Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 8 (15.4.1921)
- Date
- 1921-04-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. Ä D i» Wahrheit Hel Ls 9 Wo rjt mm das ursprüngliche M o t i v dieser, bei den deutschen Dichtern in mannigfachen Weuduregen so beharrlich wiederkehrenden Legenden von den Tempelgeräten, die ihren Plünderern zum Verhängnis gereichen, zu suchend Zur Orientierung über diesen Gegenstand erscheint es vorteilhaft, die bekanntesten Legenden im jüdischen Schrifttum, welche diese Materie behandeln, heranzuziehen und einer kritischen Betrachtung zu unterwerfen. Hiebei ist aber Folgendes zu beachten: Diese Legenden haben jeweilig verschieden^ Tempelgerate zur Voraussetzung: Bald die goldenen und silbernen O p f e r g e f g ß e, bald die heiligen Gewänder des Hohenpriesters, bald die anderen heiligen Kleinodien, wie goldener Tisch, B u u d e s l a d e, Thron usw. Es wird sich zeigen, daß Abraham Berliners Ansicht zu berichtigen ist, als^ob „die jüdischen Quellen über die anderen Gegenstände des Heiligtums. schweigen und wir jeder Nachricht entbehren, wohin sie . . . gebracht worden seien". (Abr. Berliner, Gesch. d. Juden in Rom) und daß vielmehr .die talmudisch-midraschischen Quellen auch „über die anderen Gegenstände" des Heiligtllms reichlich fließen. Gehen wir vorerst von der B i b e l aus. Die erste Erwähnung von einem Raube der heiligen Tempelgeräte findet sich rm 2. Buch der Könige, Kap. 14, 14: „Und er (Joas, König von Israel) raubte alles Gold und Silber und alle Geräte, die sich fanden im Gotteshaus und in den Schatzkammern des Königshauses." Diese Tatsache wird aber hier bloß registriert, ohne noch von einem ^Schmerz des jndäischen Volkes darüber Erwähnung zu tun. Dasselbe gilt von der im 2. Buch der Könige, Kap. 24,13 f., 25,13 f., erwähnten, durch Nebukadnezar geraubten „Schätze des Gotteshauses". Ganz anders verhält es sich mit Jeremias, Kap. 27, 16 ff-, und 28, 3 ff. Dort gelangt die schwärmer i s ch e L i e b e, mit welcher das Volk ar\ diesen. Zeichen einstigen nationalen Glanzes, an den heiligen TempelgesäßeN'hing, zum Ausdruck. (Vgl. Raschi, 5.B. Mose, 18, 21.) Das Volk klammert sich an dieselben mit seiner ganzen nationalen Hoffnung. So lange diese Dinge twch in seinem Besitze sind oder „vom Lande des Exils, Babylon, ' zurückgebracht werden alsbald, schnelle", so lange der Zusammenbruch kein endgültiger, so lange ist das Vertrauen in die Zukunft nicht gänzlich erschüttert. Erst mit dem Raube seiner heiligen Insignien ist dem Volk auch seine Zuversicht geraubt worden. Allein mitten in aller Wehmut beginnt die fromme Hoffnung neuerdings ihre Fäden zu spinnen: Wohl ist der Raub der heiligen Gegenstände Tatsache geworden, doch ihre Räuber erreicht das ahndende Gottesgericht, \ . Die erste Spur in der t a l m u d i s ch - m i d r a s ch is ch e n Literatur von den heiligen Tempelgeräten, die ihren Räubern Unheil bringen, haben wir an folgender Stelle zu erblicken: „Und Geräte (w'kelim) von verschiedener Art (mikelim schonim). R. Samuel b. Nachmeni lehrt: Geräte, welche diejenigen vernichten (m'challim), die Mißbrauch mir ihnen treiben und verschiedenartig (schonim) wirken durch ihr Verhängnis. Wodurch fügte es sich, daß Belsazars Andenken ans der Welt schwand? Nicht dadurch, daß er mit den heiligen Tempelgeräten Mißbrauch trieb? Denn es heißt (Daniel 5): „Belsazar befahl im Weinrausch, einherzuholen die goldenen und silbernen Gefäße, die Nebukadnezar geraubt hatte." Wie lautet es unmittelbar hierauf? Ln derselben Nacht wurde Belsazar getötet". (Dan. 5, 