Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 11 (26.5.1921)
- Date
- 1921-05-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Serie 6 Nr. 11 Die Wahrheit Zwei Welten stehen einander nicht nur geographisch, sondern auch zionistisch prinzipiell gegenüber. Die alte ist für den zionistischen Mdkkalismus, für 'die Auferstehung des jüdischen Volkes in seiner Heimat und wie sonst noch die Ratten-fängerschl-aigwörter lauten. Die neue dagegen vertritt die Forderung der Röellitat auf dem Boden der Realität, während hierzulande die Ansicht propagiert wird, daß nickt Berechnung, sondern Hin aal'e nickt kaufmännisches Kalkül, sondern Schwung zum Ziele führen Hingabe und Schwung können Wunder hervorbringen, halben dies auch in der Makkabäerzeit getan. Da es aber gegenwärtig nicht gilt, das Land der Väter mit dem Schwerte zu erkämpfen, wird man mehr nüchtern orientiert sein müssen, damit die Irrwege aus der Sackgasie auf die richtige Bahn fuhren. Dies im lUuge WhalteNd, ergibt sich die Wertung der Schlußworte des von uns beleuchteten Artikels aus sich selbst: \ Wer sich mit wenigem bescheiden will, weit er nicht den Mut hat, das Große zu fordern, das wir brauchen, der wird auch dieses wenige nicht erhalten können; nur der volle Schwung, der aus ungebrochenen Idealen ausstrSmt, vermag mitzureißen und die Größe in die jüdische Arbeit zu tragen, ohne welche sie ihr Ziel nicht zu erreichen vermag, das nicht allein in der jüdischen.Besiedlung Palästinas 'besteht, sondern in ihr das Mittel sieht zur N e uschop fungd es jüdischen Volkes. Das ahnungsvolle Gemüt des Schreibers empfand intuitiv, daß weder das Große noch das Kleine erreichbar, also dann gleich das Große fordern. Für dieses genügt ja, es gewollt zu haben. Auf einen Schritt mehr oder weniger «ans zionistischem Irrweg kommt cs dem Rufer im Skbeite nicht an. . Rechenschaftsbericht des Obmannes des Aktionskomitees der vereinigten Wiener Tempelvereine Direktor Dr. S. Krenberger in der Delegiertenfitzung am 17. April 1921. Sehr geehrte Kollegen! Am 14. Oktober 1917 habe ich es gewagt, Vertreter von Wiener Tempelvereinen zu einer Besprechung in das Cafe Mariahilf einzuladen und zchn Herren für zchn Tempelvereme waren dem Rufe gefolgt. Ich setzte danrals, also noch ein Jahr vor dem Zusammbonch des Staates, auseinander, was der Zweck der Zusammenkunft sein sollte. Meine damaligen Worte waren: „Ueberall hört man von Organisierung und Zusammenfassung. Nur bei den jüdischen Bürgern Wiens fehlt das gemeinsame Handeln zu bestimmten Zwecken. Di!e Tempelvereine sind die ersten Keime einer' jüdischen Bürgerorganisation, sie find aber schwach und einflußlos im öffentlichen jüdischen Leben Wiens, weil sie keine Macht darstellen, sondern als Hilfsorgane des Kultusvorstandes erscheinen, und doch sind eigentlich die Tempolvereine die maßgebendste jüdische Organisation, weil sie die Wahl des Kultnsvorstandes -eigentlich in der. Hand haben, und weil sie als die Steuerträger und Kultusbürger den Vorstand zu Handlungen treiben und veranlaßen können. Sie sollen dem KultuSvorstwnd die Ideen geben, sie sollten uyd könnten den Ku-ltusvorstand Lur Belebung des Judentums in Wien antreiben. Die Tempelvereine sollten eigentlich die Seele des Wiener Judentums sein. Ich möchte in einer Zeit, da alles nach Neuordnung ruft, auch dem Wiener jüdischen Leben neuen Trieb und stärkere Betätigung geben und daher die Tempelvereine zusammenschließen, doch nicht