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Die Wahrheit · 1921-04-22 · Heft 9 (22.4.1921) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 9 (22.4.1921)
Date
1921-04-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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W. S Wt» t W 5 hrh ei L vergessen, daß mehr als durch W j> r t e wir mit Taten für uns zeugen, daß unser Leben unb Wirken, die Betätigung unseres Gottesglanbens unser schönster Schild und unsere sicherste Gegenwehr bleiben müssen. Eine Grundbedingung «des gewünschten- Erfolges aber ist, daß die schon oben beklagte fehlende Einigkeit der Juden endlich doch geschaffen werde, denn nur durch sie, besonders im Kreise des arg zerklüfteten Wiener Judentums, wird das unterdrückte _M einer Welt von Feindeu die Stirne bieten könne.!. Einigkeit aus Grund g e g e n seit i.g r d; 111 n g und Verständnisses ist geeignet, uns für den Kampf gegen die Gegner zu stählen, uns Mut und Trost in der Stunde der Gefahr zu spenden, zugleich aber auch unser Selbstoewußtsein zu heben, unsere 'Bekenntnistreue zu stärken, uns Stolz und Achtung, Liebe und Anhänglichkeit zum^Judentum und seiner Lehre einzufloßen, denn rmr auf diesem Woge gelangen wir zur Selbstzucht uno zu jener sittlichen -Höhe, die als Ideal der jüdischen Gemeinschaft stets gegolten hat. Durch Einigkeit, Selbstläuterung und Veredelung werden wir zum Ziele gelangen, nur müßten sich überragende Männer finden, denen die Gabe verliehen ist, das Judentum in ein Lager zu bringen, anstatt, wie es bisher von destruktiven Elementen geschahen, es in Parteien und Gegner zu zersplittern. Dann wird die Zeit nahe sein, wo allen zur Gewißheit wird, daß Gott für rtns ftreitet und auf unserer Seite das Recht und die Wahrheit ist. Dr. H. Jüdische Motive in der WeMileratur. Ein Beitrag zur vergleichenden Literaturkuude. Bon einem Rabbiner. Alle Rechte Vorbehalten. (Fortsetzung) Hieher gehört auch die in dem Kantus für den ersterr Sederabend: Ub'chen waj'hi bachazi halajlah, geschilderte göttliche Strafe an dem Tempelräuber Nebukadnezar: mischtaker bich'ke kodesch neherag bo halajlah. „Er, Nebukadnezar- (bzw. Belsazar), der mittels der Herligen Tempelgefäße sich berauschte, ward in jener Nacht getötet." Daß nebenbei bemerkt, diese Dichtung, die heute sich auch im Wut der Schacharithandacht für Pesiach findet, ursprünglich skr die häusliche Liturgie des Sederabends als Wernkantus bestimmt war, dafür sprechen die Refrains „balajlah" am ersten und „bapeffach" am zweiten Abend, die respondierend die Tischgenossen singen. Aus den oben zitierten Worten des Midr. r. Esther drängt sich unzweideutig das Motiv des unglückseligen Loses auf, das diejenigen erreicht, welche die heiligen Opfergefäße dadurch entweihten, daß sie diese Gegenstände, die ehemals dem Altardienst inr Heiligtum zu Jerusalem gewidmet waren, entwürdigten. Aber ebenso schwer es Belsazar selbst angerechnet wird, daß er die Tempelgeräte e n tweiht, ebenso liebevoll wird die P i e t ä t gegen dieselben anerkannt: „Die 7 Fürsten von Parath und Madai" .(Esther I, 14) „erfreuten sich nur deshalb bisher göttlicher Gnade: „schelo nischtam'schu bich'le Beth hamikd," weil sie keine Profanierung mtt-den Tempelgeräten gettieben. (M. R. Esther, c. 4 s. v. w'hakurob.) Dieses Motiv des Strafgerichtes, welches an dem Entweiher der heiligen Geräte sich vollzieht, leitet auch folgende Stelle über die geheiligten Gegenstände. Doch sind -es hier die S ch m u ck g e w ä n d e r des Hohenpriesters, die Himmel. Der Edelmann lacht unbändig und der Vorleser tut das nämliche. „Ich glaube nicht," spricht der Gutsbesitzer, „daß wir dem Himmel gegenüber das Briefgeheimnis wahren müssen, zumal zwischen Himmel und Erde noch keinerlei legitimer Postverkehr besteht! . . ." Mit diesen Worten j nahm er ein Papiermesser vom Schreibttfch, zerschnitt das Kuvert und reichte den sonderbaren Brief Herrn Rosenj zweig zum Duchlesen und Verdolmetschen. Der Brieftext! lautete folgendermaßen: „Teuerer Vater im Himmel, j gütiger Gott! Ich, dein niederer Knecht, Herschel Zwi,! Sohn deiner ergebenen Magd Chajesore, Hausierer nn ■ Do'rse Krapotatsch, Nummer Zwölf, die Zahl, welche an die ftommen Stämme Israel gemahnt, und mein Eheweib j Malke, Tochter der Zipporah, bitten dich auch im Namen! unserer sieben unmündigen Kinder, die du uns in deiner l großen Gnade schenktest, um folgende Wohltaten aus! deinem guten himmlischen Schatze fiir das bevorstehende! Pessachfest! Sich, guter, gütigster Gott! Alles bereitet j sich vor zum heiligen Feste der Osterbrote. Man kauft den! Kindern Röckelach, Schuchlach und Söckelach, Hntelüch siirs! süße Kinderköpfelach und" fiir den Sedertisch Gläslach und! Töpflach und was das liebe Aug' nur zu sehen vermag und! ich, dein Knecht Herschel Zwi, Sohn deiner ergebenen Magd! Chajesorn, stehe mit betrübtem Herzen, wie ein Gihbar! (Held), der nicht helfen kann, und richte meine Blicke zu den Bergen: Bon Wannen soll die Hilfe kommen! Also sprach zu mir mein frommes Weib Malke, welche du aus meinen Rippen schnittest: „Setz' dich zu Tisch, nimm Tinb' und Feder und schreib auf einem weißen Papier eine Bitt' an Gott im Himmel, an unseren guten, .gütigsten alten Vater. Gieß vor ihm dein Herz ans und sag', du brauchst das nud jenes unbedingt zur Heiligung des geliebten Pessachfeftes. Er soll uns schicken aus dem guten himmlischen Schatze, was man braucht für sich und sieben Kinderlach (sollen leben). Denn was ist es fiir so eine große Sache, wenn er schickt zum Leben fiir neun Personen auf neun Tage? Es ist beim lieben Gott wie ein Tropfen im Meer, wie ein Grashalm auf der weiten Heide! Wir brauchen Mazzot, Eier, Fleisch und bittere Kräuter, einen Kessel voll Meth, gut gezuckertes, für die Sederabende und auch sonst und Gewände! und Schuhzeug — wenn schon, neu — für unsere sieben Würmchen. Und schon! Was ist das fiir eine so große Sache bei Gott im Himmel, der für 600.000 Juden durch lange vierzig Jahre in der Wüste gesorgt hat, ihnen Manna mit Gott weiß was bestrichen oder bestreut alle Tage gegeben. Dann schlag nach die Hagada, wie esdort von den Wohltaten Gottes geschrieben, steht: Dajenu— Dajenu! Wieviel Wunder dort Gott an seinen! Volke Israel getan! Nicht zu sagen! Vergiß nicht i f

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