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Die Wahrheit · 1921-05-13 · Heft 10 (13.5.1921) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 10 (13.5.1921)
Date
1921-05-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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!,.JPkUs- Nr. 10_Die Wa Jüdische Motive in der Weltliteratur. Ein Beitrag zur vergleichenden Literaturkunde. Von einem Rabbiner. Alle Rechte Vorbehalten. (Fortsetzung) Daß wir in dein Autor des gedachten Pismon einen byzantinischen Juden zu erblicken haben, dafür sprechen mehrere Momente desselben, die auf das schwere Joch hindeuten, unter welchen! die byzantinischen Juden litten: Ar'chu hajamim ud'bar kol chason . . golah achar golah gal'tihah Jehuda kulalh .. hau ki as'lath jadeun umaphgia en ba'denu.. hisacher l'nmkim w'nim'ratirn w'älecha kol hajom nUsch'chatnn... Dies Motiv des erwähnten Pismon ist seinerseits wieder in Joma 53 d begründet, wo über das Thema misch'nitel und misch'nignas haaron des Ausführlichen diskutiert wird. Dem Würde der Sinn der oben aus Jellineks Beth hamidrasch zitierten Apokalypse entsprechen: „schchem (kle kodesch) g' it n s i nt b'beth JustitlUs". Es ist aber ebenso möglich, baß besagter Passus: n'tuloth ug'uusoth, aus jene Relation hinweist, laut welcher die Bundeslade und die heiligen Tempelgeräte in den Erdb öden des jernsalemischen Tempels v e r g r a b e n wurden. (Jernsalmi Schekalim, Abschn. 6.) In diesem Sinne wurde auch stets der Ort in den jüdischen Gotteshäusern, wo heilige Schriften vor völliger Vernichtung verwehrt wurden, G e n r s a h genannt; so unter anderen! der vor Jahren entdeckte Ort wertvoller jüdisch-literarischer Denkmäler in K a i r o. Bezüglich weiterer Kleinodien des heiligen Tempels teilt noch Abr. B e r l i n e r (a. a. O.) mit, daß Eleasar b. Jose, der während der Regierung Hadpians nach Rom kam, den Vorhang des Tempels in Rom gesehen, ebenso das goldene S t i r n b l e ch, woraus die Worte: „Heilig dem Ewigen" eingegraben waren. Nach Erledigung der auf unseren Gegenstand bezughabenden Quellen, die aber lange nicht erschöpft sein dürften, ist die Frage nach dem Orte, >an welchem sich heute diese kostbaren Tempelschätze befinden und die gerade gegenwärtig einen unermeßlichen Wert repräsentieren würden, begründet. Eine befriedigende Lösung hat sie wohl 'in absehbarer Zeit kaum zu erwarten. Eine, dieses Thema behandelnde Skizze der „Neuen Freien Presse" vom 27. Juni 1916, Nr. 18.623, lehnt die Annahme des „völlig durchwühlten Bodens Jerusalems oder Roms" hiefür ab. Die bereits erwähnte Version, laut welcher manches davon in der ottomanischen Schatzkammer Konstantinopels sich vorfinde, durfte lange Zeit Wahrscheinlichkeit für sich beanspruchen. Warum sollte an dieser uralten Kulturstätte des antiken Byzanz, die den berühmten „Sarkophag Alexanders des Großen", den „in reines Gold gefaßten Arm Johannes des Täufers", den „Mantel des Propheten", ungezählte „Diainanten, Rubine, Smaragds, Türkise, Topase, Edelsteine in seltener Größe" enthielt und die mau fast als ein Museum wertvollster Altertümer bezeichnen konnte, warum sollte dort nicht manches der verschollenen Ternpelschätze Jerusalems zu suchen gewesen sein? Es wäre denn von der „hohen Pforte" in ihren diversen Kriegsnöten „requiriert" worden. Oder sollte nicht doch einmal der Zauberstab rastloser Forschung den Bann lösen und die irgendwo vergrabenen Schätze heben?! Doch sei dem wie immer, durch alle obigen, unseren Gegenstand berührenden Zitate zieht als gemeinsames Mbtiv: das Machende Fatum, welches sich an allen denen geltend macht, die widerrechtlich in