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Die Wahrheit · 1921-05-26 · Heft 11 (26.5.1921) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 11 (26.5.1921)
Date
1921-05-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11 Die Wahrheit Seite 7 Meinnngsverschiodenheiten, sie wurden aufs sachlichste ausgetragen. Im Jahre 1918 trat der TeMpelverem in der Pazmanitengasse in die Organisation ein, zur Zeit des Wahlkampfes für die Kultusgemeinde trat der Tempelverein Erdberg laus. Politische Gegensätze, namentlich zu mir, Hätten das Band der Zugehörigkeit gelockert. Es war durch einen Funktionär dieses Vereines zweimal versucht worden, durch unwahre Beschuldigungen gegen mich Stimmung zu machen. Mer hiesür hat sich der Tempelve."in Prater-Bethaius bei uns eingefunden und seine Vertreter-sind auch heute erschienen. Die Fragen, die das bisherige Komitee bearbeitete, umfassen Me Agenden, welche die Kultusgemeinde betrafen und für das Wiener jüdische Gemeindöleben voll Wichtigkeit waren. Ich kann mit Genugtuung sagen, daß uns nichts Jüdisches ferne war. So erregte eine Broschüre des Schulrates Professor Dr. Dschiaßny, den schon die Erde deckt, Im Frühjahr des Jahres 1918 großes Aufsehen, weil sie eine vollständige Reform "des Gottesdienstes anftrebte. Gottesdienst, Reform desselben, das ist unser, der Tempelvereine ureigenstes Gebiet. Es bildete 'sich sogar ein Verein zur Durchführung dieser Vorschläge des Herrn Schulrates und er* begann eine große Propaganda. Das Aktionskomitee befragte zwei erste Kenner des jüdischen Wesens, die nicht Rabbiner waren, die Herren Prof. Graubart, der auch nicht mehr unter uns lvdilt, und Oberbiibliothekar Dr. Wachstein. Sie wichen darauf hin, daß das von Tschiaßny Gesagte schon Wer 130 Jahre alt sei und von Seesen, Hamburg, Brannschwsig, Berlin und Breslau nach denl aufgeklärten Wien des Baron Eskeles führe. Und wenn ich Ihnen die Konsorten des Herrn Barons Eskeles nenne, die Arnstein, Perewa, Biedermann, Hosmannsthal, dann weiß man, daß diche Reformen zur Taufe führen. Das Aktionskomitee hat daher die Vorschläge' Tschiaßnys verworfen. Das Aktionskomitee hat das Recht, zu sagen, daß es beigetragen hat, den Tschiaßny-Spuk bald zu vertreiben. Dieser Fall war eine Episode, die auch nicht überseheu werden durfte. Eine zweite war die Bchetzung eines Jnspsktorats für den jüdischen Religionsunterricht. Wir sahen stets in der jüdischen Erziehung der Jugend das gegenwärtige und zukünftige Heil der Wiener Judenheit. Es scheint mir persönlich die Mrsorge hiesür wichtiger wie Orgeilton nrid Bethausordnung. Als daher in der Knltusgemeinde das Jnspektorat neu besetzt werden -sollte, hat bas Aktionskomitee hiebei insbesondere durch Herrn Kollegen Straßberg ein>e Dezentralisation und Inspektion durch die Rabbiner -angeregt. Sie fanden in der Kultnsgerneinde kein Gehör. Man wollte keine Dezentralisation und Mittel zum Durchsetzen unserer Msichten hatten wir damals nicht. Aber unsere Hauptarbeit, war 1. die Befriedigung unserer Funktionäre, 2. die Stellung zur 'Kultnsgemernde und 3. das gegenseitige Verhältnis der Vereine. Letzteres war im -ganzen und großen gut. Nur folgende Klagen wurden stets vernommen: Keine gleichen Taxen