durch eine neue- Vereinsgvnndung, sondern auf freier Grundlage nach einer Besprechung auf einem großen Tempel- und Bethansvereinstage." Dann verlas ich einen Brief an die Tempel- und Bechansvereine Wiens, der sie zu einer Besprechung wegen di^es Tages eiuladen sollte. ' * Damals wurde auch betont, daß die neue Organisation nicht gegen den KultusvorstaUd sein kann, weil sie für das Judentum »ist, sie müßte vielmehr vom Kültusvorstande begrüßt werden. Urrib damals wurde auch schon durch unseren Herrn' Hoffmann die besondere Aufmerksamkeit der Versammlung auf die Lage der Funktionäre unserer TeMPÄVereine gelenkt. Und einer der wärmsten Befürworter der geplanten Organisation War damals Dr. Auerbach, der ausrief: „Nicht als Tempelvereine, sondern als zielbewußte Glaubensgenossen, welche ihr Judentum stolz bekennen, wollen wir diese Organisation schaffen." So wurde denn die Einberufung einer Vorbesprechung zur Veranstaltung eines Wiener Tempel- und Bethausvereinstages beschlossen, und zwar von Persönlichkeiten, die zionistischer, orthodoxer Gesinnung und 'Kultusjuden waren. Die Vorbesprechung fand am 1. November 1917 im Lesezimmer des Wiener kaufmännischen Vereins statt urrd war gut ^besucht. Die,Einladungsschreiben hatten ein genaues Programur entworfen. Me so oft, waren es auch hier einzelne Männer, welche den Gedanken eines Tages nicht gnth testen, weil er außerhalb ihres normalen Geidankenlebens war und weil sie alles Neue nicht wollten. Aber es wurde auch bei dieser Besprechung die prinzipielle Geneigcheit ausgesprochen, eine Organisation der Wiener Tempelvereine zu schaffen. Lange und viele Verhandlungen begannen, bis wir das Organisationsstatut und die leitenden Grundsätze festgelegt hatten -und am 2. Mai 1918 -zur Einberufung der ersten konstituierenden Delegiertenisitzung der Tempelvereine schreiten konnten. Mit Befriedigung nnd Stolz konnte ich im Namen des vorbereitenden. Komitees die sehr ansehnliche Versammlung begrüßen. Wir hatten 21 Aufforderungen zur Nennung von Delegierten, ansgesendet. 14 Vereine haben Delegierte gesandt und sich angeschlossen, zwei Drittel also der -aufgeforderten Vereine waren in unserer Mitte. Die treugläubigen Vereine hatten ihre eigene Organisation und die anderen Vereine waren kleine, ihrem Wesen nach.uns fern stehende. Es ist bemerkenswert, daß diese erste Delegiertensitzung am 24. April hätte stattfinden sollen, aber verschoben werden mußte, weil an diesem Tage in der Kultus - gemeinde die Vertrauensmännerversammlung ftattfand, um Dr. Chajes anzuhören. In der Delegiertensitzung vom 2. Mai 1918 habe ich nun im Namen des vorbereitenden Komitees nnd mit Zustimmung aller Anwesenden wiederum verkündet, daß wir uns nicht gegen die Kültusgemeinde organisiert haben, aher die Stelle inl Wiener jüdischen Gemeind sieben einnehmen wollen, die uns, das ist den Tempelverömen, gebührt. Und nun/ tritt das gewählte Aktionskomitee an. Sie heran und ich als sein erster Vorsitzender will Ihnen sagen, was wir in der Zeit vom 2. Mai 1918 bis jetzt gewirkt, erreicht und vorbereitet haben. Vorerst bürokratisch gemeldet! Wir, das heißt das Aktionskomitee, hielten im Jahre 1918 9 Sitzungen', im Jahre 1919 ebenfalls 9,1920 4 Si^ungen. Sie waren gut besucht. Der Fleiß nnd die Teilnahme aller Kollegen war stets groß und ich kann nicht gering allen hiefür danken. Auch unser gegenseitiges Verhältnis war ein gutes und wahre Freundschaft hat uns verbunden. Es gab wohl