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Die Wahrheit · 1921-04-22 · Heft 9 (22.4.1921) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 9 (22.4.1921)
Date
1921-04-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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9 Seite 13 ® i e W a j) r f> c i t hier wiedergeben, damit unsere Leser die Ansichten dieses großen Rabbiners über den Wiederaufbau Palästinas kennen lernen können. Rabbiner Awraham Jizchak Hakohen Kuk.-Jerusalem schreibt: Wenn es bei all der Verschiedenheit der. Richtungen unserer nationalen Renaissancebewegungen etwas gibt, das über Zänkereien, stürmische Diskussionen und Auseinandersetzungen erhaben ist, so die Idee der Geulath Haarez. Gibt es in der vorwärtsschreitenden Aufbauarbeit für Volk und Land etwas, von dem alle Widersacher ferngchalten werden müssen, so ist es gewiß die Grundidee der Geulath Haarez. G e u l a h t r t n u Haarez! Erlösung des Bodens durch das Volk, durch die Allgemeinheit und ueberführung der mit nationalem Gelbe, mit vereinten Kräften erlösten Grundstücke in das Gemeineigentum des Volkes für alle Ewigkeit — das ist der Gedanke, der würdig ist, von allen ohne Widerspruch beherzigt zu werden. Es entspricht auch dem Gesetze vollauf, daß die Komplexe, die Gemeineigentum sind, nicht für ewig, sondern bloß für 50 Jahre verkauft werden, nach deren Ablauf sie in das Eigentum des Volkes zurückkehren.,. Dieses Prinzip gemahnt uns an die Heiligkeit des Jowels, an die großen Worte „Der Boden soll nie veräußert werden, den er gehört mir ganz und gar." Die Arbeit hierfür ist wahrlich die Grundlage des nationalen Wiederaufbaus und Voraussetzung der Erlösung; sie birgt ungeheure Potenzen in sich. Noch sind wir nicht der Größe des Jowels würdig, der nur für die Zeit der höchsten nationalen Genesung gilt. „Verkündet Freiheit (Jowel) im Lande für alle Bewohner", d. h. wenn alle Bewohner darin sind. Diesen: höchsten Ziele streben wir eben zu, und unser Verlangen danach findet Ausdruck in der Erlösung des Bodens durch den Keren Kasemeh. Er ist somit dessen würdig, daß ihm jedermann mit ehrfurchtsvollen Gefühlen und Liebe ent- -gegenkommt. Die Erlösung des Bodens im Sinne des Keren Kajemeth wird die oberste-Krone sein, deren nm je statischer Glanz die Leistunaen jedes einzelnen für die Wiederaufrichtung des Volkes Israel in Erez Jisrael umstrahlt und die ganze Aufbauarbeit in einen wahrhaft nationalen Nimbus hüllt. Darum appeliere ich: Helft den Schwachen! Festiget die Grundlage unseres Aufbaues, der Erlösung des Bodens für die Gotterlösten, die vom Feinde Befreiten! Von Ost und West, Nord und Süd wird das Volk in Massen herströmen. Durch die Geulath Haarez wird das Volk erlöst werden, durch die Geulath Haguf die Seele gesunden! Und jedermann, der das sehnsuchtsvoll herbeiwünscht, wird ein Wunder erleben ... G e u l a h titnu Haarez! „UndM^ werde sie im Lande Pflanzen und mich der erbarmungslos Getretenen erbarmen und dem mir untreu gewordenen Volke sagen: „D u b i ft me in V o l k." Und dieses wird antworten: „Und Du m ein G o tt." . Knigge übtt die Juden. Der Wert eines Buches ergibt sich zweifellos aus seiner Verbreitung und dem Dank «der Zeit, während der es'gelesen wird. Es gibt Bücher, die eine Auflage erleben und sofort nach ihrem Erscheinen nicht mehr gelesen werden. Es gibt aber auch Bücher, die niemals veralten und immer wieder gelesen werden, so daß sie auch immer neue Auflagen erleben. Dazu gehört auch das Buch: „Ueber den Umgang mit Menschen" von Adolf Freiherrn Knigge. Es wurde das erstemal im Jahre 1787 herausgegeben, erschien seitdem immer wieder in neuen Auflagen und wurde in allen lebenden Sprachen übersetzt. Es enthält ebenso'unendlich viel Lebensweisheit und