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Die Wahrheit · 1921-05-26 · Heft 11 (26.5.1921) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 11 (26.5.1921)
Date
1921-05-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 9 WM Nr. 11 D i e Wahrheit sein. Die letztere arbeitet prompt, aber auch ein Gesetz kann manchmal um gebo g en wenden. Wir »haben oben vernommen, «daß der jüdische Pächter nach Erdöl graben ließ. Hätte er nun solches gefunden, so hätte ihm. niemand den Fund streitig machen können. Oder hätte er dem christlichen Grundbesitzer ein Petroleum- oder Heilquellenvorkommen -gemeldet, keine Menschenseele wäre auf den Vorschlag.der Enteignung gekommen, aber beim Juden Silberberg — ja liebe BunÄesrepublick, das ist was anderes: Uebrigens hat sich auch «der große Bruder des Klagenfurter .Antisemitenblattes, die „Reichspost", des 'Juden Silberberg bemächtigt und den Fall zu einer Originalberichterstattung ausgtzschrotet, der Zufolge auch ein Jude W e i nst o ck in die Affäre verflochten wird. Die beiden haben ursprünglich nach Petroleum gebohrt und es ist semitische Anmastung, daß eine Heilquelle zutage sprang, um die setzt der Eigentumszank anheiben wird. Daß die Schallerbachquelle jene von Bad »Hall an Heilwert überlrisst oder zur? Preise von einer Million tschechischer Kronen veräußert.werden soll, weiß jedoch die sonst veMrehnngslnstige „Reichspost" nicht zu melden. Napv*-qn. Sein Charakterbild schwankt nicht nur in der Geschichte, sondern auch bei deren Handlangern, den Tagesschviftftellern. Die streng germanischen Zeitungsleute haben noch immer nicht jene Distanz gefunden, die ein Jahrhundert nach dem Tode des größten Feldherrngeuies aller Zeiten und Völker eine unbefangene Beurteilung geben müßten Das haben die verschiedenen Aufsätze zum Sterbetage Napoleons am 5. Mai gezeigt. Vielen ist der Umgestalter Europas, das „korsische Ungeheuer", dessen unsühnbare Schuld die Zertrümmerung der Autorität, das Hinabstürzen Deutschlands in tiefste Schmach bleibt. Sie können ihm Jena nicht vergessen aber auch nicht-, daß er eine intermittierende Jujdenbefreiung schuf. Keiu Gefühlsmoment war dabei im Spiele, wie man ihm überhaupt solche Schwächen nicht nachsagen kann. Er folgte nur als Vollstrecker revolutionären Willens einem kategorischen Imperativ. Die Nation, die nach der Verkündigung der Menschenrechte Freiheit und Gleichheit 'auf ihre Fahne geschrieben, konnte hievon die Inden '.licht ausnehmen. Als nun Napoleon mit den Siebenmei'lenstiefeln seiner Siegeslausbahn Throne und Kronen deutscher Fürsten in den Sand trat, sprengte er auch mit kräftigen Fußtritten die sorgsam geschlossenen Tore deutscher Ghettis. Die zeitgenössischen Christen und Juden haben Hm das, ans ihre Art, nicht vergessen. Heine, in besten Kmübenzeit die Besetzung Düsseldorfs durch französische Truppen fiel, hat die gewonnenen Eindrücke fürs Leben behalten; gleich seinem jüdischen Empfinden. Aus diesem strömte die glühende Bewunderung für Napoleon, dem er in dem ergreifend schönen Buch „Le Grand", sowie'in dem Parade stück aller Vortmgskünstler „Diebeiden Grenadiere" .unvergängliche Denkmale gesetzt hat. Das Rad der Geschichte ist erbarmungslos über Napoleon und die von Hm Besiegten, seine nachmaligen Besieger, hinweggegangen. Hundert Jahre nachdem Tode Napoleons geibieten wieder in Düsseldorf die Franzosen in einem anderen als napoleonilfchen Geiste, dem der Vernichtungsgedanke des Gegners fremd war. Wieder liegt Deutschland in einer noch tieferen Schmach als zur Zeit des korsischen Ungeheuers. Denn entartet wie der Krieg ist auch! die Politik des 20. Jahrhunderts und zu der selbstgewyllten Schmach des heutigen Deutschlands