den Besitz der heiligen Geräte gelangen und Mißbrauch mit ihnen treiben. Dieses Motiv tritt, wie wir gesehen, in den manigfachsten Wendungen auch in der Profanliteratur hervor. Als ursprüngliche Quelle dieser Literatur haben wir offenbar die obenzitierte Erzählung h^h ejj[__Seite 9 desProcopius zu betrachten. Me gelangte nun dieser Geschichtsschreiber zu besagtem Motiv und wie fand dieses seinen Weg zu den Schriftstellern der Weltliteratur? Procopius, der justinianische Geschichtsschreiber aus Cäsarea, Geheimsekretär Belizars (lobte 527), hat aller Wahrscheinlichkeit nach die oben bezeichnete Legende über den Raub der Tempelgeräte au Qrt und Stelle in Palästina aus talmudischer Quelle oder aus mündlichem Bericht eines zeidgenösiischen jüdischen Gelehrten geschöpft. Wo wäre aber diese talmudische Quelle zu suchen? Vielleicht ist unsere Vermutung berechtigt, dieselbe in einer talnmdischen Fabel zu erkennen: „Ur'ba d'eivthi nura l'kine": „Ein Rabe brachte Feuer in sein Nest, um sich za erwärmen, aber das Feuer griff um sich und verzehrte das ganze Nest" (j. Hamburger Real-Encycl, j. o. Spruch, Sprichwort). Der Rabe wird speziell in dieser Fabel gewählt als Sinnbild der alles Glänzende sich aneignenden Stehlsucht, 'somit eine Anspielung ans Belizars Habgier. Möglich auch, daß mit dem Orwb, Raven, eine Andeutung aus Byzanz beabsichtigt ist, und zwar in dem Sinne: Byzanz ist Edom, das nach Zerstörung des zweiten Tempels den Namen „Arab" erhielt (s. Eisensteins Ozar Jsr. s. v. Edom; vgl. auch die Emeudatwn einiger Bibelerklärer zu 1. Kön. 17, 6; W'haorbim m'biini lo . . . Die Araber brachten ihm (Elijahn) Brot und Fleisch) Ist ja auch sonst ein Einfluß des Talmud und Midrasch auf die zeitgenössische Literatur bezeugt ls. S. Baeck: „Die Darschanim vom 15. bis Ende des 18. Jahrhunderts", bei Winter und Wünsche, die jüd. Literatur seit Abschluß des Kanons, 2., S, 611). Auf diese Weise dürften die diversen talmndischen Legenden über die Tempelgeräte: ./Joma 53 b, Sanhedvin 97 b, Midr. Rabba Esther s. v. w'haschkoth mittelbar oder umnittelbar dem Procopius bei der Konzipierung seiner obigen Legende als anregendes Motiv gedient haben. Und so nahm er sie in seine, griechisch geschriebene, 8 Bände umfassende (beschichte seines Zeitalters ans. Aus dieser hat nun die besagte Legende über dile mittelalterlichen literarischen Quöchen h-iuwejg ihren Weg in das poetische Schrisvum der neuen Zeit gefunden, bis sie der Dichter „Gelimers" Felix Dahn gelegentlich seiner historischen Vorstudien für diesen Roman zur Verarbeitung in denselben als interessant und geeignet erachtete. Ein weiteres interessantes jüdisches Motiv drängte sich mir bei der Lektüre von Scheffels E ck e h a r d (Gesammelte Werke, Stuttgart, 2. Bo., S. 16 f) auf. Dort lesen wir das Lied, welches nach Angabe Scheffels „die St. Gallener Mönche bei ihrem Sturmangriff auf die Hunnen gesungen haben". Der lateinische Text des Liedes wird von I. V. Arx in seither „Geschichte des St. Gallener Kantons", I. p. 95, angeführt; es sei hier der Orientierung halber wörtlich wiedergegeben: Media vita in morte sumiis, quem queri-mus adjutorem, nisi te domine, qui pro p e e c a t i s nostris juste irasceris. V. in te speraverunt patres n o s tr i, speraverunt et liberasti1 eos. R. Sancte deus. V. At te clamaverunt patres nostri, clamaverunt et non sunt confnsi. R. Sancte fortis. V. Ne descipias nos in tempore s e n e c t u t i s, cum defecerit v i r t u s nostra, ne derelinquas nos. R. sancte et misericors salvator, amarae morti ne tradas nos. (Fortsetzung folgt) i

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