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Die Wahrheit · 1921-05-26 · Heft 11 (26.5.1921) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 11 (26.5.1921)
Date
1921-05-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Die Wahrheit i fi if t*; Daß ein nahes Verhältnis Machen synagogaler und kirchlicher Liturgie herrscht, bezeugt I. Elbogen: „Der jüdische Gottesdienst" (Leipzig 1913, 277) mit Bezug auf die Ähnlichkeit von An'schö emnnah... Tim'hani iner'oth ... Al taaß imanu: „Es müssen starke Wechseibeziehungen Mischen Synagoge und Kirche damals stattgefunden haben, ohne daß ersichtlich wäre, aus welcher Seite die Priorität zu suchen ist." Wie erklärt sich nun diese Uebereinstimmuug und welche der beiden Dichtungen besitzt.die Priorität? Hören wir zunächst, was Scheffel selbst von der Autorschaft seines Liedes sagt. Er schreibt dieselbe dem St. Gallener Mönch Notker dem Stmmnler (gest. 912, Weber, Lehrbuch der Weltgeschichte, § 332) zu (Scheffel a. a. O. S. 16 ff). Hiebei widerfährt aber Scheffel ein Histeron proteron. Denn Notker des Stammlers Lied, der 912 starb, konnte unmöglich gegen die Hunnen gesungen worden sein, die bekanntlich schon im Jahre 469 gänzlich aus Europa schwanden. (Weber a. a. O.) Scheffel meint wohl (a. a. £).), das fragliche Gebet „wunde einst von den Mönchen beim Bane der St. Gallener Festung von schwindelnder Höhe ans gesungen und diente sodann den kriegerischen St. Gallener Mönchen als Schlachtengesang gegen die Hunnen". Dies wäre scheinbar wohl geeignet, die vorliegende chronologische Schwierigkeit zu lösen. Allein welche Bewandtnis hätten dann die Sätze in dein fraglichen Schlachtengesang: „Ih te speraverunt patres mostri" . . . oder: „ne kesoipias nos in tempore se nectutis" mit einem — Festuntzs'bau? Es folgt also aus all diesen gezwungenen Hypothesen über den historischen Ursprung unserer Hymne: Media yita, daß die diversen Schriftsteller: Scheffel, I. V. Arx usw., selber über denselben sich nicht klar und einig waren. Allein, abgesehen von dieser Unklarheit, ist vom literarischen Gesichtspunkte aus die Zuweisung der Autorschaft besagter . Hymne an Notker dem Stammler, wie diles Scheffel will, nicht gut möglich. Denn der in Rede stehende Notker der Stammler gilt in der Literatur als s e l b ft ä nd i g e r Verfasser vorwiegend „lateinischer Sequenzen", nicht aber als Uebersetzer. Wem können wir nun mit größerer Wahrscheinllichkeit die Abfassung besagter lateinischer Hymne zuschreiben? Allerdings einem Notker, aber es ist Notker labaeus (mit der großen Lippe) o»der teutonicus (gest. 1022). Dieser ist auch in der Tat als lateinischer Uebersetzer von Psalmen bekannt (s. WÄhÄm Scherer, Geschichte der deutschen Literatur, Berlin 1883, S. 56 f., Georg Weber, Lehrbuch der Weltgeschichte, Leipzig 1876, 1.,S. 635, „Althochdeutsches Lesebuch" von Dr. Hans Neumann, Sammlung Göschen, S. 86 ff.). Von diesem Notker labaeus ist wohl die in Rede stehende Hymne Media vita gedichtet worden. Doch liegt kein zwingender Grund im Texte derselben für Scheffels Annahme vor, daß sie als Schlachtengesang der St. Gallener Mönche gedient hätte; vielmehr stellt der Wortlaut ein Bußgebet dar (aui pro peccatis nostris juste irasceris... ne descipias nos in tempore senectutis) ... Für Notker labäus' Autorschaft der besagten Hymne spricht eine ganze Reihe von Wendungen derseben, welche mit den Psalmen wörtlich gleichlautende PhrWn b'Mden, der Psalmen, in deren Blättern er ja, wie.