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Die Wahrheit · 1921-05-13 · Heft 10 (13.5.1921) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 10 (13.5.1921)
Date
1921-05-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Seite 5 D i e Wahrheit wenn ihre jüdische Seele sich an den heiligen Gebräuchen der Ueberlieserung erbauen kann. Wie herrlich dokumentiert sich dies zum Beispiel an dein Trösten der Trauenden — likras awelim —, wie es mi vorigen Jahre nach alter herzerhebender Weise in unseren Tempeln wieder eingeführt wurde. Die Meinung war, daß man es mit Rücksicht auf die Größe der Pester Gemeinde, namenMch im Tabaktempel, schwer durchführen könne: Wer aber am ersten Abend die Einführung der rührenden Zeremonie im Dabaktempel gesehen hat, wer die nach Tausenden zählenden ergriffenen Andächtigen beobachtet halt und solches nunmehr jeden Freitag abends sieht, wer bemerkt, wie die andächtigen Besucher die Trauer mit den Trauernfreu teilen, sich einig fühlen unter dem Tröste der heiligen Religion mit dem vom Schicksal betroffenen Trauernden, der sieht, daß der Jude Jude bleiben will und daß s e i n Indentu ni li ui' i lt d em heiligen Glauben wurzelt. Diesem großen Ziele dienen alle unsere bisher getroffenen Verfügungen nach dieser Richtung. Die Indolenz- All brechen, unsere Gemeindemitglieder im Glauben zu stärken, zu vereinigen, bildet unsere große Aufgabe. Die Seelen zu veredeln und zu erziehen und die stets zum Schönen und Guten neigende Judenschäft im SiNne der Vorschriften unserer erhabenen Religion zu leiten, ist die Tendenz unserer Arbeit. Wie schön erreichen wir dies beispielsweise durch die erhebenden Barmizwcchfeiern. Im Tempel versammeln sich die Barmrzwanten, mit ihnen die Eltern, die Geschwister und Verwandten. Nun werden die Barmizwanten, einer nach dem andern, zur Thora gerufen, sagen die Broche und stellen sich sodann im Halbkreis auf, hinter jedem sein Vater, und hören mit Andacht die erbauenden Worte des Rabbiners, die er ihnen aus ihren Lebensweg mitgibt. Sie sprechen dem Rabbiner das schöne Gebet eines Gelöbnisses nach, das einen unauslöschlichen Eindruck in ihren Seelen hintevläßt, die Ettern zu Tränen rührt und auf alle Andächtigen gut und edel wirki; dies wiederholt sich Samstag für Samstag, und da soll mir niemand sagen, daß dies nicht ständig tttefc Spuren in den Seelen aller zurückläßt und diese überlieferte schöne Zeremonie nicht gute edle jüdische Seetlen heranzieht. In der Religionsgemeinschaft und im KuNusleben der Juden offenbart sich das Zusammenhalten des Indentunis und die Kraft dieses Zusammenhaltens. Dieses Zusammenhalten und diese Kraft können wir nur durch die Religion, Religiosität und Religioustreue erreichen- und daraus geht hervor, daß sich die Religionsgemeinde — dies gilt aber nicht nur für die Pester, sondevn für -sämtliche Gemeinden des Landes — ihre Betätigung und ihre Arbeit nur mit der Religion und religiösen Angelegenheiten und mit diesen in Verbindung stehenden Fragen zu befassen hat. Demzufolge ist beim Unterricht kultureller, sozialer und charitativer Angelegenheiten das religiöse Mo- * ment das maßgebendste, überall bhsvsprelgebend, wo nufere Schulen stehen. So stolz auch wir auf unsere Institutionen secensreicher Menschenliebe Hinweisen können, hier, so wie auf allen Gebieten unserer KultuseinrichtUntzen, bildet den Kardinalpnnkt, daß wir gute glaubensstarke Inden erziehen, und so wie dies müssen wir stolz zugeben, daß die jüngsten zwei Institutionen der Gemeinde, das Knaben- und Mädchengymnasium, auf dieser Basis bereits arbeiten. Unsere kulturellen