Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1921-04-15 · Heft 8 (15.4.1921) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 8 (15.4.1921)
Date
1921-04-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063903-3063911--11254-3078647
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

seite 7 Nr. 8 __________D i e Wahr he it D e Leb ymnd Wein r e i ch, die uns nun zu einem Fest-! mahl geleiteten, das von dem wohlbekannten rituellen! Restaurant' Simon im Bahnhofswartefaal bereitet worden war und dazu beitrug, unsere gehobene Stimmung : noch um etliche Grade zu erhöhen. Dieser Reigen der Genüsse fand am nächsten Morgen seinen Abschluß in einem Knssee mit Weißbrod, den uns die Breslauer Filiale der freien Vereinigung kredenzte, als deren Vertreter die Herren Aron Kobe rund Bankier L ö w y von uns vorher verständigt worden waren. Diese ganze Serie von Aufmerksamkeiten wiederholte sich auf unserer Rückfahrt. Wir tragen nur einen winzigen Bruchteil unserer Schuld an alle die Genannten ab, wenn wir ihnen an dieser Stelle von ganzem Herzen unseren wärmsten Dank aussprechen. Sie Haben den glänzenden Beweis erbracht, daß selbst unter erschwerenden Umständen, wie sie hier Vorlagen, dank brüderlicher Hilfe der Jude in Beobachtung seiner religiösen Pflichten und Rücksichten nicht in Verlegenheit zu geraten und keinerlei Entbehrung sich aufzuerlegen braucht. - Und nun noch ein weiteres Wörtchen Mer das Judentum bei der Abstimmung. Ausfallend war das numerische Ueberwiegen des Mischen Elements in vielen Abstimmungszügen und dieses, Element war es, das gerade in den gefährdetsten Abstimmungsbezirken eine gewichtige Rolle spielte. In vielen Dörfern, aus denen, namentlich infolge des polnischen Terrors, die deutsche'Bevölkerung nahezu völlig abgewandert war, erschienen diese jüdischen Abstimmler, die ihren Geburtsort vielfach als Kinder bereits verlassen hatten, um nun ihre Stimme zugunsten Deutschlands in die Wagschale zu werfen. Welchen Eindruck der offenkundige patriotische Eifer der jüdischen Oberschlesier auf vorurteilsfreie Seelen ausüben muß, möge folgendes Beispiel beleuchten. In der Hauptstadt eines deutschen Bundesstaates sollten zwei Oftj jaden ausgewiesen werden. Unbescholtene Familienväter, j Die nichts anderes verbrochen hatten, als daß chre Wiege! in Galizien gestanden hatte und sie nicht genug polnischen j Patriotismus aufzubringen vermochten, um in die Hemmt! zurückzukehren und sich dort abschlachten zu lassen. Die höchste behördliche Instanz, die über das Schicksal dieser Aermsten endgültig zu entscheiden hatte, erfuhr zufällig von dem Anteil jüdischer Mitwirkung an dem Erfolge der oberschlesischen Abstimmung, nnd in edlem Impuls wurde mit einem Federstrich der Ausweisungsbefehl gegen jene beÄen Ostjnden aufgehoberr. . Aber noch mehr und dies das Wichtigste, ardi et orbi hier zum ersten Male verlautbart: In einigen Verbänden, die sich mit der Durchführung der großen Abstimmungsaktion zu besaßen hatten, trug man Bedenken, Juden in die Leitung aufzunehmen Da war es nun die höchste Stelle im deutschen Reich, die diesen Herren folgende verblüffende Aufklärung bot: Nach dem Vorvertrag sollte bekanntlich Oberschlesien bedingungslos den Polen zufallen. Da wandten sich oberschlefische Juden an eine Stelle in Amerika, die auf maßgebende Perfönlichkeiten Einfluß hatte. Und auf diesem Wege wurde