Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 9 (22.4.1921)
- Date
- 1921-04-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. S St* «ißrItzik Seite II Du gibst Ihnen gute Lehren, Trostworte und' eiferst die Kinder Deiner Gemeinde zu Wohltätigkeit und Gottesfurcht an. Kann es eine schönere Tätigkeit geben, als Gottes Namen den Menschen zu predigen? Auch ich bin ein Diener des himmlischen Vaters. Unser beider Gott ist ein und derselbe Gott. Er ist unser Schöpfer und Vater und wennwi r a u ch v e r s ch.i e d e n e W eg e g e h e n, sind wir doch alle seine K i n d e r. Und da wir nun Kinder eines Gottes sind, so müssen wir einander liebevolle Brüder sein und deshalb habe ich an- Deiner Freude teilgenommen und beglückwünsche Dich zur hohen Auszeichnung. Es tut mir sehr leid, daß ich Dich nicht besuchen konnte, um Dir mündlich meine Verehrung auszudrücken, da ich dienstlich verhindert bin. Adonai fei mit Dir und segne Dich." Dieses Schreiben betrachten wir als ein Dokument der Zeit, als ein leuchtendes Beispiel religiöser Verbrüderung unbeschadet der Verschiedenheit der Konfessionen hüben und drüben. Aehnlichen Zeichen begegnen wir auch in Deutschland, wo katholische und Protestantische Kirchensürsten gegen'den Antisemitismus und für den Schuü des Judentums in Wort und Schrift auftreterr. Nur Oesterreich bildet leider eine schwarte Insel inmitten dieser sonnigen Gefilde, hier besteht noch immer von Seite geistlicher und weltlicher Machthaber das Bestreben, gegen das Judentum zu Heden und den religiösen Frieden, wenn er irgendwie schwache Anläufe nimmt, zu Hintertreiben. Beweis dafür die fortgesetzten Antisemitentage, der Eifer, Arie.rparagraphe in alle möglichen Vereine und Körperschaften hineinzutragen und so auf der .ganzen fiiitie den gesellschaftlichen und religiösen Zwist großzuAichen. _ Eingesendet. Wir werden ersucht, unter Verantwortlichlest des Gefertigten folgendes zu veröffentlichen: W a r nun g! Ich war seit 16 Jahren bei der Temesvar - Josefstädter israelitisch - orthodoxen Kultnsgemeinde als Oberkantor zur vollsten Zufriedenheit' der Gemeindemitglieder tätig. Während des Weltkrieges war ich, sowie viele meiner Berufskollegen zum Militärdienst herangezogen, wo 'ich volle drei Jahre diente. Bei der Abrüstung wurde ich durch Rabbiner Bernat Schuck und die. Gemeindevorstehung ohne jedweden Grund und Ursache meines'Postens äl's verlustig erklärt.. Nicht allein das, ich wurde während der. 10 Bußtage mit Polizeigewalt von meiner bei der.Gemeinde innegehabten Wohnung samt meinen fjtnf Kindern ganz einfach, auf die Gasse gesetzt, delogiert vor Jonkipur, ohne Erbarmen. Ich war auf die Mildtätigkeit.anderer Leute angewiesen und stehe jetzt im Prozeß mit der Gemeinde..'Ich wurde dadurch ist eist unsagbares Elend versetzt. Nachdem die Gemeinde gar keinen Grund gehccht hat,., mich von meinem Posten zu suspendieren, wie das .Gericht beweisen' dürfte, so betrachte ich mich noch immer als den rechtmäßigen Oberkantor der Gemeinde und warne jeden Kantorkollegen,. auf die Stelle eistes Oberkantor beüder Temesvar-Josesstädter orthodoxen Gemeinde zu reflektieren, insolange ich nicht "durch eine entsprechende' Äbfertigrmg zufriedengestellt werde. Für die Veröffentlichung dieser, Zeilen'sage ich Ihnen,sehn geehrter Herr. Redstkteur, Dank und zeichne hochachtungsvoll Jakob- S chw'a r.z m a n n, Oberkantor, Temesvar. A Unnfnlit tpn Kauft zu den höchsten Hr nBuIcID Ä tP, Preisen alle Sorten Wien 11.. 