Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 9 (22.4.1921)
- Date
- 1921-04-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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f Nr. D D i e W a h vH e i t Seite 7 je ein Adler und ein Löwe. Dein König Salomo boten sie bei seinem Emporsteigen auf den Stufen des Thrones eine bequeme Stütze, indem sie mit ihrer Tatze, bzw. Schwinge seinen Fuß emporhoben. Den Räubern dieses Thrones aber (Pharao Necho, Nebukadnezar) gereicht derselbe zum Nachteil, indem gerade die treuen Wächter desselben, Löwe und Adler, sie zu Falle brachten. (Jalkut 123 b, und Guiseppe Lewi: Parabeln, Legenden und Gedanken, S. 313). Alle Phantasie, welche diese Legende aufwendet, um Salomos Thron auszuschmücken, spricht gleichwohl mehr durch das, was sie verbirgt, als durch das, was sie offenbart: durch die dieselbe durchleuchtende Tendenz des strafenden Fatums an den zügellosen Räubern., . Das gleiche Motiv der Wandelbarkeit des unrechtmäßigen Gutes liegt offenbar folgender Stelle des Jalkut zugrunde. Ihr Gegenstand ist wohl keines der heiligen Geräte, sondern die Bodenreform, welche Josef in Ägyptenwährend -der dortigen Hungersnot einführte, indem er dem'Volke für dessen Besitzstand Getreide verkaufte, dadurch das königliche Privateigentum vermehrte und das Volk vom Hungertod errettete. Immerhin tritt auch hier das Motiv der Vergeltung und Strafe wegen gewaltsamer Entwendung fremden Eigentums zum Vorschein.- (Genes, Kap. 47, 14 ff.) Resch Lakisch lehrte: Jener königliche Silberschatz.lag bis Rchabeam (zur Regierung gelangte). Da kam Schischak König von Aegypten und nahm ihn von Rchabeam, sodann Sarach König von Aethiopien und nahm chn von Schischak. Assa nahm ihn von Sarach und sandte ihn. dem Hadrimon Sohn Tabrimons. Sodann kamen die Söhne Amons und raubten-ihn von Hadrimon. Es kam Joschaphat und nahm ihn von den Söhnen Amons und er. lag bis Achas (zur Regierung gelangte). Es kam Sanherib und entwendete ihn von Achas, -Hiskia, und nahm ihn von-Sanherib und er lag'bis Zidkijah (zur Regierung gelangte). Es kamen die Babylonier und raubten ihn von Zidkijah, die .Perser, und nahmen ihn von den Babyloniern, die Griechenland nahmen ihn von den I Persern, die Römer, und nahmen ihn.von den Griechen * und gegenwärtig liegt er . in Roma." (Jalkut zu Genes. Kap. 47 s. v. w.aj'laket Josef.) Der Tradent dieser Relation Resch Lakisch wirkte zur Zeit, da noch Romas Hand über ihren Unterdrückten lastete, um 230 n. d. g. Z. (s. Jerusalmi,. Schehiith VI, p. 36, d VIII, Ende, und Grätz, Gesch. d. Inden, 4, S. 261). Die .Sentenz: „und gegenwärtig liegt er irr Roma" läßt der Ueberzeugung freien Spielraum, daß das strafende Verhängnis^ so wie bisher, auch jene Macht ereilen werde, die frevelhaft in die Gewalt jenes Gutes sich setzte, welches einst die Hand der Getreuen gesammelt bzw. gehütet hatte. Von Interesse für unseren Gegenstand erscheint noch der Passus in dem Pismon für den Rüsttag des Neujahrstages; S'chor brith Abraham; u. z. w'chol machmadchu n'tuloth ug'nnsoth.. „und alle ihre (der heiligen Stadt) Kostbarkeiten, sind hinweggerafft und verschollen"; ein Passus, der im Geiste unserer zitierten talmndischen Legenden empfunden ist, die allesamt die heiligen Tempelgegenftände behandeln. Vielleicht haben wir.auch den Autor dieses Pismon in B y z a n z zu suchen, in dessen Gebiet ja die heiligen Kleinodien des Tempels verschollen sein sollen. So behairptete sich ja bis auf unsere Tage das Gerücht von dom in der Schatzkammer des Sultan von Konstantinopel