bei Trauungen, kein 'einheitliches Vorgehen bei Aufnahme und Entlassung von Angestellten. Schon am 24. Juli 1918 hat das Aktionskomitee diese Forderungen allen Vereinen zur Pflicht gemocht. Beide Fragen standen stetig in Verhandlung und wurden auch mündlich von Verein >zn Verein behandelt. Noch im Oktober 1920 haben 'wir in der Kommission I des Knltusv orsiandes die Frage der Trauuttgstaxen behandelt 'und neue Ansätze den Vereinen bekanntgegeben. (Schluß folgt. Jüdische Motive in der Weltliteratur. Ein Beitrag zur vergleichende» Literaturkande. Bon einem Rabbiner. Alle Rechte Vorbehalten. (Fortsetzung) Auf Grund dieses Liedes hat Luther seine Hymne: „Mitten wir im Leben sind vor: dem Tod umfangen" ... gedichtet, deren 'vollständiger Text sich gleichfalls bei Scheffel n. a. O. findet. Mehrere Phrasen dieses Liedes erscheinen nun wortwörtlich in einem der schönsten Stücke der Mnsfaphandacht des Berföhnuntzstages, und zwar irr dem Prsmon: „Im joss'sim anach'nu la'mod" ..., den wir nach der Stren'schen Ausgabe (Wien 1893), S. 270 ff, zitieren: en*) korban w'ön mussaf w'h adin hahar jikoloh. . . Kein Opfer und kein Tempeldienst und strenges - Gericht erwartet uns. b'cha bat'chu abothönu bat'chu w a t'p h a ltemo_ Auf dich vertrauten unsere Väter, vertrauten und du errettetest sie. - w'lo jamuth lasch a chath w'lo jech'ssar lach'mo... Auf daß er nicht hrnsterbe zur Vernichtung und nicht in Dürftigkeit verkomme. j In der diesem Pismon unmittelbar sich anschließenden Eulogie heißt es: tabo l'fa necha en'kath assir l'godel rach am e ch a h o t h s r b'n e t h'm uthah ... O, möge vor dich kommen das Wehegeschrei der Gefesselten, mit der Größe deines Armes errette die Kinder des Todes. Wenn wir nun von der Aködah: Eth hab'rith und der Selichah: öle esk'rah, welche zur Ausfüllung der Tageszeit des Bersöhnungstages eingefchoben wurden, abfehen, so folgt dem bisher Zitterten unmittelbar die Litanei mit den bezeichnenden Stellen: al tasch'lichönu mil'phanechä w'r n a ch kod'sch'cha altikaih mimenn. O, verwirf uns nicht vor deinem Angesicht und deinen heilvollen Geist nimm nicht hinweg von uns. al tasch'lichönu l'öth sik'nah kich'loth kvchenu al ta's'bönu. O, verwirf uns nicht zur Zeit des Alters, wenn unsere Kräfte schwinden, verlaß uns nicht! Diese Wendungen besagten Pismons stimmen nun offensichtlich mit der Phrasäologie des Scheffel'schen Schlachtengesanges überein, welche wir im vorliegenden lateinischen Text (oben) durch gesperrten Druck kenntlich mochten. An einen Zufall der Uebereinsti'mmung etwa in dem Sinne, daß beide Autoren unabhängig von einander besagte Pfalmstellen für ihre Dichtungen benutzten, daran ist kaum zu denken. Dazu ist die planmäßige Aufeinanderfolge der gleichen Wendungen in beiden Stücken, sowie die Phrasäologie, die bei beiden fast wörtlich übereinstimmt, viel zu auffallend. Freilich hat unser Pismvn mehr den ersehnten Gemüts- und Seelenfrieden zum Gegenstand. Allein der Ton beider Dichtungen ist auf die gleichen Saiten gesttmmt, mag auch die Tendenz eine verschiedene sein. *) Infolge der typographischen Schwierigkeiten erschauen die hebräischen Zitate in lateinischer Transkription.

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