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Die Wahrheit · 1921-05-26 · Heft 11 (26.5.1921) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 11 (26.5.1921)
Date
1921-05-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Es muß daher twchdrücklichst zur Rückkehr zur Religion und religiösen Erziehung gemahnt werden. Zur Rückkehr zur Religion der Thoratveue. „Der Jude uitfcrßr Zeit," schreibt ein neuer Homi- . le-tiker, muß sich in -das Bekenntnis seiner Religion vertiefen, dann wird er die Erhabenheit dieser erfassen . können. Er muß sich versenken in .die Worte des Bekenntnisses „Schmu Israel", dann iverden in ihm d»s Selbstbewußtsein erwachen und das Gefühl der Verehrung für die Thora in sein Innerstes einziehen. „Der Jude unserer Zeit muß das jüdische Religionsbekenntnis in sein modernes Ich" einverleiben, jenes Religionsbekenntnis, das allen Propheten seines Volkes verkündet und von unsterblichen Helden seines Stammes verfochten und vort seinen tausenden Märtyrern mit dem Blute des Herzens besiegelt wurde." „Er muß lernen erfassen, das Credo seiner Religion, das-von allen Weisen seines Volkes erläutert ltnb von allen seinen Dichtern und Denkern verherrlicht und vertiioft wuvdle." „Das jüdische Glaubensbekanntnis ,Schma/Jsiaes' nt erhabener als die Himmelshöhen, unergründlicher als die Meerestiefen, heller als der Sonne Licht und klarer als des Schnees Glanz, ist gleichzeitig der religiöse Morgen- und Abendgruß in Israel, der stets zur Einkehr und Rückkehr gemahnt." Zu Liebe dieses Bekenntnisses haben sich inr Laufe unserer Jahrtausends alten Geschichte unsere Glaubensgenossen ausgeopfert und wurden zu Tausenden auf die Scheiterhaufen der Autodafe verbrannt. Man lese nur die Leidensgeschichte -unserer Gläubensbrüder in Spanien und wo anders. Und gerade in diese unsere Zeit fällt das Gedenkjahr, ' wo vor 500 Jahren Äie Wiener Juden als Märtyrer ihres - religiösen Bekenntnisses mit dem Blute, ihres Herzeus es besiegelt hatten. . Die Ahnen der Wiener Juden fänden anläßlich der „Gserah" von 1421 zu Tausenden in den Fluten der Donau und in den Flammen des Scheiterhaufens den Märtyrertod. Diese Wiener Inden opferten lieber ihr Leben, statt ihrem Jndentume untreu .werden zu wollen. Die Krise im Zionismus. Die „Wiener Morgen-Zeitung" 'brachte tri der Ausgabe vom 11. Mai einen Ar Mel, dessen Titel „Zionistische . Irrwege" eigentlich schon einem Bekenntnis gleichkommt. Er gcht von der Tatsache ans, daß die von Weitzmann nach Amerika geführte zionistische Delegation behufs Ausgleichung der schroffen Gegensätze zwischen der dortigen und der europäischen Führerschaft gänzlich erfolglos war, obgleich diese Reise -durch die Teilnahme Einsteins eine ' besondere Note erhielt. Wir greifen dieses Moment aus, um es als ein Gleichnis zu werten. Der große Forscher ist zwar im Reich der Sterne und des .schrankenlosen Raumes bewandert, aber «auf 'praktischem oder gar . politischem Gebiete erhebt er keine Ambitionen. Auch viele der europäischen Männer der Zionsbewegung sind der Frage, in der sie das große Wort führen, nicht gewachsen, sind, um es höflich zu sagen, Ideologen, die an überlebten Begriffen sefthalton, ohne der praktischen Realität Rechnung zu tragen. Manche von ihnen haben es teilweise schon erkannt, aber nicht -den Mut der Ueberzeugung, es öffentlich zu gestehen. Wenn also von zionistischen