Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 10 (13.5.1921)
- Date
- 1921-05-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063903-3063913--11285-3078680- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
müssen, daß die von ihnen gls Antiz io nisten und Judenfeinde Gübvandmarkten nicht allein nach der nach Zion benannten Lorah leben, sondern^ was noch mchr besagt, ihre Kinder, mit Hintansetzung «aller Rücksicht «auf deren wirtschaftliches Fortkommen, der Torah und nur dieser erziehen. Während eine ansehnliche Zahl der sich als „gute Juden" und gute Zionisten Gebärdenden die fundamentalischen Satzungen der Zi-onstorah öffentlich verletzt, ja, man nmß fast sagen, verhöhnt, gleichsam, um zu demonstrieren, daß Religion „Privatsache" sei. Denn anders kann es doch nicht gedeutet werden, wenn emffce Männer, denen Lebensart und konventioneller Takt sonst conditio sine qua non sind, keinen Anstand nehmen, bei einem jüdischen Kongreß coram publico tre'foh zu speisen, am Sabbach dem Kartenspiel zu fröhnen, dagegen hüben sie Nur ein mittleidig verächtliches'Lächeln für den Assimilanten, der zu dieser Zeit im Tempel dem Gottesdienst beiwohnt, sich strenge an das Pessachgesetz hält, für seine Familie den Svder gilbt und so „rückständig" ist, überhaupt nach dem Gesetze Moses zu leben und auch, wenn er nicht täglich im Tempel zu schen ist, das vornehmste Gebot, arme Glaubensgenossen'zu unterstützen, erfüllt. Vergleicht man diese grundsätzlichen Widersprüche, dann wird sich die Beantwortung der Frage „Wer der gute Jude sei?" unschwer entscheiden lassen. Diese fällt mnso leichter, als gerade die Betätigung der vom Gesetze geforderten Wohltätigkeit das hervorstechende Merkmal eines wirklich guten Juden war und ist. Zurück zum Judentum. Bon Dr. Alexander L e d erer. In der Pessachnummer des „E g y e n l ö >s e g" veröffentlicht der verdienstvolle Vizepräsident der P öfter israelitischen Religionsgemeinschaft -einen Rückblick auf die zweijährige Tätigkeitsperiode des neuen Vorstandes, sowie das Programm desselben für die Zukunft. Wir übernehmen diesen Artikel Mit dem Bemerken, daß sein Inhalt manches Anregende und Lehrreiche enthält und werden ihn anschließend in der nächstfolgenden Nummer erörtern, da es auch für unsere Kult ns gemeinde . -vom Interesse sein kannzu erfahren, was sie zu unternehmen hätte, um endlich gesunde Zustände des religiösen Löbens zu schaffen. Die Vertiefung der Religiosität und die Erstarkung der Neligionstveue bildet das große Programm der Pester israelitischen Religionsgememschaft und können wir aus Grund des Resultats nach zweijähriger Arbeit in diesem Zeichen hoffen, unter demselben zu siegen. „Iu ben s i n d w i r, I ud en b l ei ben w-i r!" Mit diesem Schlagwort hat unsere Arbeit begonnen und auf dieser Basis bauen und schassen wir weiter. Auf dem Glauben, dem unverrückbaren Gesetze stehen wir„weil nur dieses Lebensmöglichkeit und Lebensbedingung des Judentums bildet. Die jüdische Volksseele hat nicht nur Verlangen nach Religion, sondern sie ist stolz, außerordentlich stolz auf dieselbe. Das Festhalterl an den Traditionen, das Auffrischen der schönen überlieferten Gebräuche, die Erneuerung derselben macht sie glücklich. Bei ihren Zusammenfüm-ten sprechen die Juden davon, rühmen sie gegenseitig und halten den Gottesdienst für schöner, besser urid heiliger, SSM Chadgadjo. Eine Pessachgeschichte von Chajim Bloch. (Schluß.) Voll Zuversicht verließ Chadgadjo «des Königs Palais, tt wußte doch, daß in allen jüdischen Stuben des Abends FeierkÄch-keit einzigen wird, daß viele Menschen bei geschlossenen Türen bersammensitzen werderr. Aber in des Königs Herz loderte das Feuer majestätischer Liebe, «die Liebe zu seinen Untertanen, und er sprach zu sich: „Es ist doch unfaßbar, daß Menasche, mein Vizekönig und erster -Berater, mir untreu geworden ist, daß er nach meiner Krone trachtet . . . eine neue Verleumdung des Chadgadjo, und gewiß hat der schlaue Dajeno sie ersonnen. Ich will der Sache auf den Grund kommen . . . Heute nachts soll die Beratung der Juden stattfinden! Ich weide mich verkleiden «und ihre Gasse auffuchen. Mit meinen Ohren will ich hören, wie sie über mich ratschlagen. Dann —dann werde ich wissen, was ich zu tun habe." Beim EintrM der Nacht verließ der König den Palast. Er war ganz verkleidet, so daß er von den Torwächtern nicht erkannt wurde und sie wähnten, daß es ein Ratgeber des Königs ist. Sein Weg führte ihn inmitten einer Zusammensetzung von Häusern, die 'für sich eine Stadt bildete: -es ist die Judknstaidt. Es war eine -herrliche Nacht. Still -schwamm der Mond am klaren Himmel und die Sternchen lächelten und grüßten mit ihren sanften Strahlen. Draußen war -es still, die Gasse wie 'ausgsftorben. Aus den Fenstern jedoch schlug reiches Licht in die menschenleere Gaste. Die Juden waren 'längst aus der Synagoge heimgekehrt und haben soeben denSeÄer hevgerichtet. Jeder Jude saß an dem weißgedeckten, mit flachen, ungesäuerten weißen Kuchen und Kräutern, rotem Wein und -Hellen Kerzen bestellten Tisch, er bas mit ergriffener Innigkeit und tiefer Andacht die Haggdah, die Geschiche des Auszuges aus Aegypten, und ergötzte sich an den schönen Auslegungender alten Gekehrten zu den zehn Plagen der Aegypter. Besonders schön verlief die Sederfeier im Hause des Exil-Oberhauptes, des Vizekanzlers Menasche, wo treu dem Worte der Hagadah „Wer hungrig ist, komme und esse", auch viele greise, arme, familienlose Stammesbrüder als «Gäste zur Tafel geladen waren. Mit Begeisterung wurden die für diesen Abend sinnvoll zus-ammengesaßten Psalmen und Heiligen Lieder angestimmt. Welche Feierlichkeit und Feuerlichkeit in dieser Stube, welche Helligkeit und Heiligkeit auf allen Gesichtern. Der König schritt voll Bangigkeit aus das Haus seines Vizekanzlers zu. Hier soll die Versammlung abgehalten euilletr