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Die Wahrheit · 1921-06-09 · Heft 12 (9.6.1921) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 12 (9.6.1921)
Date
1921-06-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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lyrrirfinoifi.ii tj > -l k'tlLBlii,. jzs&xigqirsvxsjtt Gerte 6 Die Wah rh eik Nr. 12 verein auf und ein Brief des Herrn Qberkantors Bauer von Döbling auf eine schr energische Interpellation mitvvm 17. November 1918 ist der Beginn der Forderungen und Verhandlungen. Ihr AMonskomitee hatte in feütoefc Gesamtheit mit den ArMstellten, bezichungsweise mit deren Delegierten, drei, mit den Kantoren allein auch. drei Besprechungen. DaKn kommen noch fünf oder sechs Einzelbesprechungen, die ich mit den Funktionären hatte. Die Briefe und Schreiben bilden ein artiges Bündel. Die Tempelvereine haben den Kantoren, Rabbinern und Dienern nach und' nach, wie eben die Teuerungswelle' stieg, und die AngestMen der Gemeinde echöhte Bezüge bekamen, sie auch entsprechend gewährt. Schon im September 1918 trat das Aktionskomite an den Verband der Angestellten der Kultusgkmeinde hevan, um die Kultusbeamten unserer Vereine diesem Verbände 'anznschließen, um sie wirtschaftliche Borteile genießen Ku lassen. Der VerlbaD der Kultusangestellten nahm unsere Beamten nicht auf, weil es das Statut Nicht Masse. Und als wir im Frühling 1920 den Angestellten mitteikten, daß Vertreter unseres Aktionskomitees mit Vertretern -unserer Angestellten zusammentreten wollten, um gemeinsam mit «der Wirtschaftsorganisation der Wiener ^ltnsbeamten Aktionen für den Mittelstand auch für unsere Leute durchsetzen, waren bei mir Besprechungen der 'beiden Ortzaniftttionen, aber die Beamten der Gemeinde wollten nicht, daß wir vor dem Kultuswahlkampf als BeamLenfreunde erscheinen, lchnten Mch, unsere Vertretung in der Wirtschaftsorganisation ab, reformierten die „Wift^ auf 14 Tage und-v ereitelten so die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ich hatte schon ANfrufe und Briefe für auswärtige Körpechhasten vorbereitet, die 4mr Erfolg versprachen, wenn wir von allen Kantoren, allen Dienern Wiens sprechen konnten, denn in London und Nvw-dork komtt Man nichk Kantoren des Döblinger Tempelvereines und Diener b^ 9. Bezirkes. Wir haben uns aher in der Zuerkennung von Erhöhungen nach! Einvernehmen mit dem KultuÄoorstand an die Erhöhungen der Kultusangestellten gchaltien. Seitdem haben die einzelnen Tempelvereine nach ihrem Einkommen und' nach den 'Spenden, die den einzelnen Vereinen und' den Funktionären selbst zuflossen, und sie waren nicht gering, die Bezüge namhaft erhöht. Hier erreichten wir nur teilweise ein gemeinschaftliches Vorgehen. Gegenüber den Angestellten will jeder Verein selbstherrlich sein. Die für diese Gchaltsverbesserung nötigen Geilder erbaten wir von dem Kultusvvrstande. Wir waren diesbezüglich noch beim Bertveteökolleginm und erreichten wesentlich erhöhte Beiträge. Vom 26. Jänner bis %mn 25. Juli 1920 hatten diese Verhandlungen gedauert. Man vergesse nicht, daß wir es mit einem nicht mehr entschlußfähigen Kultusvorstand zu tun hüten, daß es ein zerrütteter und sterbender Vorstand war. Älles war schon im Zeichen der Wahl. Auch dieses große Ereignis hatte sich schon lange vorbereitet. Wir hielten mit Vertretern der Orthodoxie und anderen Besprechungen, und als sich ein Komitee zur Vorbereitung der Wahlen, in den Räumen der Union, nicht aber mit der „Union" als Körperschaft zusammentat, da erschien ich dort mit Herren Glück und gab die Erklärung -ab, daß wir entsprechend der Zahl unserer Mitglieder mindestens fünf Mandate wollen. * Diese Erklärung