Wahrheiten, au denen der Zeitablauf und die-geänderten Lebens- und gesellschaftlichen Verhältnisse nicht ändern können. Denn die letzten Quellen der menschlichen Handlungen liegen in den Eigenarten der Menschen, in ihren Vorzügen und Fehlern, die immer wiederkehren. Leider wird über das genannte Werk viel häufiger bloß angeführt als gründlich gelesen. Es enthält auch einige Ausführungen über die Juden, die verdienen, einem größeren Kreis von Lesern bekanntgemacht zu werden. Im sechsten Kapitel, achter Abschnitt: Ueber die Juden im allgemeinen heißt es unter anderem: .„Daß die unverantwortliche Verachtung, mit welcher früher den Juden begegnet wurde, der Druck, in welchem sie in den meisten Ländern lebten, und die Unmöglichkeit, in die man sie versetzte, aus andere Weise als durch Micher chren Lebensunterhalt zu gewinnen, daß dies alles wenig dazu beitragen konnte, sie in moralischer Beziehung zu heben — endlich, daß es trotz aller dieser Umstände so viel edle, wohlwollende und großmütige Menschen unter ihnen wie unter den Christen gibt — das sind bekannte, oft wiederholte Dinge .... Juden aller Stände haben übrigens in ihrer Haltung und in ihren Gewohnheiten viel charakteristisches. Doch noch einmal sei wiederholt, daß es weder für den Denker noch für den Menschenfreund einen Unterschied zwischen Juden und Christen gibt. So schrieb Knigge im Jahre 1787, somit vor 130 Jahren, zu einer Zeit, zu der die Juden noch vieler bürgerlichen Rechte entbehrten. Sicherlich ist Knigge in seinen: Geiste und in seinem Gerechtigkeitssinne nicht bloß seinen Zeitgenossen, sondern auch vielen unserer Zeit weit vorausgeeilt. Mögen seine edlen Worte auch zu den Feinden der Juden dringen, die in letzter Zeit häufig aus gehässige Aeußerungen deutscher Schriftsteller über die Juden verweisen, und mögen sie auch von ihren Gegnern beherzigt werden! Dr. E. W. Oberkantor I. Morgenstern. Nach mehrmonatiger Abwesenheit von Wien ist der treffliche Oberkantor des Leopoldstädter Tempels zu seiner Tätigkeit zurückgekehrr und hat damit sein Wort emgelöst, an den Pesfach-Feiertaaeu bei seiner Gemeinde zu erscheinen. Wir verzeichnen, daß Herr Oberkantor Morgenstern mit seiner Kunst im Anslande wahre Triumphe feierte, denen auch ein glänzender materieller Erfolg zugunsten jüdisch-humanitärer Anstalten nicht fehlte. Dem Willkommgruß des allgemein beliebten und geschätzten Oberkantors von seiten seiner zahlreichen Freunde und Bewunderer schließen wir uns gerne an und werden über sein schönes Wirken in der Fremde demnächst des näheren berichten. Delegiertentag der Wiener Tempelvereine. Sonntag, den 17. d. M., fand im Hause der Kaufmannschaft, Wien, Schwarzenbergplatz, eine von zwölf der größten Tempelvereiüe und 40 Vertretern besuchte Versammlung statt, m welcher äußerst wichtige und interessante Angelegenheiten zur Verhandlung kamen. Wir werden über den Verlaus derselben und über besonders belangreiche Einzelheiten in . der nächsten Nummer ausführlich berichten. Berufsjubiläum. Ter kommerzielle Direktor der Firma Gottlieb Taussig, KomMerzialrat Leopold B a ß, beging am 15. April d. I. sein 40jähriges DienstjubUäum in genanntem Hause. Kommerzialrat Baß ist feit vielen Jahren Mitglied der Bezwkskommission XII—XV, Vizepräsident des Talmud Thora-Vereins und des jiidischen Turnvereines Fünfhaus, geschäftssührender Vorsitzender des Vereines zur Ausspeisung armer jüdischer Schulkinder der Bezirke XII—XV, Mitglied des Beirats für Handelsstatistik im Bundesministerium für Handel, Industrie und Bauten, Experte des Zollbeirates, Mitglied der Zentralpreisprüsungskommission und Vorstandsmitgl ied des Gremiums der ständig beeideten Sachverständigen! und Schatzmeister.

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