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Die Wahrheit · 1921-05-13 · Heft 10 (13.5.1921) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 10 (13.5.1921)
Date
1921-05-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 Seite 7 DieWa h rhe i t ben Lebensmittelunterstützung stehenden Personen, sondern auch für weite Schichten der Festbesoldeten und der Mittellosen, sowie für die gemeinnützigen Institutionen, Anstalten und Küchenbetriebe, durchführt. Bon den im Bezüge der fortlaufenden Lebensmittelunterstützung stehenden Personen, die außer mit Mazzoth auch unentgeltlich mit Fett und Zucker beteilt wurden, wurde nur ein Regiebeitrag von K 15.— für. das Kilogramm und von der Gruppe der Festangestellten ein Betrag von K 50.— erngehoben. Die Aktion umfaßte zusammen weit über 42.000 Personen, wobei hervorgehoben werden muß, daß es Heuer gelungen ist, die Quote mit 2 Kilogramm für den Kopf festzusetzen. Das zur Herstellung der Mazzoth erforderliche Oftermehl wurde unter ritueller Aufsicht zum Teile aus Jugoslawien, aber vor allem aus Amerika bezogen und erst in Wien verarbeitet. Außer der Ausgabe an Evnzelfamilien mußten auch die geschlossenen Anstalten bedacht werden. Das Jointkomitee übernahm neben der Versorgung seiner eigenen Anstalten, die Belieferung aller jüdischen Fürsorgeanftalten, Spitäler, Blinden- und Taubstummeninstitute, Versorgungshäuser, Waisenhäuser, gemeinnützigen Küchenbetriebe, Lehrlingsheime mit Mazzoch und Ostersett. Ebenso erhielten durch Vermittlung des Krankenvereines alle rituell lebenden Patienten in den Wiener- Spitälern, sowie im Bersorgungsheim Lainz, ferner das vom Wiener Ehildren Milk Relief erhaltene Waisenhaus der Stiftung der Charlotte Mevores Jtzeles, ferner die Hochschülerküchen in Wien, die Mazzoch seitens des Joint. Desgleichen erfolgte von der Wiener Abteilung aus die Versorgung eines Teiles der österreichischen Provinz mit besonderer Berücksichtigung der Festbesoldeten, der Mittellosen und der geschlossenen Anstalten. Den durchgreifenden Plänen der Leitung ist es zu danken, daß die diesjährige Aktion völlig klaglos durchqeführt werden konnte. Es war ein glücklicher Gedanke, die „Organis a t i o n d e r Wiener T e m p e l v e r e i n e" für die Mitarbeit an der Pessach-Aktion zu gewinnen, wodurch die Leitung -des „Joint" nicht nur einigermaßen entlastet, sondern auch chr die Sicherheit gewährleistet wurde, daß nur die wirklich Bedürftigen und Würdigen der empfangenen Wohlf-ahrtsaktion teilhaftig werden. Von den Chassidischen Mysterien.*) Bon Wolf R a p a p o r t, Przemysl. Aus d e r E i n l e i t u n g. In unserer modernen Zeit begann man sich für die Literatur, des Chassidismus zu interessieren und hat dieselbe poetische Naturen augeregt. So wie die alte Kaballa einen Pico della Mirandola, einen Rsuchlin, einen Cornelius Agrippa und Jakob Böhme, welche herumirrteü, eine Wissenschaft zu finden, deren Aufgabe es sein sollte, die tiefsten Tiefen der göttlichen Natur, die eigentliche Wesenheit, die Verkettung aller Dinge zu zeigen, begeisterte, so hat die Beschtianische Lehre viele Gemüter erregt. Der Chassidismus, der bekanntlich seinen Ursprung auf Israel Bal-Schem (Bescht genannt) zurückfuhrt, ist keine philosopihsche Disziplin wie die alte Kaballa, sie ist weder ein abgeschlossenes System, noch befaßt sie sich mit der Erkenntnis. Sie besteht vielmehr aus intuitiven AeußerungeN der vom inneren Erlebnis beseelten Menschen. -) Aus dem vom Verfasser dieser Zeilen