21 ij.__ i - l i _ Taborstrasse 96 utmptnß Telephon Nr.T-40238 KIIIIIJj Kullwl RW Bo« Nah und FAm WM Adolf Becks 7V. Geburtstag. (1. Mm 1921.) Zu den Persönlichkeiten, die sich ans philautropischem Gebiete eines verdienten Rufes erfreuen, gehört unzweifelhaft der Präses des Josefstädter Tempelvereines, Herr Adolf Beck. Am 1. Mai l. I. wird Adolf Beck, involler körperlicher und geistiger Rüstigkeit siebzig Jahre alt. Die aufgewühlte und schwere Zeit, die wir durchleben un-d in ihren Auswirkungen noch iniimei; schwer empfinden, ist nicht geeignet Feste zu begehen. Doch darf es nicht unterlassen werden, über Adolf Beck, dessen Leben imfo Wirksamkeit mit dem Judentum des achten Wiener Gemeinde bezirkes eng verbunden ist, aus diesem -Anlässe einiges zu veröffentlichen. Schon lange, nachdem fast in sämtlichen Bezirken Wiens, jüdische Gotteshäuser bestanden haben, gab es in der Josefstadt kein einziges jüdisches Bethans, ist welchen: die jüdischen Einwohner dieses Bezirkes ihre Andacht hätten verrichten können. Erst im Jahre 1862, wurde im Hause „zur Rundelle", in der Florianigasse, das erste jüdische Bethaus errichtet. Sein Gründer war der Vater des Jubilars, der nunmehr selige Herr Wilhelm Beck. Wieviele Kämpfe, Mühe und Ovfermnt d-azn gehörte, um zur damaligen Zeit in dieser Antisemitenburg ein jüdisches Zentrum, emen Sammelpnnkt der jüdischen Einwohner dieses Bezirkes zu errichten, darüber müßte man ein besonderes Kapitel schreiben, welches zu den interessantesten in der Geschichte des Wiener Judentums zählen dürfte. Wilhelm Beck scheute keine Mühe und Opfer und nach hartem Kämpfen gelang es ihm, die jüdische Gemeinde in der Josefftadt zu begründen. Der Lohn ist nicht ausgeblieben. Er hat ein patriarchalisches Alter erreicht und erst, als er das neun Jahrzehnt überschritten, das Zeitliche gesegnet. Aber auch be: Lebzeiten schon, ist es ihm gegönnt gewesen, beim Aufbau des herrlichen Gotteshauses in der Nerrdeggergasse mitzuwirken. Da waren es aber auch schon die Sbhme, Hermann und Adolf Beck, welche sich in erster Reihe um diesen Neubau große Verdienste erwarben. Dieses, in seiner Bracht uüö Herrlichkeit einzig dastehende Gotteshaus, wird für ewige Zeiten das Wahrzeichen einer wabrhast frommen und gnt jüdischen Familie sein und bleiben. Und nun feiert der Senior dieser Familie sein siebzigstes Wiegenfest, gleichzeitig das 40jährige Jubiläum, als Vorstandsmitglied des Josefstädter Tempelvereines. Seiner Initiative und unermüdlichem Bestreben, als Präses dieses Vereines, ist es zuznschreiben, daß der Verein seine Ausgaben stetig erweitern konnte, so daß der Joserstädter Tempelverein als mustergiltig in der ganzen Wienerstadt dasteht. Möge es dem Jubilar vergönnt sein noch lange dem Leben erhalten zu bleiben, zur Ehre der Josefstädter Gemeinde und zum Wohl des jüdischen "Volkes. I. G. Pioniere sozialer Fürsorge. In stiller Anspruchslosigkeit, fern von jeder Reklamesucht und Popularitäts-, hafcherei, arbeitet hier in Wien ein kleiner Stab von Menschenfreunden an einem Werk, das aus den ersten Blick einer Sisiphusarbeit ähnlich sieht. Diese Tapferen nehmen furchtlos den Kampsmit dem Wiener jüdischen Elend auf. Das Ausland, vor-allem das herrliche Amerika,-ioeift mit Recht daraus hin^daß zur Eindämmung der Wiener Armur die Wi e n'.^p Reichen w erster Reihe Menschenpslicht er V' § 'Y" r- I