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Die Wahrheit · 1921-05-13 · Heft 10 (13.5.1921) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 10 (13.5.1921)
Date
1921-05-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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üiSir-SÄJ Nr. 10 D i e Wahrheri Snte 1l Von Nah und Fern Hilfe für die ukrainischen Juden! Im alten Wetterwinkel des slawischen Ostens sind wieder unerhörte Greuel begangen worden. Die Opfer sind wie immer die dortigen Juden, die bei jedem Kampfe der Parteien das Blutbad ausgretzen müssen. Die Feder ist zu schwach, um die Größe und Menge der an wehrlosen Juden begangenen Verbrechen zu schildern. Der Berzweiflungsschrei der gehetzten» geplünderten, an ihrem Leben bedrohten, unzähligen Juden widerhallt in der ganzen Welt und findet sein schmerzlichstes Echo in den Herzen aller Glaubensgenossen. Auch der stumme Mund der Gemordeten ist eine entsetzliiA Anklage gegen die Barbarei des zwanzigsten Jahrhunderts, aber aus dem Kreise des Empfindungslebens greifen die entsetzlichen Geschehnisse weit hinaus und verlangen nach einer erlösenden Tat. In allen Ländern der Erde, wo Juden wohnen, ergeht die Parole: Hilfe für die unglücklichen Opfer der Pogroms, soweit eben menschliche Hilfe noch möglich ist, die tefen Wunder! heilen und Erleichterung bieten kann. Diesem Ruse der Judenheit kann sich niemand verschließen, in den stolzen Großstädten, wie in den armseligen Dörfern, wo die Söhne Jakobs wohnen, wird jedermann willig und entschlossen nach Maßgabe seiner Kraft, den Beitrag leisten, der es ermöglichen soll, diesem ungeheuren Elend einigermaßen Linderung zu bringen. Wenn man sagen sollte, daß -uch dieses Böse ein Gutes im Gefolge habe, so wäre es die geschlossene Einigkeit, mit der alle religiösen Richtungen und alle Parteien sich zusammensinden, der Höhe dieses Elends die entsprechende Abhilfe zu schaffen. Diese geschlossene Einheit ist ein neuer, roenn auch trauriger Beweis dafür, daß überall dort, wo Juden wohnen, das unauslöschliche Solidaritätsgefühl kräftige Wurzel geschlagen hat und die herzlichsten Blüten treibt. Möge es immerdar so bleiben, wenn es dem Wohl der Judenheit gilt und wenn auch minder blutige Wunden und aufregende Geschehnisse das jüdische Einhektsgefühl zur Betätigung ruft. Das ist die hohe, bedeutende Lehre, die ernste Mahnung, welche die nrkainischen Greuel für ganz Israel predigen. ' Wien-Josefstadt. Das 70. rGeburtssest des Präses des Josefstädter Tempelvereines Herrn Adolf Beck und dessen 40jährige Zugehörigkeit zu dessen Vorstande wurde Samstag, den 30. April, am letzten Pesachtage, int Neudeggertempel in feierlicher Weise begangen. In dem überfüllten schönen Gotteshause hatten sich zur Feier des Tages außer dem Geisamtvorstande Vertreter verschiedener Korporationen ei »gefunden. So sahen wir den I. Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Desider Friedmann, die Herren Vorsteher Buchwald, Glück, die Vertreter der Bethausvereine Alsergrund, Margareten, Pazmanitentempel, Stumpergasse, die Herren Wenger, Wolmer uistv. nsw., die Präsidentin der Phi'lantropra, Frau Amalia Beck samt Kindern, Herrn Edmund und Arthur Beck, den Schwiegersohn des Jubilars, Herrn Langfeilder u. v. a. Herr Präses Beck wurde in feierlicher Weise vom Chore begrüßt, von den Herren Vizepräsidenten Freund und Rosenfeld zur Thora geleitet. Nach einem solennen Echod jochid sprach Herr Oberkantor Schneeweiß einen dem Anlasse entsprechenden Mischeberach, worauf Herr Rabbiner Dr. Bauer die Festrede hielt, in der er die Verdienste des Jubilars uni den Josefstädter Tenrpel rlihmend hervorhob. Er gedachte in pietätvoller Werse des Vaters des Jubilars, des Gründers des Josefstädter Tempelveremes vor 56 Jahren, des sel. Herrn Wilhelm Beck, und des Bruders Herrn Hermann Beck, der gleichfalls die Stelle eines Präses in demselben bis Au seinem Tode bekleidete, und