Einrichtungen sollen ausschließlich im Dienste des religiösen Lebens stehen und unsere gesellschaftlichen Institutionen, in erster Linie unser? Frauenvereine, sollen fester ins Religionsleben Eingreifen, weil, um bei den Frauen zu bleiben, die Wohltätigkeit allein nicht mehr das Wirken der Frauenvereinie erschöpft. Heute ist die hervorragendste Pflicht und Aufgabe, daß die Frauen bei der großen Arbeit Mitwirken, deren Ziel es ist, die Religiosität wieder ins Familienleben zu bringen. Man muß die Frauen hineinziehen in die auf Ber tiesnng der Religiosität, Bekräftigung der Rekigionstrene abzielenden Arbeiten; man muß sie hineinziehen in der l Weise, daß sie einen Anteil an dieser Arbeit bekommen, werden. Bon der Ferne schon konnte er durch das Fenster | viele Menschen, auch Frauen und Kinder, die da alle mit-! einander um einen Tisch saßen und gestikulierten, sehen. | Also hatte Chadgadjo doch recht; es wird tatsächlich Rat abgehalten, ich werde ihnen zuvorkommcn: Morgen weide ich den Befehl zur Austreibung der Inden erlaffen,; redete der König zu sichj Als er aber näher k-am und von den zarten und gej mütsvollen Gesichtern den tiefen Ernst der versammelten j Leute las, kehrte sich sein-Herz zum Guten um Er hörte j ihr inbrünstiges Beten. Er verstand es wohl nicht und > jedes Wort erschien ihm wie eine Heimlichkeit. Dennoch? empfand er es, daß die Leute, welche diese Worte flüsterten, j keine treulosen Unholde sein können: es sind seine guten.j Juden, keine Verschwörer ... i Der König entschloß sich, auf seiner Stelle ansznharren, bis die „Verschwörungsversammlung" beendet' sein wird. Vielleicht werde er doch ein Wort verstehen und Chadgodjo recht behalten. Plötzlich hörte er uns -allen Munden den schallenden Ruf: „Dajeno! Dajeno!" Und dieser Ruf wiederholte sich; von Minute zu Minute — der König zählte vierzchnmal. Ein endloses Befremden, das an Entsetzen grenzte, überfuhr den König. Er konnte nicht begreifen, wie denn der Name -Dajenos, seines Ratgebers, des Vizekönigs; Feind, in diese Versammlung kommt. Soll er zu den Ver- \ schwörern gehören oder haben sich die Inden auch gegen j ihn verschworen? ... * Es trat plötzlich eine Pause ein und der König sah, daß die Versammelten die Mahlzeit eingenommen haben. Die Mahlzeit war beendet und wieder ging ein Flüstern durch die Reihen — es war das Tischgebet, doch der König verstand auch jetzt kein Wort. Gern mochte der König ins Haus treten. Er tvürde sich für einen Durchreifenden ausgeben, der kein Nachtquartier fand und hier ein Ruhen bis zum Morgen erbitten. Dann werde er doch durch irgend ein Wort entlnehmen können, ob man wahrlich über ihn ratschlägt. Doch die Tür war geschloffen und er konnte, ohne sich zu verraten, einen Einlaß nicht erzwingen. Plötzlich öffnete sich die Türe. Der König trat ein und ging gerade aus Menasche zu. Die Leute wähnten, er sei der Prophet Elijahu,*! sie sprangen alle von ihren Sitzen aus, riesen „Baruch Habo!" und voll Ehrfurcht luden sie ihn zum Sitzen ein. Der König war von der ihm bereiteten Aufnahme ganz ergriffen. Es wurde ihm ein Glas Wein gereicht, welches er, da ihm die Kehle trocken war, gierig leerte. Er gab vor, ans der Durchreise zu sein und weil er das Hans so beleuchtet sah, ging er herein, um da ein wenig auszuruhen. Er sprach: „Ich gehöre wohl eurer Gemeinschaft nicht an, doch freue ich mich, in eurer Mitte zu verweilen. *) Nach einer Annahme erscheint an den Sederabende der Prophet Eliajahu und wird ihm zn Ehren die Tür geöffnet, bei welcher Gelegenheit man den Unsichtbaren bewMommt.

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