gehört es, daß 100 Jahre nach dem Wüten der Reaktionsbestie das Zeichen des Hakenkreuzes aufgerichtet werden konnte. Bon Nah mrd Fern Fürsorgeverein für die jüdische, nicht voüfimnge Jugend. Wie arm sind die Eltern, die ein Kind ihr eigen nennen, das des Gesichts oder des Gehörs, der Sprache oder des Verstandes beraubt ist, oder das in Krämpfen sich windet oder dessen Zukunft das Irrenhaus oder die Verbrecherzelle zu werden droht. Wie arm sind sie, mögen noch so viele Besitztümer ihnen gehören. Wie arm sind erst Eltern solcher unglücklicher Kinder, die von der Sorge und Qual des Lebens geplagt sind. Man kann den Blinden und beit Taubstummen Bildung und Erziehung geoeu, mail kann sie zu erwerbenden Mitgliedern 'der Gesellschafr machen mrd Blinde sind Bürstenbinder, Klavierstimmer, Mnsiklehrer, Masteure; Taubstumme findet man als Handwerker jeder Art, auch als Schriftleiter und Buchhalter. Man kann auch Schwachsinnige oder Geistesarme erziehen, daß sie im kleinen Kreise nützliche Dienste leisten. Man. verwahrt Epileptiker in geeignete Anstalten und bewahrt sie vor- Schaden, indem man ihre gesunden Kräfte für wirtschaftliche Zwecke verwelldet. Und jene Wesen, die zu Parasiten der Gesellschaft zu werden drohen, die Entarteten, bringt man ebenfalls unter Aufsicht und behütet sie und die Gesellschaft vor Schaden und Nachteil. Die Schwerhörigen lehrt man das Ablesen, dre Schwachsichtigen bringt m®i aus das ihnen so nützliche freie Land, die Taubblinden, jene schwerst Geschädigten ohne Gesicht, Gehör und Sprache kann man auch bilden, lehren und beschäftigen. Erziehung, Menschenliebe und Mitleid machen diese Sorgenkinder zu Menschen. Güte, tiefe und reichlich gebende Güte muß alle diese armen, geschädigten Wesell umgeben und begleiten. Aber auch erziehliche Kunst besonderer Art, die in die Ledensäußerungen eindringt und sie zu Hebeln für die geistige Hebung macht. Der Lehrer und Erzieher der nicht Vollsinnigen muß ein guter Mensch, ein von Glauben und Wissen erfüllter Erzieher und ein nie erlahmender Lehrer sein. Nachdem der Direktor des allgeni. öfterr. israelitischen Taubstu mmemnstituts in Wien, Dr. Salomon Krenberger, sie informiert, angeeifert und die Vorarbeiten geleistet halte, haben es Menschenfreunde unternommen, sich solcher nicht vollsinndger jüdischer Kinder in Wi.en anzunehmen und von dem Zeitpunkte, da sie ans dem Schutze des Elternhauses genommen werden können, bis zu ihrer endgültigen Versorgung in öffentlicher oder privater Pflege unter Schutz und Pflegschaft zu nehmen, also für ihre Unterbringung in geeignete ärztliche und erziehliche Fürsorge zu wirken und diese zu beaufsichtigen, Ter neue „F ü r s o r g e v e r e i n für die j ü d i s che,. nichr v o l l s i n n i g e Ingen d" will demnach solche Kinder beiderlei Geschlechter aussuchen, die Eltern beraten, sie. zu geeigneten Fachmännern führen, ihre Unterbringung in geeignete Pflege und Erziehung veranlassen und sie dauernd in Evidenz und Aufsicht halten. Es besteht wohl in Wien ein jüdisches Taubstummeninstitut, von dem eben die Anregung zu dieser Nengründung ausging und wo der neue Verein seinen Sitz hat (3. Bezirk, - Juchgaste, früher Rudolssgasto 22). Es besteht in 19. Bezirk, Hohe Warte, ein jüdisches Blindeninstitnt, es besteht ein interkonfessionelles TaubstunimblindetcheMi in Hütteldors-Bad, zu besten Gründern auch Dr. Krenberger gehört, aber für schwachsinnige und idiotische, für psychopathische und epileptische jüdische Kinder ist hier nicht gesorgt. Es gibt in Wien elf ftädtsche Hilfsschulen für schwach befähigte Kinder, es sind Schwevhörigenklasten in -' ' '* * . :.v i ■ :■

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