Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 11 (26.5.1921)
- Date
- 1921-05-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3062972-3063903-3063914--11310-3078706- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 12 Nr. 11 m. i'ij rmrr*> > D i «Wahr fre i i liches haben wir oft gerügt ohne anderen Erfolg als All-' feindungen der mremvckgt Nat-ionälen. Zusammenfassend kann gesagt werden, es ist in Erez Jisroel wie in den meisten unheiligen Ländern, wo das Strebertum ans Kosten der Menge nach gut dotierten Stellen und Pfründen jagt. Diese Umstände find eine Miterklärung für die ablehnende Haltung der amerGanischen Zionisten, gegenüber -dem jetzigen Kurs. Aus der Gememdestube. Herr Bauriat Wilhelm Kempler hat aus Gründen «der Ueberhäufung in Berufsgeschäften seine Stelle als erster Vizepräsident zurückgelegt und auf seinen Posten ist nun Herr Börsenrat Ignaz Glück getreten, von dem angenommen wird, daß er seine große Begabung und ernsten Willen zum Wohle der Gemeinde betätigen werde. Wir müssen aber auch von einer zweiten Resignation Kentnis nehmen, welche den Vizepräsidenten Dr. Frie d m a n n betrifft, der als Vertreter der zionistischen Partei aus einem Konflikte mit der Mchrheüt des Vorstandes seine Konsequenzen ziehen zu muffen glaubte. Der Antrag Friedmanns aus Durchführung der von seiner Partei gewünschten Wahlresorm wurde natürlich abgelehnt und diese Tatsache hielt Herr Dr. Friedmann fiir geeignet, sein Scheiden vom Präsidium zu vollführen. Es soll au dieser Stelle nicht erörtert werden, ob die ErwMerung 'des Wahlrechtes, die grundsätzlich auch von der Mehrheit des Vorstandes in ihr Programm ausgenommen wurde, gut und notwendig sei, aber es kann billig gezweffelt werden, ob gerade jetzt der geeignete Moment ist, an ein derartiges grundstürzendes Unternehmen hertanzutreten. In einem Moment nämlich, wo die KultusgemÄnde, was ja auch Herr Dr. Friedmöatn und seine Partei fteimütig erklären, vor dem Konkurs steht, weil die Einnahmen trotz stärkstem Drucke der Steuerschraube fast gänzlich hinter dem angeseytcn Präliminare zurückbieiben. Es herrscht unverkennbar etaue Steuerschau und Steuerflucht, welche bedauerliche Tatsache immer deutlicher in den zahlreichen Rekursen und Austritten aus dem Juldentume zur Erscheinung gelangt. Es wäre zu erwägen, ob in einem so kritischen Augenblicke, der abermals die wichtigsten Kultur- und Humanitätsanstalten der Genreiude vor eine Katastrophe stellt, und man schon dem Zeitpunkte entgegenbangt, das Rothschildspital und Siechenhaus sperren zu müssen, Wahlreformen aufs Tapet kommen sollen. In einem so schweren Zeitabschnitte von katastrophaler Tragweite sollten alle, denen das -Wohl der Gemeinde tatsächlich am Herzen liegt, alle Kräfte konzentrisch vereinigen, um das Schlimmste abzuwenden und durch einträchtiges .Zusammengehen die Arbeitsfähigkeit des Vorstandes zu heben. Diesen Erwägungen sollte sich auch die Partei des Herrn Doktor Fr red mann bei ruhiger Beurteilung der Sachlage nicht verschließen. Die Beendigung des Hilfswerkes des American Joint Distribution Committees in Wien. Wir werden vom Präsidium des A. I. D. C. in Men um Veröffentlichung nachswhender Verlautbarung ersucht: Das A. I. D. C. in Rew-Dork hat beschlossen, das allgemeine Hilfswerk in Europa mit 30. Juni 1921 zu beendigen. Demzufolge wÄÄ in allen Ländern die Tätigkeit des A. I. D. C. liqnidiert. Nachdem dieser im November gefaßte Beschluß in den Sitzungen des Europäischen Exekutivrates des A. I. D. C. am 9., 10. und 11. Mal 1621, in Wien seine -definitive Bestätigung erhalten hat, schreitet niwmnshr dem Aufträge gemäß das Präsidium der Wiener Abteilung des A. I. D. E. an die bis 30. Juni 1921 dnrchzuchhrende LiquidieraMg des gesamten in Oesterreich geführten Hilfswerkes. Es wird dahier zur Kenntnis gebracht, das Ansuchen um Geldunid LöbensnÄtÄnnterstützungen, Kleider, Werkzeuge, Zulassung zu Ausweisungen nicht mehr entgegengeuommen werden. Zuso^e unserer Darlegungen über die Notwendigkeit der Fortsetzung gewisser JnsÄuOonen, wie z. B. der Kinder-, Kranken- und. Lehrlingsfi'irsorge, hat der Europäische Exekutivrat des A. I.