unser Pismon zeigt, sie sind bloß witzig gehalten, mehr verblüffend durch geschickte Anspielungen auf Bibel- und Talmudstellen, wofür besonders sein chaldäisches Bußgebet: „Ta fch'ma" kennzeichnend ist. (Grätz a. a. O.) Ganz anders Ephraim hagadol aus Regensburg. Dieser glänzt durch -seine rein hebräische vollendete Poesie, was namentlich seine Sclichoch: Abothai ki bat'chu; im ases rova Hakan «beweisen, die im künstlerischen Geiste unseres Pismon: Im joff'fim gehalten find. Dieser Umstand würde also für seine Autorschaft des besagten Pismon sprechen. Die Bezeichnung „hakaton", die sich an der Spitze des Stückes hinter dem Autornamen findet, wäre kein Einwand, «denn sie entspringt der bescheidenen Manier, mit welcher dieses PradÄlt pon den größten Leuchten jüdischer Wissenschaft bei ihrer Namensfertignng gewählt wurde und noch gegenwärtig gewählt wird. Uebrigens tragen weitere Sclichoth aus der Liturgie für Muffaf Jom Kippur bloß den einfachen Autornamen Ephraim; und zwar unter anderen die Stücke: Anti ani ham'däber und Elohe haib'rim. Alles Bisherige znsammenfassend, ergeben sich uns nun folgende Tatsachen^ 1. Eine unleugbare Verwandtschaft zwischen den beiden Dichtungen: Media viita und Im jofs'fim. 2. Die Uneinigkeit der fraglichen Literarhistoriker über die Autorschaft der Hymne Media vite. 3. Die Unwahrscheinbichkvit -der letzteren als Schlachtgesang, ihre Wahrscheinlichkeit vielmehr als Bußgebet. 4f Ephraim hagadol als Autor unseres Pismon: Im jofs'fim; Notker labäus als derjenige der Hymne Media vrta. In der katholischen Liurgve finden sich wesentliche Elemente der Psalmen. Die Kirchengesaingbücher: „öreviatum romanum" und „Missale roiwanuan" enthalten unzählige Stücke, -die unmittelbar den Psalmen entnommen sind. So wurden unter anderen: Dominica I Adtventus: Ad te Doxnine levavi animam meam . . .*) ein Stück, dessen Text und Ton, nebenbei bemerkt, mit unserer Hymne Media, vite ausfallend übereinstimmt. Besagte Mventandachten bilden lateinische Nachdichtungen der Psalmen, und zwar auf Grund «der lateinischen Bibelübersetzung Vuizata. Es sind Bußgebete, die jeweilig paffenden Psalmen entnommen sind, ohne jedoch deren Reihenfolge einzuhalten. Unsere Hymne Media vite gibt sich nach Text und Form aus den ersten Blick als solch eine Advent- Di chtnng. Es liegt also nahe, -daß sie auch ursprünglich alsBußgebet versaßt wurde. Wenn sie nun gleichwohl bei «Scheffel und anderen Schriftstellern als „Schlachtengesang gegen die Hunnen" figuriert, so kann hier offenbar nur ein Anachronismus in folgendem Sinne vorlisgen: Die Ungarn, die bekanntlich unter den Otto neu wiederholt Einfalle in fränkisches Gebiet machten, wurden von den Bedrängten als— «Hun neu gebr and mark t. An Beispielen für solche Titulaturen, -mit welchen die Besiegten in ihrer ohmnächtigen Wut chre Strafrichter beehren, fehlte es gerade im letzten Weltkriege nicht. _ (Fortsetzung folgt) J) Ich entnehme diese Daten der Broschüre: „Eine psalmrdische Advent-Smdie" von Herrn Dr. M. Epstein, Brünn.