Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 8 (15.4.1921)
- Date
- 1921-04-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063903-3063911--11260-3078653- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
$t. 8 Seite 13 3£*S£* --* D i e Wahr heit lung erstattete Sekretär Dr. Löwy den Bericht über dte Tätigkeit der Zentralstelle imb deren Verbände, in welchem insbesondere die erfolgreichen Aktionen des Bekleidungsverbandes, des Knrverbandes und des Alterssürsorge verbandes mit großem Interesse ausgenommen'wurden. Der Bericht verwies ans die mannigfache Förderung, die als Folge der Zentralisierung den cmgeschlossenen Wohlfahrtsin'stikltione:: durch Zuwendung von namhaften Geldspenden sowie durch Beschaffung von Lebensmitteln, Schuhen,' Kleidern, Stoffen und anderen Bedarfsartikeln durch Vermittlung der Zentralstelle zuteil, wurde. Ueber Antrag des Herrn Direktors Max Fischer wurde der Tätigkeitsbericht sowie der. vom Kass«Verwalter Herrn Direktor Leopold Herz erstattete Kassabericht zur Kenntnis genommen und dem Kuratorium das Absolutorium erteilt. Ueber Antrag des Herrn Professor M. Salzmann wurden die Ergänzungswahlen in das Kuratvriunr per Akklamation vorgenommen; als gewählt erschienen: I . Wachtel, Dr. S. K r ü-g e r, R eg ine U l lm a n n, Leopold Herz, Lea B o n d i, Prof. Dr. Ludwig B r a u n, Emilie Weiß, Felix M a y e r. Eine Anregung des Herrn Oskar Goldschmied, die Organisation der Wohlfahrtspflege und sozialen Fürsorge bezirksweise auszugeftalten, führte zu einer lebhaften Debatte, au welcher Herr Dr. Rudolf Schar ft ein, Herr Antow Beck, Frau Sofie Grün seid und Herr Dr. S. Krüger teilnahmen. Die gegebene Anregung wurde teils zustimmend, teils ablehnend ausgenommen und nach Schluß der. Debatte dem Kuratorium zur Be' rabung und zur Behandlung überwiesen. Nach Erschöpfung der Tagesordnung wurde die Delegiertenversamlung von: Vorsitzenden unter Ausdruck des Dankes an die Er, schienenen geschlo stell. - Trauungen.- Sonntag, den 3. d. M. fand unter ungewöhnlicher Beteiligung der besten Kreise der Leopoldftadt die Trauung des Fräuleins Steffi B l n m, Tochter der Eheleute Anton und Fanny B l n m, mit Herrn Oskar Winkler statt. In seiner Rede entwarf Herr Rabbiner Dr. S. Fu n k ein schönes Mld von dem Leben und Wirken der Eltern und Ahnen des Bräutigams, sprach von den großen Verdiensten der Familie Blum um ihre kleine, walüumsäumte HeimatsgemeindeBoskowitz und das alte Gotteshaus dieser Stadt, in welchem alles, was schön und kostbar ist, der Name Blum schmückt. Er erzählte von edlem Wirken der Männer und Frauen dieses Namens, deren Herzen für alles Hohe und Ideale warn: schlugen und forderte das - Brautpaar auf, in den Wegen dieser Vorfahren zu wandeln und .eim Heiligtum der selbstlosen Menschenliebe zu errichten. —- Donnerstag, den 31. v. M. fand im Seitenstättentempel die Trauung des Fräulein Rnza Laus ch, Tochter des Ehepaares Julio und Franziska L a u s ch, mit Herrn Leopold R o s a n i s, Sohn des bekannten Minerallvastergroßhälldlers Josef R o s a n i s und feiner Gattill Marie statt. In seiner Ansprache an die Braut betonte Rabbiner Dr. M. G r u n w a l d die vorbildlichen Tugenden der beiden Brauteltern, würdigte deren musterhaftes Familienleben, Wohltätigkeitssinn und jüdisches Empfinden, was dem jungen Brautpaar zur Nachahmung empfohlen wurde. Die kantorale Funktion besorgte erster Kantor Herp.M a t y.a s unter Mitwirkung des trefflichen Chors. — Aus der großen Zahl der Trauungen, die Sonntag, den 10. d. M., in; Pazmanitentempel ftattgefunden haben, erwähnen wir: Fräulein Grell L i n s