30; Mrdr. r. Esther, s. v?w'hasch'koth.) - (Fortsetzung folgt.) ll Wahrheiten vom Tage wm Die Geheimnisse der Weisen von Zion. Wie wir schon bei Besprechung 'der Gegenschrift von Otto I r i e d r i ch ausgesührt haben, sind die „Weisen von. Zion" bloß Gebilde einerverbrecherischen Phantasie iuti> ihre frei erfundenen . Geheimnisse beinhalten Weisungen zur Vernichtung der christlichen Macht aus Kosten Israels. Es ist Schurtd- und Schundliteratur tiefster Klasse, aber es läfjt' sich jetzt mehr denn je ein Geschäft damit machen. Man wundere sich also nicht, wenn der antisemitische Buchhandel den lohnenden Artikel ausschvotet. Belustigend wirkt eine im „Börsenblatt für-den deutschen Buchhan del" veröffentlichte Beschwerde eines Buchhändlers über die Praktiken des deutschnationalen Verlages" „Auf Vorposten", Eharlottenbnrg, der den Gesinnungsgenossen ans Herz legt, das Machwerk nur durch ihn zu 'beziehen. Der Einsender schreibt dazu: „Nur die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber. Ich warne daher das Sorti- - ment so lange vor dem Vertrieb des Buches, bis der Verlag seine Sortimentsinserate wegläßt. Um meinen Angriff Glicht politisch falsch lauslogen zu lassen, erkläre ich, daß ich mich seit 30 Jahren konservativ und deutschnationar als Führer 'betätige und so weit rechts stehe, daß, wenn ich weiter damit gehe, ich an die Wand komme." Wenn es ums Geschäft geht, raufen auch Deutfchnationale miteinander. Dieser Tage kam der Jahresbericht Äs American Jewish Committee für das Jahr 1920 heraus. In diesem erscheint die Geschichte jener antisemitischen Protokolle des amerikanischen AutomoMkönigs Henry Ford, der bei seinem Geschäft reich geworden und sonach in der Sage ist, seine reichen Mittel für den Sport des Antisemitismus zu verwenden. In dem Bericht Wird sestgeftellt, daß die Direktion des American Jewish Committee von diesen „Geheimnissen der Weisen von Zion" Kenntnis erhielt, noch ehe sie in Europa veröffentlicht wurden. Die russi- .. scheu Antisemiten, an ihrer Spitze der „Gelehrte" S. N ilns, welche die falschen Protokolle zu dem Zwecke verfaßten und hergestellt hatten, um durch sie den Indenhaß in Rußland wachzuhalten und reaktionäre Propaganda, zu treiben, wandten sich an das amerikanische jüdische Komitee mit dem Vorschlag, gegen eine große Llblösungsiumme die angeblichen Originalprotokolle zu vernichten. Das Komitee lehnte selbstverständlich ein solches Ansinnen ab nnd wies den Erpressungsversnch entschieden zurück. Daraufhin wurden dann diese Protokolle unter den verschiedensten Titeln in England und später auch in anderen Ländern, vornehmlich in Deutschland, veröffentlicht. Interessant ist auch die Feststellung des Berichtes, daß General Denikin sich dieser Protokolle bei seiner gegenrevolutionären Kampagne bediente, indem er den Haß gegen den Bolschewismus dadurch zu erwecken suchte, daß er ihn als eine jüdische Bewegung hinstellte. Alle obigen Feststellungen gipfeln in der Wahrheit, daß schmutzige Profitgier, verbrecherische Instinkte und GewissenlosiAeit den Dreibund bilden, der als Antisemitismus nach Weltgeltung strebt. Der Wink mit dem Zaunpsahl. Die „Öberösterreichische Arbeiter-Zeitung", ein chrrftlichsoziales Hetzblatt ärgster Spielart, ist gegen den Fremdenverkehr im Lande. Unter Fremde versteht sie aber ausschließlich jüdische Gäste. Man höre dieses wackere Organ: „Und wenn wir uns noch an das Publikum erinnern, das uns mit seinem Aufenthalt beglückte, so müssen wir um desto mehr unseren Widerstand geltend machen. Es waren nicht harmlose erholungSbßd ürstig» Fremd», di» di» Naturhsilmiltsl m An»