unter dem Titel: „Bon den chassidischen Mysterien" sich in Vorbereitung befindenden Buche. Die Redaktion. Menschen, die durch kein Forschen aus der Vernunft geschaffen, nicht von außen, sondern von innen, Menschen, die sich selber in sich suchten und fanden. Es ist etwas schwierig, über die Inhalte des Chassidismus zu schreiben, weil sie, wie gejagt, samt und sonders Aeußerungen der Intuition darstellen. Die menschliche Sprache ist zu arm, um die inneren Erlebnisse wiederzugeben. Ein christlicher, von der jüdischen Kaballa beeinflußter Mystiker des 17. Jahrhunderts schreibt: Zwar hat sich die Sprache den Mysterien augepaßt und ist nachgegangen der wachsenden menschlichen Seele aus heimlichen Wegen, aber das Erlebnis zu schildern, ist sie nicht imstalckn. Dieses kann man auch von der chassidischen Lehre behaupten. Alles das, was diese Meister empfunden und erlebt haben, haben sie nicht ganz ausgedrückt, und was in den chassidischen Inhalten vorhanden ist, ist nur angedeutet. Oder, wie sich die Chassidnn ausdrücken: „Ber'mrsa, der'misa." Die Sprache des Chassidismus ist, wie ein moderner Mystiker sich über die Ekstase im allgemeinen ausdrückt, ein all-e-rftilles Sprechen. Sie ist so hoch und still, sei es gar keine Sprache, sondern wie ein heben der Lider im Schweigen. In deutscher Sprache habe nur wenige über die Inhalte des Chassidismus geschrieben. Bor allem Martin Buber, der hervorragende Stilist, der ein besonders feines Empfinden aufweist. Bieber hat «aber, wie es scheint, die Klassiker des Chassidismus nicht gekannt, oder selbe nicht benützt. Das Buch, das „Testament des Balschem" (Zevraotha-Ribesch) eine literarische Mystifikation, die niemand anerkennt* ist für ihn ein bedeutendes Werk, -das ihn zum Chassidismus bekehrt hat. (Vergleiche Buber: „Mein Weg zum Chassidismus.") * * * Ich will in Folgendem versuchen, einiges aus diesem Schrifttum mitzuteilen. Eine genaue Wiedergabe ist selbstredend nicht möglich, da es doch den abendländischen Sprachen schon für die alte Kabbalah an der nötigen Terminologie fehlt, geschweige für die neochaffidischen Begriffs In diesem Nähmen zunächst einiges aus den Schriften des Rabbi Menachem Mendel von Witebsk (gestorben 1788). Rabbi Menachem Mendel war ein Schüler des Rabbi Beer von Mesertisch, welcher ein- Schüler war des großen Meisters, der Balschem genannt. Die Lehren des ersten Meisters sind auf feine Schüler übergegangen. Rabbi Menachem Mendel hat einige bemerkenswerte Schriften verfaßt, so „Peri-Ha-arez"" und „Ez-Peri". Die Bücher „Likute Amarim" (gesammelte Aphorismen) und „Jggereht-Ha-Kodesch" (heilige Briefe) sind erst und „Jggerech-Ha-Kodesch" (Heilige Briefe) sind erst 1911 in Lemberg gedruckt worden. Die Lehren des Rabbi Menschen Mendet von Witebsk. Gott und die Thora. I. („Liknte Amarim", S. 45.) Die Buchstaben*) (des Alphabets der heiliger Sprache) sind die Hallen (die 7 Tempelhallen), von denen y Die christliche Mystik hat oft kabbalistische Stoffe für ihre Zwecke ausgenützt, hat aber diese oft verkehrt ausgesaßt. So schreibt Jakob Böhme (Bon der Wiedergeburt, Amsterdam 1682, S. 138): „Das ausgeschriebene Wort ist nur ein Werkzeug, damit der Geist leitet. Das Wort, das lehren will, muß in dem Buchstabenwort lebendig sein. Der Geist Gottes muß in dem Buchstabschen Halle sein, sonst ist keiner ein Lehrer Gottes, sondern nur ein Lehrer der Buchstaben, ein Wisser der Historien und nicht des Geistes Gottes" usw.

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