er, Tochter des durch seine Wohltätigkeit und vornehmen Charakter allgemein geschätzten Herrn David Lins er und seiner Gattin Johanna mit Herrn Karl Schwa r z. Fräulein Valerie Wies m a i e r mit Herrn Hermann. G r ü n w a l d. Den Traulmgen wohnte ein überaus großes Publikum bei, das mit lebhafter Teilnahme den Zeremoniell folgte, die von Herrn Rabbiner Dr. S. F u n k, Oberkantor I. G i b l i chm a n n unter Assistenz des Tempelchors ausgeführt wurden. — Dienstag, den 12. d. M., fand im Zeremoniensaale des Pazmanitentempels vor dem engsten Familienkreise die Trauung des Fräuleins Therese Rietz, Schwester des durch seine Wohltätigkeit allgemein geschätzten Vorstandsmitgliedes Julius Rieß, mit Herrn Berthokd S ch n e ck statt. In seiner Ansprache gedachte der Rabbiner des vor kurzem erfolgten Ablebens des Vaters der Braut und mahnte sie, die schönen jüdischen Traditionen, die sie im Elternhause empfangen und im Hause ihres Bruders beobachten konnte, nunmehr auch im eigenen Heim zu wahren. Ein jüdisches Trachtenfest. Unter der Devise „Ein Abend am Hose des Königs Ahasverus" veranstalteten die jüdischen Mandatare der Leopoldftadt nllter der Leitung des Armenrates Josef Brenner zum Zwecke der Gründung eines Fonds „Rasche Hilfe für verschämLe arme Juden des 2. Bezirkes" am 31. März Men Abend in den Sofiensälen. Zur Aufführung gelangte eine Szene aus Grillparzers „Escher" (dargeftellt von Kramer und Miriam Schnabel vom Deutschen Bokkscheador). Glänzend war der mit einem Reigen vom Professor Singer einstudierte Gebettanz. Hiezu komponierte Herr Oberkantor L ö w i t eine Musik im altjüdischeu Stil? Unter den anwesenden Gasten bemerkte man Gememderat Dr. Plafchkes, Bezirksrat Rappaport, Präsidenten der „Allianz Espaniola" Galimei, Oberkantor Lowit, Professor Ehrlich, Bildhauer Löw, Dichter der prämiierten jüdischen Märchen Siegfried Abeles, die Armenräte Stern, Barschak, Groß, Friedmann, Deutsch, Fleischmann, Weiß, Plafchkes und viele andere. Das Reinerträgnis dä Abends betrug zirka eine halbe Million Kronen. Ein Hauptereignis des Abends bildete das erstklassige, äußerst reichhaltige Busfett, das von Damen des Komitees gratis beigestellt wurde und um welches sich Frau Brenner und Frau Stern die Hauptverdrenste erworben haben. Allgemeine Depositenbank. Die unter Borfitz des Präsidenten Castiglioni abgehaltene außerordentliche Generalversammlung der Depositenbank beschloß die Erhöhung des Aktienkapitals von 300 Millionen Kronen auf 500' Millionen Kronen. Generaldirektor Paul Gvldstein wies in seiner Begründung darauf hin, daß Wien bereits der Umschlagplatz und Umschlaghafen im Warenverkehr mit den Nationalstaaten geworden ist. Für die Balkanländer und den! werteren Orient wird fich der. Zwischenhandel, soweit es nicht schon jetzt der Fall ist, in Wien abspielen. Der Antrag, das Aktienkapital :«nr 200 Millionen Kronen zu erhöhen, beruht in erster Linie auf dem Plan, zur weiterer: Förderung 'des Exports die ausländischen Verbindungen der Bank noch weiter ans* zubauen. Außerdem hat die Bank ihre Verbindungen mit der Industrie in vielen Beziehungen erweitert. Anderseits könne aber auch die Depositenbank der Anlehnung an die in den Nationalstaaten befindlichen Banken nicht entraten. Nach einstimmiger Annahme des Antrages wurde der Vorstand mit der Durchführung dieser Kapitalserhöhung betraut, dem die Festsetzung des Zeitpunktes' und der Modalitäten der Begebung überlassen bleibt Ein edler Menschenfreund. Infolge der wunderschönen Frühlingstage versetzt sich mein Geist in den Sommer. Mit welchem Bangen und Sehnen sehen die Kranken der