erregjte Aufsehen, das waren die Herren nicht gewohnt. Es gab, um mit dem Kandidaten Jobs zn sprechen, eiin allgemeines Schütteln des Kopfes und ich war oben kein beliebter Herr. Die Bildung eines eigenen WahlkoMiWes war, wie ich Herrn Obmann Müller teilte, unmöglich. Wir hätten kein Geld gehabt, wrr haben keine Erfahrung im' Wahlkampf gehabt, ich hatte es nicht leisten können. Und endlich bestaM die begründete Furcht, daß die Nationalen in unserem Wahlkomitee bald Oberwasser bekommen hatten. Aber schon vor Bildung des WahMomitees war das Aktionskomitee nicht müßig. Ms ich hörte, es sei im Kuktusvorstand ein PermaneMomitee gebildet worden, um die Wahlreform zu beraten, wollte ich auch die Tempelvereine vertreten sehen, zumal als die Jüdischnationaken damals «drei Herren in den Vorstand entsenden dursten. «Ich sandte daher Schreiben an alle sechs Mitglieder dieses Komitees. Es konnte nicht verwirklicht werden, weil man zu schr den Meinungen und den Wünschen der Jüdischnationalen Nachgab und das unter Beihilfe von Doktor Schwarz-Hiller geschlossene UebereinkoMmen andere Mitglieder im Komitee ausschloß. Das soll für die nahe Zuttrnft eine Lehre für solche Mrndnisse und Vereinbarungen fein, in politicis die Majorität zu bewahrerr. Aber zur Beratung der Wahlrefornrentwürfe wurden wir Tempelvereine doch zugezogen. Ich trat auch fnr*die Mschasfnng der Kurie der Hoherbesteuerten ein und tat dies zwar in einem besonderen Schreiben an Dr. Pappenheim. Eine große Genugtuung konnte es für das Aktionskomitee sein, daß unser ÄlMsgemeindeprogramm als Grundlage! des Wahlprogvamms der nicht jüdischnationalen Parteien genommen wurde, daß also -unsere Ideen allgemeine Anerkennung fanden. Daß auch die Bildung von Bezittkswählkomitees -auf meine Mitiative zurückging, sei zur Festlegung der Wahcheit betont. Und der Wahlgstng brachte uns einschließlich Dr. Engeils und Kauders' sieben Mandate. Die Auswahl derselben war schr schwierig und hat mir viel Verdruß und Aerger gekostet. Es waren eben auch andere Jnteressentengruppen zu berücksichtigen. Wenn wieder Wahlen -kommen, was schr wahrscheinlich ist, werden Sile mich Wohl unter den MiMnchfern finden, wenn -das Wahlkomitee anders sein wird wie jetzt, «aber unter den Kandidaten schwerlich. Daß der Wahlkampf mir Angriffe in der gegnerischen Presse Zuzog, geniert mich nicht. Er brachte aber Ungchörigkeiten von Seite des Herrn Markus, die jenseits jeder Loyalität sind-. Er brachte mir die et» bitterte Feindschaft der Jüdischrvationalen und hat inir in der Kultusg-ömeinde die Tätigkeit fürs Ganze erschwert, fast unmöglich gemacht. Am 2. März 1919 hielten wir im selben Saale die zweite Deleigiertenversammlung «ab: Sie galt.der Prüfung und' Annahme des Kultusgemeindeprogramms, von -dem ich schon-gesprochen. Zum ersten Male treten " jMsche Bürger von Wien, die Herz und Sinn für Gläubigkeit haben, mit einem Programme aus und das Programm .ward >aks gut befunden. Das war Mein eigenstes Werk. Bald' Nach der Bildung des Aktionskomitees ward der eifrige Mitarbeiter Franz Frankl entrissen. Er war ein wertvoller Mensch. Ich gab Hm das letzte Geleite. Be. wahren Sie ihm ein ehrendes Andenken. Auch dem Obmanne des Vereines Achdus Israel, Herrn Sttnon, gab ich für das Aktionskomitee das Geleite. Wir blieben, dem Himmel sei Dank, vor «anderen Verlusten' verschont. 'Freudige Teilnahme erweckte die Feier des 70. Geburtstages. unserer Kollegen Hofmann und Wenger. Beiden durfte ich für das «Aktionskomitee zu ihrer Frische und Ge» sundheit die herzlichstes Wünsche des Aktionskomitees sagen. Ich wiederhole hier meine Wünsche. Herrn Glück,

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