Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1921-06-09 · Heft 12 (9.6.1921) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 12 (9.6.1921)
Date
1921-06-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063903-3063915--11319-3078716
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Gerte 4 _ . G r e W a ,,Schma JiSfod ackrssj eiohesu adonaj ecfaadl“, „BernüttM es, Israel, Gott, unser Gott ist ein einziger Gott!", sie sind zmn Palladium Wvorden, durch welches das Judentum die Einheit seiner über den ganzen Erdball zerstreuten Bekenner sett Jahrtausenden aufrecht «HM. Diese Erkenntnis von der Einheit Gottes hat das Judentum erhalten im Kampfe gegen die ttebermacht der anderen Religionen, sie ist zu einem heiligen Besitztum geworden, um besten Erhaltung der Bekenner der jüdischen Religion auch heute. noch so manchen irdischen Besitz, so manchem menschlichen Rechte entsagt, das ihm Gewalt und Gesetz im Laufe der Jahrhunderte entzogen haben. Die Gotteserkenntnis Israels wurde der Quell seines sittlichen Bewußtseins und das Ziel seines sittlichen Strebens. Die Tafeln des ewigen Bundes sind die Grund lehren dieser Ethik. Sie lehren uns den Glauben an ein einziges, ewiges Wesen, den Herrscher aller Welten, den Lenker aller menschlichen Geschicke, sie zeigen uns, daß außer ihm keiner, den wir verehren oder anbeten sollen, sie verkünden uns, wie wir seinen Namen an den dazu bestimmten geheiligten Tagen feiern mtfo wie wir die Eltern, die sichtbaren Stellvertreter Gottes aus Erden, ehren sollen. Sie michnen uns, den Nebenmenschen zu lieben, indem sie uns die Heiligkeit und Unverletzlichkeit jedes Lebens, jeder Ehe, jedes Eigentums und jeglicher Gesinnung zur strengsten Pflicht machen, ohne Unterschied des Volkes und des Stammes. „Einerlei Gesetz, einerlei Recht und einerlei Lehre für den Fremden wie für den Einwohner des Landes!" Darum ist das Fest der Gesetzgebung auch ein Ansklärungsfest für die Menschheit. Bei jedem neuen Versuch, uns das höchste Gut unseres Glaubens zu rauben, werden wir immer aufs neue uns dek Vorzüge und "Verpflichtungen bewußt, die wir mit diesem Palladium übernommen haben. Mit wahrhaft prophetischem Geiste haben dies unsere msm Feuilleton S Die Sünde wider das Volk. Nicht nur die besten Frauen kennt man daran, daß von ihnen wenig gesprochen wird, auch von Büchern glitt dies mitunter, wenn sie ihres inneren Wertes bewußt den Lärm des Marktes verschmähen Mid das Gewicht ihres Eigenwertes wirken laßen, um sich dnrchznsetzen. Man liest ,'ie ohne suggestiven Zwang und läßt sich nach den ersten Seiten durch -Klarheit, Wahrheit und' glänzende Tittion gern in den Bann schlagen. Solch ein Buch ist Emil Felde n s „Die Sünde wider das Volk"*), das zwischen zwei Nachkriegszeiten seine dunkeln Faden knüpft. Es macht uns mit dem königlich preußischen Gerichtssekretar Finfttr bekannt^ der kurz nach der Einverleibung des Elsaß ins Reich nach einer *)2krlag Oldenburg & Co., Berlin SW. 48 Wilhelmstraße 9. Preis Mack IS.-. 1$ großen Sänger und Seher verWndÄ: „MwiMdie Völker an unserer Statt sprechen lasten!"; Und miL gerechtem Stolze sehen wir, wie in unseren Tagen pas Angriffe gegen die israelitische Gotteserkenntnis gerade.von nichtjüdischer Seite zurückgewiesen werden.*) „Die babylonische Schöpfungsgeschichte" (so sagt Eduard König in „Bibel und Babel") „bildet nur eine malerialiftisch-polylHeiftstche Folie zu dem Lichtbild der pneumatischen Welt- und Gotteserzichung, wie es im Anfang der Bibel sich darstellt. Hier ist das Ewige, Majestätische in den Vordergrund getreten.' Der Ideen setzende und Ideen verwirklichende Geist hat den ihm gebührenden Weltenthron tarne." Ferner erklärt er es als eine historische Tatsache, daß „der Monotheismus weder in Babylon, - noch in Südarabien erwachsen und überhaupt in keiner semitischen Völkerschaft, außer in dem die prophetische Religion bekennenden.Israel, zum Siege gelangt ist." Ja, „Babel ist gewiß der Ausgangspunkt vieler Kulturelemente für nähere und entferntere Gebiete gewesen, aber die Religion, dieser abschließende Fattor aller Kultur, besitzt ihre klastische Literatur in der Bibel. Babel mag immerhin das „Hirn Vorderasiens" genannt werden, aber was den Lebenspunkt der Bibel bildet, das huoll aus einer weltüberragenden Erfahrung, und es wird doch dabei bleiben: In Babel strebte die Menschheit zum Himmel, in der Bibel ragte der Himmel in das arme Menschenleben hinein." .? : Es ist interessant, als Gegenstück hiezu die Ausführungen des deutschen Engländers — oder englischen Deutschen? — Houston Stewart Chamberlain über den Monotheismus Israels nachzulesen: „Die Annahme der Semit sei von Haus aus Monotheist, eine Annahme, zu der Renans be- *) Siehe die Besprechung von Emil FeldenS Roman „Die Sünde wider das Voll" in unserer hentigen dummer. kleinen Stadt beä erlösten Landes versetzt wird, um dort mit dem bekannten schnodderigen Schneid des Berliners für Alldentschtum und Antisemitismus amtlich zu wirke« Alldeutschtum ist chm Berns, Antisemitismus Herzenssache, denn der Roman spielt in der Zeit der berüchAgten Stöcker und Ahlwavdt, die ihr System auch im deutschen Neuland dnrchgesührt sehen wollen. GevichtsseLvetär-Finster scheint der richtige Apostel des UnterdrückungsevangeLimn. Aber bei beit Elsäßer Christen beißt >er auf Granit. Dieses zähe, redliche Alemannenvolk laßt sich seine Meise >und das gute Einvernehmen, in dem es'stets mit dem Jude» gelebt, nicht stören. Im Kamps des Beamten mit. dem neuen Untertanen obsiegen diese nnd der „Schwöb" muß das Feld räumen. Aber er hat «in Söhncheu, das alle Fehler des Vaters in Reinkultur besitzt und schon in der Schule seine Drachen,saat ansstreut. Da ist'der arme Gymnasiast Jakob Loeb, gegen den die vereinigten Christen mobil, gemacht werden und den sie bis aufs Blut quälen. Jakob hat jedoch den strammen Eksüsser Jungen. Friedrich zum Beschützer und zwischen dielen beiden knüpft sich bis zum cckl-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.