die ursprüngliche Zuweisung Oberschlesiens an Polen in — das Plebiszit umgewandelt. Wir sind in der Lage, mit Nennung des Gewährsmannes für die Zuverlässigkeit dieser Mitteilung einzustehen. Wenn wir von ihr hier Gebrauch machen, fo geschieht es nicht, um für die Juden und ihr in ihren Augen selbstverständliches Verhalten in der Äbftimmungsfrage irgendwelche Anerkennung herausznfordern. Wir wollen nur eines sestgestellt haben. Sollten gewisse Kreise nach Tische wieder anders lesen und auch die Abstimmung in Oberschlesien, dieses glänzende Denkmal deutscher Heimatliebe, zum Ausgangspunkt für Judenhetzen wählen wollen, so kei die Schändlichkeit dieses bübischen Treibens, das dem deutschen Volke den Rest von Kveoit im Auslände zu raMen geeignet ist, schon heut an den Pranger gestellt und der Verachtung preisgegeben, die es verdient! E. Wiener. . „Herr Oiberschames, ihr habt ja soviel Hunderter, wechselt uns fünf ungarische Zwanziger, sie sind unter Brüdern das Doppelte wert." Der Schames wechselte das Geld und alle lachten laut auf. Ein „Oiberschames", der ein Oibernarr" ist — so etwas kommt nur bei Lederers Hochzeit vor. ' Im Hotel Jerusalem Warnas ganze Souterrain für die Schnorrer hergerichtet worden, an langen, gedeckten Tischen wurde für jeden einzelnen Fische, Fleisch, Bäckerei, Wein und Sodawasser serviert. ' Als die Armen ganz unter sich waren und einige laut das Tischgbet zu sagen schienen, da rief einer aus: „Nu, was hätten wir vom Streik gehabt?" ,,So," erwiderte der Anführer, „da sieht man, wie dumm und unpraktisch ihr seid. Der reiche Lederer braucht uns d notwendig für seine Glückseligkeit, viel notwendiger als ihr glaubt. Er hätte keine Freude an der ganzen Hochzeit gehabt, wenn er uns nicht hätte ausspeisen können. Wie könnten sonst seine' Ssonim zerspringen? Er hätte uns gerns en, er hätte uns alles nachgegeben." „Was hätten wir noch haben können?" „Wenn ihr jetzt gesehen habt, was ihr ohne Streik bekommen habt, so könnt ihr euch erst vorstellen, was wir m i t dem Streik bekommen hätten." „Gott soll mir nur helfen", sagte da ein altes.Weib, „ich soll meiner Mirele, gesund soll sie mir sein,, auch so eine Chass-ene machen können." „Chuzpe, wie kann man so etwas nur sagen!" „Warum, ist meine Mirele nicht schöner wie Feischl Lederers Tochter? Der Vater von Feischl war auch noch ein armer Mensch, ein Hausierer, und der Krieg hat auf einmal Millionäre gemacht. Die einen kaufen Villen und Häuser, die anderen Wälder und Felder und Waggons werden von einem Ort zum anderen geschoben; Juwelen, Aktien, Gelder, Stoffe, Petroleum, Spiritus, Wein, Mehl, Vieh, Leder geht von Hand zu Hand und einer wird reicher als der andere und was haben wir davon? Nicht einmal unsere Kinder können wir versorgen, daß sie nicht betteln müssen." Da erschien die Braut im Schleier gefchmückt und fragte alle, ob sie zufrieden seien, den Kindern gab sie Zuckerl und verschwand wieder wie eine Königin. „Nun, ist eure Mirele auch so-schön?" fragten viele/ „Zieht nur meine Mirele so an, ist sie vielleicht noch schöner." _ ' Man fiel über die arme Frau her und wollte sie prügeln, der Wein hatte olle in Hitze gebracht und die Kellner müßten die Schnorrer aus dem Lokal werfen, so daß sie sich nicht einmal die Tafchen füllen konnten. An einen Streik aber hat man nie wieder gedacht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.