Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 8 (15.4.1921)
- Date
- 1921-04-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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vom Feinde lernen und sinngemäß die Parole hinausaeben: Ins jüdische Haus die 'jüdische Presse! Als solche aber ist nicht jene anzusprechen, die von den Antisemiten als Judenblätter bezeichnet werden, aber diese" Bezeichnung nicht verdienen, denn niemals vertreten sie bedrohte Freiheiten und Rechte des Judentums. Diese Aufgabe bleibt der ausgesprochen jüdischen Presse überlassen, die den schweren, vpservollen Kamps gegen ein Heer von Widersachern aufnimmt und dabei keine andere Stütze findet, als überzeugte Glaubens- und Parteitzenoffen. Um so dringlicher ergeht deshalb an diese die ernste Mahnmrg. Das jüdische B l a t t d er j ü d i sch en Famili e! Ei« riesiges Oedland in Syrien. Die syrische Wüste, heute eine unfruchtbare Einöde, gehörte einst zü den dichtbevölkertsten und am höchsten zivilisierten Gebieten der Erde, und Hunderte von Ruinenstätten erzählen von «der stolzen Vergangenheit der jetzt so unwirtlichen Gegend. Die Frage, warum dieses' Land der völligen Verödung anheimsiel, gehört zu den interessantesten der geschichtlichen Forschung; -sie ist ober auch von dem neuesten Bearbeiter des Problems, H. C. Butler, nicht gelöst worden. Wie B. Brandt in eine.r Besprechung dieser Abhandlung in den „Naturwissenschaften" hervorhebt, handelt es sich dabei weniger um eine geschichtliche als um eine naturwissenschaftliche Frage. Die Untersuchungen der jüngsten Zeit haben erwiesen, » daß das jetzt menschenleere GebM der syrischen Wüste einst dichter bevölkert war als, die Großstädte ausgenommen, die bevölkertsten Teile Englands und der Vereinigten Staaten. Die Wirtschaft und ZivMfatiwn der semitischen, seit dem Aleranderzuge mit europäischen Kolostiften durchsetzten Bevölkerung standen auf. hoher Stufe. Ein großartiges Straßennetz und mächtige Brückenbauten ermöglichten einen umfangreichen Außenhandel mit Indien und Rom und der^blühenden Kultur entsprossen iene wunderbaren Tempel und Kirchen, Theater und Bäder, Villen und Grabdenkmäler, deren Ruinen noch heute stehen. Die Blütezeit reicht von ungefähr 300 vor bis 000 ngch unserer Zeitrechnung und endete mit den Eroberungszügen der Perser und des Islams. Da die Perser ihr Land durch einen Wüstengürtel gegen fremde Einfälle schützen wollten, zerstörten sie die Befestigungen und Städte. Wer damit ist noch nicht erklärt, warum sich das fruchtbare Land in eine Einöde wandelte. Man findet Hunderte von Oel- und Weinpreffen in Gebieten, in denen heute weder ein Baum noch ein Weinstock Wurzel kaffen kann; wo chemals reiche Pflanzungen gestanden haben muffen, ragt heute nackter Fels, Flußketten über die mächtigen Brücken gespannt und an deren Ufern noch Wacheinrichtungen vorharrden sind, zeigen nur Sand und Geröll, haben das ganze Jahr nicht ein Tropfen Waffer. Die Brunnenanlagen, Zisternen und Berieselungsvorrichtungen, auf die man allenthalben stößt, beweisen, 'daß damals Waffer genug zur Verfügung stand; mit Holz tri-efc man jetzt m dem baumlosen Lande große Verschwen-- düng, die sich aus den Hänserbanten erkennen läßt. Gewiß mögen die Wälder rücksichtslos niedergeschlagen worden sein; die weidenden Ziegen- und Schafherden verhrndMten die Witdermcksorstung; infolgedessen wurde das Erdreich abgefpült und das kahle Gestein kam zum Vorschein. Man hat auch aus historischen Befunden aatf eine Klirnaverschlechterrrng schließen wollen. Wer