- D. E. die Mitteilung gemacht, daß diese Zweige der Tätigkeit der Wiener Abteilung des A. I. D. C. mit 30. Juni 1921 voneiner oder mehreren zu schaffenden lokalen Komitees, jedoch nicht unter dem -Körnen Ameridan Joint Distribution Committes fortgesetzt werdendürften. Rabbiner Moritz Kramer s. A. Die Wiener Judenschaft aller Parteirichtungen -betrauert in tiefer. Ergriffenheit das Hinscheiden des allverehrten Rabbiners Moritz K r a m e r, dessen wahrhaft jüdisch fühlende Seele eine unermüdliche Hilfsbereitschaft für die große Schar der Notleidenden auszeichnete. In seiner sünsnndzwanzigjLhrigeu Wirksamkeit als Führer und Berater der Achdus Jisrvel-Synagvge und MitgGad des Rabbinats der Wiener Israelitischen Knltusgemeinde erössnete sich ihm neben seinen religiösen Obliegenheiten ein weites Feld edelster humanitärer Tätigkeit und bleibt nach beiden.Richtungen sein Name in dankbarstem,, ehrendstem Gedenken. Kein Bittender nahte sich erfolglos diesem unverdrossenen Helfen und Berater aller notleidenden Glaubensgenossen. Die Liebe uüd Verehrung der Judenh'M kam anläßlich dar Feier des 70. Geburtstages Rabbiner Moritz Kramer zu überwältigendem Ausdruck. Er galt dem großen. Gelehrten und 'Menschenfreund. Hauptsächilich waren es die letzten Krieasjahre, wo das Elend der durch den Kriegsfturm hergetriebenen Flüchtlinge ihn besonders in Anspruch genommen haben. Der Lebensabend des sonst so Lebensfreudigen wurde durch schwere Heimsuchungen verdüstert; vor drei. Jahren wurde ihn? seine edle Frau, die während der schweren Kämpfe seines Lebens ihm treu zur Seite stand, entriffen, auch bereitete' ihm die Krankheit.seines geliebten Sohnes Rabbiners Dr. Jakob in Karlsruhe schwere Sorgen. Schon am denkwürdigen Schabbos-Chanukatage hat sich die Krankheit, die ihn heimtükisch befallen hat, bemerkbar gemacht und nun haben die Sefirotage mit der Trauer des jüdischen Volkes die Trauer um ihn gebracht, der das jüdische Volk so heiß geliebt hat. Sonntag, den 15. d. M., wurde in der Rembvandt Syniagoge, wo der Verblichene lange Jahre hindurch segensreich gewerkt hatte, ein T r a u e r g o t t e s d i e n st veranstaltet, der einen überaus feierlichen Verlauf nahmst In Vertretung der östeirrei'chischen Landeszentrale Miisrachi sprach Dr. Samuel R a p p a p o r t. Er hob in seinem Nachrufe die ausgezeichneten Eigenschaften des Rabbiners Kramer hervor, sowie den heiligen Eifer, mit welchem dieser musterhafte Jude sowohl für den ZionsgeÄanken als auch für die Einheit'und Einigkeit des jüdischen Volkes gewirkt hat. Es sei Pflicht, dieser uni ihren geistigen Führer trauerüden Gemeinde, dafür zu sorgen, d>aß mit der irdischen Hülltz nicht auch der Geist des Verblichenen von dannen ziehe, daß nämlich die Wirksamkeit des Nachfolgers den Idealen des Hingeschiedenen entspreche. Mt einem liturgischen Gebete des Herrn Kantors Regner schloß die erhebende Feier. Konzert der Wiener Kantoren. Mit dieser, am 12. d. M., iw großen Konzerthaussiaal abgiehaltenen Veranstaltung hat sich dtt K a n t o r e n verein ÄN unvergängliches Verdienst erworben. Dem Vorstand, nament- | lich fernem umsichtigen Obmannstellvertrster, Herrn