Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 9 (22.4.1921)
- Date
- 1921-04-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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«*& I S Die G. füffen sollten.^,Wo bleiben die L. und $).", hört mau immer wiederNns Anüvort auf die Hilferufe, die von hier hinausgehen. Das „Scmierungskomitee" ist es, das sich dieser Aufgabe unterzogen hat, die eine Rettung unzähliger. Armer, Kranker, verlassener Greife, blinder und taubstummer Kinder, zugleich aber auch eine Ehrenrettung der Wiener Judenschaft 'bedeutet. Millionen hat diese rührige Arbeitsgemeinschaft bereits ihrem Zwecke Angeführt. Ihr Hochziel ist, in erster Reihe die Erhaltung und Ausgestaltung des in seinem Bestände arg gefährdeter: Rot hschild-Spitals, das allein die. Kultusgemeinde rnonatlich mit nahezu einer .Mllion belastet, sowie des Bersorgungs- und Siechenhauses. Bon der erdrückenden Bürde dieser Anstalten die Kultusgemeinde zu entlaster: und sie auf eigene Füße zu stellen, das muß das Gelöbnis jedes bewußten Wiener Juden sein. Mit Stolz darf das Sanierungskomitee daraus Hinweisen, daß es jüngst der Kultusgemeinde in einem Stadium finanzieller Verlegen^ heit damit aushelfen konnte, daß es für die genannteil beiden Institute der Gemeinde eine bare Million zur Verfügung stellte. Muß sich das „Sanieruugskomitee" prinzipiell ans diese Anstalten sowie das Taubstummenrrnd Bliardeninstrtut beschränken, so ist zu weiter ausgreifender HTsstätigkeit aus seiner Mitte der Verein „Wohlfahrt" ins Leben getreten. Trotz der kurzen Zeit seines Bestehens hat dieser Verein bereits eine ganze Reihe von Wohlsährtsiustituten, darunter nicht nur ausschließlich jüdische, sondern auch rnterkofessionelle Anstalten mit jüdischer Belegschaft, außerdem aber in dringenden Fällen einzelne Personen mit hohen Beiträgen bedacht. Keiner, der in diese Tätigkeit einen Einblick gewinnt, kann sich eines inneren Zwanges erwehren, der ihm gebieterisch zuruft: „Hier mußt du rnittvn, so wahr du Jude, so wahr du Mensch bist!" Der Verein „Wohlfahrt" setzt seinen Ehrgeiz darein, alles auszübieten, bis jeder, aber auch jeder Wiener Jude in seinen Listen als Mitglied geführt wird. Der geringe MitgliÄ>sbeitrag soll nicht mehr als eine Schekelsteuer sein, ein Anerkennungszins, mit dem sich jeder jüdische Wiener als Jude bekennt, bereit, an dem großen Unternehmen der wirtschaftlichen Sanierung der Wiener jüdischen Gemeinde mitzuwirken. Freiwillige Spenden, um die der Verein außerdem sich bemüht, sollen Grundlage und Bausteine für dieses gewaltige Werk bilden. So arbeiten „Saniernngskomitee" und „Wohlfahrt" Hand in Hand, jsdes mit eigener Marschroute, beide einem gemeinsamen Ziele zustrebend. Daß eine solche Arbeit, bisher unter wenige verteilt und''durchwegs ausschließlich im Ehrenamt geleistet, an die Mitarbeiter hohe Anforderungen stellt, begreift sich leicht. Um so erfreulicher ist die Feststellung, daß sich wertvolle Kräfte auch außerhalb dieses eilgen Kreises an der Sammeltätigkeit beteilige. So hat, um nur ein besonders rühmenswertes Beispiel gerade aus jüngster Zeit hervorzuheben, Herr Adolf H o s m a n n, der bestens bekannte langjährige Obmann des Margaretner Tempelvereines, ein Veteran der Humanität, von der Tätigkeit des „Sauierungskomitees" angeregt, diesem kürzlich ein S amm eiergeb nisvon über 100.000 Kronen eingehändigt. Manmuß aber den Sammelbogen selbst sehen, um staunend wahrzunehmen, wie diese Summe sich ans einer Unmenge kleinerer Leistmrgen zusammensetzt. Welch mühselige Arbeit eines mehr als Siebzigjährigen! Wie viel dritte und vierte Stöcke waren zu erklimmen, um dieses schöne Werk zu vollbringen! Es war nur das sichtbare .Bekenntnis einer großen Dankesschuld, wenn das „Sanierungskvmitee" Herrn