Irrwegen gesprochen wird, so paßt gerade auf sie dieses CharaiktevMvkon. Zwischen Amerika und Europa kann die Verständigung nicht geschaffen werden, weil dort die Tatsachenlogik, hier eine maßlose Verstiegenheit vertreten ist. Die Gegensätze bestehen, wie von uns schon oft ausgezeigt, bereits seit langm, erfahren aber, wie es bei Parteikonflikten meist der Fall ist, stetige Verschärfung. Heute kann von einer Krise gesprochen werden, die nicht mehr weit von Der Katastrophe steht. Der Kampf geht einstweilen um ein Konkretes, den WiederausbaufoNd für Palästina, aber es dürfte nicht rnehr lange bis zum „Kampf ums Ganze" dauern. Denn vor allem wird um die Führerschaft gestritten, wer jedoch tiefer blickt, bemerkt, daß der Streit um Prinzipien letzten Endes um die Macht geht. In Amerika vertritt nvan den richtigen Gedanken, vorerst ein sicherer Boden, dann erst der Ausbau auf diesen. Umgeikehrt ist die Ansicht der Gegenpartei: Der Geist ist es, der sich seinen Körper baut und der nationale Geidanke erst macht -das Gelobte Land zur vollkommenen Heimstätte der einwaNdernden Juden. Aus diesen Zwiespältigkeiten quellen die gefährlichen Hindernisse siir die gehoffte Entwicklung des Palästinageidaukens. Ob er nach der einen oder anderen Richtung zu verfolgen ist, wird hüben und drüben mit allem Nachdruck vertreten. Ein Unterschied der Kamp.fweise liegt nur darin, daß die Amerikaner die Ruhe, Kühle und Entschlossenheit des besonnenen Verstandesmenschen, des durch Erfahrung überzeugten Praktikers besitzen, ans der Gegenseite der Wortschwall der Leidenschaftlichkeit herrscht, die immer von unrichtigen Voraussetzungen zu fälschen Schlüssen gelangt. ' Wenn von zionistischen Irrwegen die Rede ist, wird man unschwer entscheiden, wer sich auf solchen! befindet. Irren ist menschlich, sagt ein altes'Sprichwort. Jean Paul hat es in seinem „Hespevus" poetisch erklärt: „Wir alle wandeln in einer Wolke von Staub, die so dünn ist, daß wir sie nicht bemerken und nur die Wolke des anderen von fernher sehen." Die Wolke unserer politisch orientierten Zionisten ist aber schon so dick, daß sie mit Händen zu greifen wäre und denen, die darin stecken, den Ätem raiflbt. Daher die immer heftiger werdenden Notrufe und Signale, die einer, hoffnungslosen Sache gelten. Zusehends lichtet sich die Gefolgschaft, auffallend schwinden Opfer und Oplferwilligkeit für die als heilig erklärte Sache. Nur die leicht empfängliche und leicht auf Irrwege zu führende Jugend ergänzt die gelichteten Reihen des Diaspora- Nationalismus. Daß die große jüdische Masse in Amerika hinter der gesamt zionistischen Exekutive steht, ist schon insofern -eine kühne -Behauptung, a!ls es seit langem keine gesamtzionistische Exekutive gibt, nachdem das Schisma jede Einigkeit ausgeschaltet, folgerichtig die große jüdische Masse der Amerikaner ebenso in geschienenen Lagern steht. Letzten 'Endes hat sie doch ihre Führer auf Grund eines klaren Programms gewählt, dieses also im vorhinein anerkannt. Sie gibt ihre Spenden folgerichtig für ökonomisch' veritable Unternehmungen und nicht für Utopien oder verschleierte Zwecke, für eine „nationaljüdische Renässance" haben die praktischen Amerikaner allerdings wenig übrig. Daraus erklärt sich, daß der Säckel des Keren Hajeffod die gewünschte Straffheit nicht erlangt hat.

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