sich befindenden Jerusalemer Tempelschatz. Und genährt wurde dieses Gerücht durch den Umstand, daß ja die Muslemin die Bosieger des byzantinischen Reiches waren. (Dgl. Sam. Krauß >a. a. O., S. 106 f., 129, 156.) . (Forlsktzung. folgt.) Chad-Ga-jo! Eine Pejjach Geschichte von Chajim Bloch. Es ist freilich schon lange her, da regierte einmal ein König über viele Länder und Reiche gar mächtig. Er war mit allen guten Eigenschaften begabt und allen, die ihm untertan waren, mild und gütig und hatte nur deu einen Fehler, wenn das bei einem König „Fehler" genannt werden kann, daß er schlicht und einfalrrg war und Wahrheit und Gerechtigkeit liebte. Unter jenen, die aus seines Reiches Erde und unter seines Schwertes Schutz luchten, waren auch viele Nachkommen Abrahams, Jrzchats und Jakobs — aus welchem Erdteil sind die Verflogenen Israels nicht zu findend Und sie wandelten alle in den Pfaoen ihrer Ahnen, das „Ja" und das „Nein" unserer Thora, waren ihnen heiligstes Gesetz und sie wichen nicht von den Gepflogenheiten ihrer Vorfahren, weder nach rechts, noch nach unks. Und der l'lllmachnge ergoß über sie feine Gnade, daß sie in den Augen des Königs Wohlwollen und Erbarmen fanden, sie gelangten zu großen ruerchtümern und An;ehen und allerlei Klemooen und chr Ruf ging nach allen Gnden der Welt. ''Auch die Völker, die seil uralten Zeiten auf den Boden des Reiches wohnten, verehrten und achteten die Juden gar sehr und wählten rhren Exilsürsten, den Rejch-Galara, Menarche ben Usuel zum Vizekönig. Unter den Ratgebern des Königs, deren Zahl elf war, waren zwei Männer, der eine hieß Ehao-Gadjo, der zweite Daniel, welche beide innig befreundet waren. Der erste stammte aus irgend einem fernen Lande des Morgens, kam als kleiner Knabe in des Königs Hauptstadt, in welcher er, zum Manne herangewachfen, die Herrfchenüe Religion angenommen und ist taum zwanzig Jahre alt wegen ferner Klugheit und Beredsamkeit in den Kreis der korugllchen Ratgeoer berufen worden. Er war aber nicht nur klug und redegewandt, er war auch ehrgeizig llno es brannte ein verzehrendes Verlangen in fornonr Herzen, Vizekönig zu werden. Er war voll des Neides gegen den jüdischen Vizekönig und es verdroß chn stets grrmmig, wenn er vernahm, wie der König die Brederkeit feines Vizekönigs lobte. Der zweite war der Sohn eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter, also die Frucht einer Mischung, nahm den Glauben feiner Diutter an und änderte alsdann seinen Namen auf D a j e n u. Cr war ein schlauer Mensch voll der List rmd des Truges, und auch er war dem Vizekönig feind, und immerdar sannen die in Haß vereinten Freunde, nach Mittel um Menasche von seiner hohen Stelle hinabzudrängen. Sie redeten oft und oft vor dem König über die Juden und den Vizekönig Verkehrtheiten und ersannen gar seltsame Dinge, um den Zorn des Königs gegen sie zu erregen. Doch der König verharrte stets in seiner Milde und machte all ihr Ansinnen zunichte. Und es war an einem Tage, da erkrankte Chad-Gadjo schwer und als Dajenu ihn besuchte, sprach Chad-Gadjo zu Dajenu also: „Höre nur zu, teurer und guter Freund! In meinem Herzen gärt es furchtbar, ich halte es nicht länger aus, wenn ich Menasche, den Juden in königlichem Palaste sche, und mein Hirn ist schon ganz verdorrt von Sinnen, wie ich den Vizekönig aus dem königlichen Palast vertreibe .Fort mit ihm.mag mein Kopf aufs Spiel gefetzt sein — mein Verlangen muß in Erfüllung gehen. Dll sollst dafür meine Schwester zum Weibe bekommen — der Schwager Chad-Gadjos, des Vizeckönigs sollst du werden."