^Whnt, als deren Uebersetzer heimisch war. So unter aMrem: (Fortsetzung folgt.) Nr. 11 li Wahrheiten vom Tage m Oberrabbiner Löw enthaftet. Eine Episode aus den dunkelsten Tagen der ungarischen Schreckensherrschaft wird durch die erst jetzt erfolgte Enthaftung des Oberrabbiner Löw in Erinnerung gebracht. Auf die bloße Verdächtigung eines 4m Dienste der Reaktion stehenden angeblichen Journalisten wurde der verehrte greife Mann unter der Anklage des Hochverrates in den Kerker gesperrt und t-roy aller Bemühungen seiner Freunde monatelang.-darin festgehalten. Ist es eine Auswirkung des neben Regimes oder das Empfinden der Schmach vor der gesitteten Welt, was endlich dem Opfer schändlichster Denunziation die Freiheit wiedevgab? Das soll vorlÄnftg -sticht untersucht werden. Es genüge der Hinweis auf die Tatsache,-daß die Klage auf Hochverrat fallengelassen werden mußte und von dem Schuldbuch des schwergeprüften Obevvab.biners nur «die Seite der Ehrenbeleidsguing Horthys offen bleibt. Wenn es noch oder wieder Richter wt Ungarn gibt, -die. nach Recht und Wahrheit, statt nach den Weisungen von höherer Stelle judizreren, wird auch dieser letzte Rest Äennnziatoriischer Versolgungslvut aus der Welt getilgt werden. Ein Privilegissimum. Die „A.-Z." vom 14. d. M. bringt einen Artikel über den Fremdenverkehr. Der Regierungsvertreter (Ministerialrat Dr. Dorninger) erzählt da, daß aus den Mitteln dos Verkehrsbüros 800.000 Kronen für allgemeine touristische Zwecke zur Verfügung gestellt worden sind. Für Wintersport hat man 400.000 Kronen für Wegmarkierungen und Winterspringschanzen zur Verfügung gestellt. Man wird sich schon noch erkundigen, wem die fünf Viertelmillionen „zür Verfügung gestellt worden sind". Vielleicht gar dem schäbigen O e st e r r e i ch i s ch e n T o u r i st e n v e r e i n, d e r d i e S a ch e der Touri fti k mit seinem „A r i e r p a r a g r a p h e n" so beschmutzt? Gegen die Subventionierung solcher entarteter Vereine mit Steuergeld würde ntan sich ernstlich verwahren müssen. Der Jude Silberberg. - Was ift's mit dem Juden Silberberg? Wer sich dafür interessiert, dom gibt -das „Kärntner Tagblatt" folgende Aufklärung: Der Jude Silberberg hatte bereits im November 1918 auf einem gepachteten Gute in.der Ortschaft Schallerbach bei Wallern in Oberösterreich Bohrungsversnche aus Erdölunternommen und stießdabei in einer Tiefe von 480 Meter aus ein warmes Quellwasser, das auf eine erhebliche Entferilmtig schon einen starken Schwefelgeruch verbreitete und vermuteil ließ, baß es heilkräftig sei. Er ließ rasch in spekulativer Absicht den Quellenraum mit einer hohen Planke umfrieden 'und verheimlichte die Entdeckung, bis die Kunde von 'der Heilwirkung durch 'einige angeftellte Arbeiter in die Oesfentlich'keit drang. Eine Kommission untersuchte die Quelle und stellte ein stark schwefelhaltiges Wasser mit einer beständigen Wärme von 36 bis 37 Grad fest. Die Quelle ü'bertrisft au Heilkraft die b e r ü h m t e I o d q u e l l e von Bad Hall. Es befindet sich in ganz Deutschösterreich keine in quantitativer und qualitativer Hinsicht gleich ergiebige Heilquelle. Der Jude Silberberg verlangt eine Million tschechischer Kronen als Ablösungssumme, doch kommt vielleicht das staatliche Enteignungsrecht zur Anwendung. — In den «letzten Worten des wackeren Kärntners kommt der Wunsch als Vater des Gedankens zum Ausdruck. Warum nicht „enteignen", wenn es sich um den „Juden Silberberg" handelt. Eine Handhabe dazu findet sich allerorten. Es kann nach dem Kulturgrade des Landes ein Gesetz oder eine Handgranate

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