schloß mit einem Gebete für ein langes, glückliches Leben des Jubilars und d essen Gattin, Frau Jo hamm Beck, die für die Bestrebungen des Vereines so feines Bevständnis entigegenbrilngt und ibrell Mann in demselben so tatkräftig unterstützt. Hierauf beglückwünschte Herr Vizepräses Wilhelm Freund den Kollegen im Namen des Vorstandes, der ihn bereits vor Jahresfrist znm Ehrenmitgliede ernannt hat, und widmete mehrere tausend Kronen namens des Vorstandes für wohltätige Zwecke. Herr Vorsteher Buchwald überbrachte in herzlicher Rede die Grüße und Wünsche des Kultusvorstandes. Die weiteren Mischeberach exekutierte Herr Kantor Grob zu Ehren des Jubilars, der namhafte Spenden für Tempelzwecke und Wohlsohrtsvereine machte. Für die ihm gewordenen Ehrungen dankte er, sichtlich ergriffen, mit aus tiefstem Herzen kommenden Worten, die ans die Zuhörer um so größeren Eindruck machten, als sie vom Geiste der Demut gegen Gott und pietätvoller Liebe gegen seinen Vater getragen waren. Alle zur Thora Gerufenen, besonders die Herren Dr. Friedmann und Herr Präses Wenger, widmeten dem Jubilar zu Ehreu namhafte Beträge für wohltätige Zwecke. Mit einem suminungsvollen Hallelujah, vorgetragen von dem unter der Leitung des Prof. Brazlavsky stehenden gntgeschulren Chore, fand die schöne Feier ihren Abschluß. Möge sie ollen Beteiligten in lebhafter Erinnerung bleiben als ein Zeichen dafür, daß der Gemeinsinn in unserer Mitte noch fortlebt und wir Juiden es immer noch verstehen, Ehre zu geben, dem Ehre gebührt. Sonntag, den 1. Mai, fanden sich in der Wohnung des Jubilars die Funktionäre unter Führung seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Bauer und die Beaimten unter Führung des neuen Sekretärs, Herrn Ritter, ein, und überbrachten dem verdienstvollen Obmanue des Tempelvereines ihre herzlichsten Glückivünsche. Gedächtnisfeier im Pazmanitentempel. Mittwoch, den 4. d. M., -ähue sich der Todestag Dr. Markus Spin e r s, Präsidenten der Chewra Kadischa. Der Vorstand des Tempelvereines „Aefchel Avrohom" nahm Anlaß, diesen Gedächtnistag in pietätvoller Weife zu begehen, und sein verdienstvolles Ehrenmitglied ans diese Art in der Erinnerung der klebet lobenden sestzuhalten. Der Gefamtvorstand mit seinen! Obmann Rat Adols Wenger, der Vertreter der Kultusaemeinde Knltusrat D. D ohanyi, Vertreter der verschiedenen Körperschaften und Tempelvereine wohnten der Trauerandacht bei. Rabbiner Dr. S. Funk hielt eine ergreifende Gedächtnisrede und Oberkanwr S. G i b l i ch nr a n u besorgte den kaut oralen Teil in erhebender Weise. Jugendfürsorge und Attersfürforge. Zwei segensreich wirkende Institutionen sind in bcnt letzten Halbjahr im 21. Bezirke entstanden und verdienen registriert und sicherlich auch nachgeahmt zu werden, lieber eine von Herrn Rabbiner Dr. R o s e n m a n n eingeleitete Aktion schlossen sich die Delegierten der hiesigen Vereine Chewra- Kadischa, C h a n n e n - P a l, F r a u e n v e r ei n, T a l m u d - T h o r a und einige mnnisizente Privatpersonen unter dem Vorsitze des .Herrn Rabbiner Dr. Rosenmann bereitwilligst in einem I n g e n d s ü r sorg ekomitee zusammen. Seck November 1920 werden Monat für Monat 40 bis 45 Kinder mit Lebensmitteln beteilt, und zwar mit je 2 Kilogramm Reis, 10 Kilogramm Kartoffeln, Marmelade und Fett und außerdem pro Familie tut der kalten Jahreszeit monatlich 100 Kilogramm Holz. Zu Pessach erhielt jedes Kind 20 Kilogramm Kartoffel und y2 Kilo gram in ,O sie r k u n er o l. Gleichsam als Ergänzung zu dieser Jugendfürsorge entstand int 21. Bezirke spontan eine A l t e r s f ü r sorg e. Mehr als 80 Damen unseres 21. Bezirkes, unter ihnen namentlich Frau Mathilde Schöps, Frau Therese G r ü n w a l d, Frau Direktor Gutherz und Frau Gisella P o l l a k, die Kinder und ihre Angehörigen von dieser Feier ergriffen waren. Ein atterkenttenswertes Verdienst um diese

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