durch das alles wird noch nicht erklärt, wie die fruchtbare Brotkrume,' die Wälder, Quellen und Flüsse, so völlig verschwanden und der Wüste wichen. Itjplppl Vermischtes Eine wohlverdiente Auszeichnung. Herr Müritz Biß, das verdienstvolle Vorstandsmitglied des Leopoldstäd'ter Tempelverdmes und Schriftführer' des hunraui-täven Berenres Montefiore, auch hier eine segensreiche Tätigkeit entfaltend, war aus-Anlaß seiner 26jährigen vorzügliche Mitarbeit bei der Firma I. Ripp er, Wien, II., Gegenstand erster wohlverdienten Ehnmg. Es wurde ihm nämlich durch die Wiener Handelskammer die bronzene Medaille und das hierauf bezügliche Ehrend'iplom überreicht. Bundesministers H e i n l ustd die Vertreter der Kammer und des Gremiums ließen es an anerkennenswerten ' Worten, die seinem bisherigen Wirken entsprachen, nicht fehlen. Bei den lebhaften Syrnpathien, deren der Gefeierte sich allseits erfreut, wird 'die Nachricht von feister Ehrung gewiß lebhaftem Interesse begegnen. Barmizwahseier. Sanistag, den 9. d. M. feierte Hans Heinz W achte.!, Sohn des in weiten Kreisen bekannten "Präsidenten der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge, Herrn I. Wachtel und seiner Gemahlin Adelaide, geb. B o n d i, sein Barmizwahfest ' im. Seitenstettentempel. Zu der schönen Feier hatten sich die Bethausvorsteher sowie zahlreiche Verwandte und Freunde des Hauses eingesunden. Nach altjüdischer Sitte und Tradition der Familie ' - gemäß, trug der Knabe die Paraschah wie den Prophetenabschnitt' in der weihevollen Melodie vor, die, von frischen Kindorlippen gesprochen, einen tiefen Eindruck auf die andächtigen Zuhörer machte. Herr Oberrabbiner Dr. C h ajes richtete sodann eine,auf das Ereignis bezughabende Ansprache an den Konfirmanden. Die Eltern wie der Sohn, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, wurden von allen Anwesenden herzlichst beglückwünscht. In jedem Antlitz war der vom Herzen kommende Wunsch zu lesen, daß der stramme Junge zur Ehre seiner allgemein geschätzten Familie und zur Ehre seiner Eltern heranwachse, . welchem Wunsche auch wir uns anschließen. Der Voll-, ständigkeit halber erwähnen wir noch, daß sowohl der Vater des Barmizwanten wie besten Verwandte bei d.iesem Anlässe verschiedenen Wohltätigkeitszwecken bedeutende Spenden widmeten. Anschließend an die Feier im Tempel hielt der junge Wachtel bei dem im Elternhause stattgefmrdenen Familienfeste eine der Bedeutung des Tages entsprechende Rede., die bei allen Anwesenden tiefen Eindruck und. große Bewunderung hervvrries. Goldene Hochzeit. Herr und Frau Samuel Stern begehen Samstag, den 16. April um V2 10 Uhr vormMags im Pazmanitentempel das schöne Fest der goldenen Hoch- - zeit. Bei der Beliebtheit der Jubilare ustd deren Familie wird es an vielfachen Ovationen aus diesem Anlasse nicht fehlen. Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge, Wien. Mittwoch, den 30. März, halb 6 Uhr abends, hat.im großen Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde die ordentliche Delegiertenvevsammlnng der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge unter starker Beteiligung der . angeschloffenen Vereine und WohsfahrtsinsMttWnen ftattgeftmden. Der Vorsitzende. Präsident I. Wachtel, begrüßte die erschienenen Mitglieder und Gäste undgedachte hierauf der seit der letzten Delegiertenversamlung . Heimgegangenen Mitglieder und Förderer Baron Gustav Springe r, Richard Lieben, Dr. Markus S p i tz e r und Frau Marta Stiaßny. Nach Verlesung und Verifizierung des Protokolls der letzten Delegiertenversamni-