Präsidenten Hvsman n in feierlicher Sitzung durch Ueberreichung eines Ehrendiplomes und. entsprechende mündliche Anerkennung feiner vorbildlichen I Tat gewürdigt hat. Vivant sequentes! Möge dieses leuchtende Beispiel zahlreiche Nachahmer finden! Man hat sich in manchen Kreisen Neu-Wiens daran gewöhnt, auf /,lokale" Bedürfnisse von dem Wolkenthron „höher" zielender Hilfsaktionen mit Geringschätzung herabznblicken und das jüdische Wien mit seinem im eminenten Sinne kulturellen, relgiösen und vor allem sozialen Elend feistem nicht ganz verdienten Schicksal zu überlassen. Auch das Ausland ist infolgedessen über die Situation grundfalsch informiert. Es ist m: der Zeit, hier endlich extra et intra muros Klarheit zu schaffen. Eine Gemeinde, die Tenrpelruinen wieder aufznbauen hat, für die Erhaltung des Religionsunterrichtes, für ihre Kranken und Greife sorgen, die ihre Angestellten vor den: Hungertode bewahren und tausend andere Unabweisbare Pflichten erfüllen muß, sie . darf sich nicht bescheiden in de:: Hintergrund drängen und mundtot machen lassen. Sie muß endlich an die breiteste internationale Öffentlichkeit den Ruf ergehen lassen: „W o bleibe n wir Wie n e r?!" Von diesem Gefühls daß die Nächstliegende Pflicht die wichtigste ist, beseelt, arbeiten „Sanierungskomitee" und „Wohlfahrt". Ihnen gilt es, jüdische Not zu lindern. Für sie ist Jude Jude. Gleichviel, ob einheimisch, ob zngewandert. Und hat auch hie und da besonderer Anlaß dazu geführt, dem einen oder anderen Mitarbeiter ein Zeichen der Anerkennung für seine Leistungen zu zollen, ohne Absicht auf solche Ehrung tut jeder irr diesem Kreise, was er als seine selbstverständliche Pflicht ansieht. Nur. ein Outsider, der aus freien Stückerr sich an diesen Arbeiten rühmlich beteiligt, verdient öffentlich erwähnt zu werden, wie unser Adolf H o f m a u it. R. Leopoldstädter Kranken-UnterftÜtzungsverein „Nächstenliebe". Wien, II., Große Stadtgutgasse 34. Bei der an: 17. April d. I. vorgenommenen Konstituierung des Ausschusses hat der bisherige Obmann des Vereines Herr Moritz Rosenblatt infolge seines hohen Alters seine Stelle zurückgelegt. Herr Moritz Rosenblatt hat durch 34 Jahre dem Ausschüsse angehört, während dieser Zeit durch sieben Jahre die Stelle des Schriftführers bekleidet und stand seit 27 Jahren dem Vereine als Obmann vor. In Würdigung der von demselben vorgebrachten Gründe hat der Ausschuß von dem unwiderruflichen Entschlüsse mit größtem Bedauern Kenntnis genommen und zufolge einstimmigen Beschlusses denselben zum Ehrenobmanne ernannt. Gleichzeitig hat der Ausschuß unter dem Eindrücke dieser die Person des Herrn Moritz Rosenblatt hoch ehrenden Würdigung seiner dem Wöhle und Gedeihen des Vereines durch mdhr als ein Menschenalter gewidmeten verdienstvollen Tätigkeit, eine den Namen „Moritz Rosenblatt" tragenden Stiftung in derselben Sitzung gegründet, welche unter den anwesenden Ausschußmiikgliedern die Sammlung eines Betrages von vorläufig K 10.000.— ergab. Zum Obmanne wurde der seit 26 Jahren als Schriftführer, bzw. Obmannstellvertreter verdienstvoll wirkende Herr Adolf R eich, zum Obmann stellvertreter Herr Jsak Schönherz einstimmig gewählt. Zum Kasse Verwalter der seit 36 Jahren lobenswert tätige Herr Hermann Löwy, zum Schriftführer resp. Stellvertreter die verdienstvollen Herren Alexander G u tt m a n u bzw. Samuel Bojnitze r und zum Kontrollor Herr Max Robi cek gewählt. Dis Zusammensetzung des Ausschusses gibt Gewähr dafür, daß der Verein so-wie bisher zum besten seiner Mitglieder tveitergeführt, dessen verdienstvolles Wirken iu weiten Kreisen der Bevölkerung anerkannt wird. - Genlath Haarez. Wir werdeli um Verössentlichnng der folgenden Notiz ersucht, die wir, ohne uns mit dem I nationalen Charakter derselben sinderstanden zu erklären,